SMA: Hoher Anteil stiller Mutationsträger29. Mai 2023 SYDNEY (Biermann) – Eine australische Studie deutet auf einen kleinen, aber bedeutenden Anteil stiller Träger von Genmutationen für Spinale Muskelatrophie (SMA) hin, die durch konventionelles Screening nicht identifiziert werden. Um die verschiedenen Genotypen bei Eltern von Kindern mit SMA zu quantifizieren, hatten Joanne E. Davidson vom Sydney Children’s Hospital, Australien, und Kollegen retrospektiv den Genotyp von Eltern bestimmt, deren Kinder zwischen 2005 und 2021 geboren worden waren und eine genetisch bestätigte SMA hatten. Dabei wurde auch die Zahl der SMN1-Exons 7 und 8 erhoben. Bei den Kindern bestimmten die Forschenden zudem die Anzahl der Kopien von SMN2-Exon 7. Ziel der Studie war es, den Anteil der Träger des Genotyps 2+0 (2 SMN1-Kopien auf einem Chromoson, 0 Kopien auf dem anderen) zu ermitteln, die als stille Träger eingestuft wurden. Mithilfe des Chi-Quadrat-Tests ermittelten die Autoren zudem die Assoziation zwischen Eltern mit einer heterozygoten SMN1-Exon-7-Deletion und zwei Kopien von Exon 8 und einer SMN2-Kopienzahl von ≥3 bei den Kindern. Insgesamt wurden SMA-Trägertests bei 118 Eltern von 60 Kindern durchgeführt, von denen 59 homozygote SMN1-Deletionen zeigten. Bei einem Kind wurden heterozygote pathogene Varianten nachgewiesen. Von den Eltern der SMA-Patienten besaßen 7,6 Prozent zwei Kopien von SMN1-Exon 7. Wurden nur Probanden mit einer homozygoten SMN1-Exon-7-Deletion einbezogen, hatten 6,9 Prozent der Eltern zwei Kopien von SMN1-Exon 7. Es wurde ein Zusammenhang zwischen einer heterozygoten Deletion von SMN1-Exon 7 mit zwei Kopien von Exon 8 bei einem Elternteil und einer SMN2-Kopienzahl von ≥3 bei dem betroffenen Probanden festgestellt (p=0,07). Genkonversionsereignisse könnten die Assoziationen zwischen dem Trägerstatus der Eltern und der SMN2-Kopienzahl der Probanden untermauern, resümieren die Autoren. Angesichts des nachgewiesenen Anteils von stillen Trägern hängt die Effektivität des Träger-Screenings für SMA von einer genetischen Beratung ab. Nur so könne die Kompetenz in Bezug auf Ergebnisse mit hohem und niedrigem Risiko gefördert werden. Das Neugeborenen-Screening und eine weiterhin hohe klinische Aufmerksamkeit für SMA ergänzten diese Maßnahmen. (ej) Autoren: Davidson JE et al.Korrespondenz: Arlene M. D’Silva; [email protected]Studie: The Carrier Frequency of Two SMN1 Genes in Parents of Symptomatic Children with SMA and the Significance of SMN1 Exon 8 in CarriersQuelle: Genes (Basel) 2023 Jul 6;14(7):1403.doi: 10.3390/genes14071403