So beeinflussen Darmbakterien die MS

Aus dem Darm stammende Stoffwechselprodukte scheinen neurotoxisch zu wirken und eine Rolle beim Fortschreiten der Multiplen Sklerose zu spielen. (Foto: © Nicoletta Barolini)

In jüngster Zeit deuteten Forschungsergebnisse immer wieder darauf hin, dass eine Reihe von neurologischen Erkrankungen ihre Ursache auch in einem veränderten Darmmikrobiom hat – darunter auch die Multiple Sklerose. Noch nicht vollständig verstanden ist allerdings, wie die Darmbakterien mit dem Gehirn kommunizieren und den neurodegenerativen Prozess beeinflussen. Nun hat ein US-amerikanisches Forschungsteam möglicherweise eine Erklärung gefunden.

„Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Darmbakterien von MS-Patienten große Mengen an p-Kresol-Sulfat, Indoxyl-Sulfat und N-Phenylacetylglutamin produzieren und in den Blutkreislauf abgeben, von wo aus sie schließlich in das Nervenwasser gelangen“, sagt Hye-Jin Park, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Studie. „Dort umspülen diese toxischen Stoffwechselprodukte dann Gehirn und Rückenmark und spielen möglicherweise auch bei der Zerstörung der schützenden Myelinscheide eine Rolle.“

Für die Studie hatte das Forschungsteam Blut- und Liquorproben von MS-Patienten untersucht, die an einem MS-Zentrum im Nordosten New Yorks, USA, behandelt wurden. Die Proben wurden den Freiwilligen vor und nach Aufnahme der Behandlung mit Dimethylfumarat entnommen, das eine tiefgreifende Wirkung auf das Darmmikrobiom haben soll. Dabei fanden die Forschenden bei den Probanden vor Therapiebeginn eine im Vergleich zu gesunden Personen erhöhte Konzentration der drei toxischen Stoffwechselprodukte. Nach der Behandlung war deren Menge deutlich verringert.

„Das Vorhandensein hoher Konzentrationen dieser toxischen Stoffwechselprodukte korrelierte auch mit Biomarkern der Neurodegeneration bei MS“, sagt Achilles Ntranos, einer der Hauptautoren der Studie und Assistenzprofessor für Neurologie an der Icahn School of Medicine am Mount Sinai. Im Laborversuch beeinträchtigten die drei Substanzen zudem die Funktionsfähigkeit kultivierter Nervenzellen.

Nach Ansicht der Wissenschaftler fördern die Ergebnisse ihrer Arbeit nicht nur das Verständnis, welche Rolle die Darm-Hirn-Kommunikation beim Fortschreiten neurodegenerativer Erkrankungen spielt, sondern biete auch ein potenzielles Ziel für die Entwicklung neuer MS-Therapien.