Solide Tumore: EU investiert 2,5 Millionen Euro in innovative Krebstherapie an der TU Dresden25. März 2026 Zwei Makrophagen unter dem Mikroskop: Diese Immunzellen bilden die Basis für den neuartigen Therapieansatz von EliaCell. Bild: ©Sieweke Lab Der Europäische Innovationsrat (EIC) fördert das Projekt „StemPhage“ mit 2,5 Mio. Euro. Das Projekt führt die immunologische Forschung von Prof. Michael Sieweke und die Expertise für Zellproduktion von Dr. Anke Fuchs am Zentrum für Regenerative Therapien Dresden (CRTD) der TU Dresden zusammen, um eine neuartige Immunzelltherapie gegen Krebs zu entwickeln und für die klinische Anwendung vorzubereiten. StemPhage ist eines von nur drei Projekten, die der EIC in Deutschland fördert und gehört zu den 40 ausgewählten Vorhaben aus insgesamt 611 europaweiten Anträgen. Immunzellen als Krebskiller Mit dem geplanten Startup EliaCell entwickelt ein Team am CRTD unter der Leitung von Sieweke, Fuchs und Dr. Angela Jacobi eine neue Form der Immuntherapie. Der Ansatz basiert auf Makrophagen – Immunzellen, die normalerweise im Körper Krankheitserreger erkennen und zerstören. Das Team am CRTD hat diese Zellen nun so modifiziert, dass sie Krebszellen effektiv und nachhaltig angreifen. Das EliaCell Leitungsteam: Prof. Michael Sieweke, Dr. Anke Fuchs und Dr. Angela Jacobi. Foto: ©Martin Kaßner „Man kann sie sich als genetisch optimierte ‚Super-Makrophagen‘ vorstellen“, sagt Sieweke, Alexander von Humboldt-Professor am CRTD. „Aufbauend auf jahrzehntelanger Forschung haben wir Makrophagen entwickelt, die sich in großem Maßstab vermehren lassen und in der Lage sind, solide Tumore nachhaltig zu bekämpfen.“ Herausforderung: Solide Tumore Die Behandlung solider Tumore gilt nach wie vor als eine der größten Herausforderungen der Onkologie. Im Gegensatz zu Blut- und Lymphdrüsenkrebs bilden solide Tumore eine dichte Gewebemasse und machen etwa 90 Prozent aller Krebserkrankungen aus. Bei Blutkrebs wirksame Immunzell-Therapien scheitern bislang meist daran, effektiv in festes Tumorgewebe vorzudringen. „Makrophagen dagegen können sehr gut in das Tumorgewebe eindringen, aber konventionelle Makrophagen konnte man bisher nicht in großen Mengen produzieren, und sie verlieren im Tumor schnell ihre Aktivität. Durch genetische Aktivierung konnten wir Makrophagen jetzt so stärken, dass sie sich vermehrt teilen, langfristig im Tumor bestehen und Krebszellen dauerhaft angreifen können“, erklärt Sieweke. „Unser Ziel ist es, damit neue Therapiemöglichkeiten für Patienten und Patientinnen mit bisher schlecht oder gar nicht behandelbaren soliden Tumoren zu eröffnen.“ Bezahlbare Spitzenmedizin Die enormen Kosten von Zelltherapien machen bisher eine breite Anwendung in Gesundheitssystemen schwierig. Bisher war die Zelltherapie auf komplizierte Logistik und langwierige Prozesse angewiesen, um patienteneigene Zellen aufzubereiten. Ein neuer Ansatz soll das nun ändern. Durch ihre besondere Vermehrungsfähigkeit können EliaCell-Makrophagen in Arzneimittelqualität und in großen Mengen auf Vorrat hergestellt und dann bei Bedarf abgerufen werden. Therapien, die bisher auf hochspezialisierte Labore und wenige ausgewählte Kliniken angewiesen sind, sollten so perspektivisch breiter verfügbar werden. „Unser Produktionsprozess erfüllt bereits die strengen Anforderungen für zellbasierte Therapien und ist so ausgelegt, dass er problemlos für die Massenproduktion skaliert werden kann“, erklärt Fuchs, Forschungsgruppenleiterin für neuartige Therapien und wissenschaftliche Leiterin der Reinraum-Einrichtung für klinische Zellproduktion am CRTD. Grundlagenforschung treibt Innovation StemPhage baut auf vorherigen Projekten von Sieweke auf, die durch einen Advanced Grant und Proof-of-Concept Grant des European Research Council (ERC) gefördert wurden. Mit der neuen EIC-Transition-Förderung wird das Team nun eine Zelltherapie in klinischer Qualität entwickeln und eine erste klinische Studie vorbereiten. „Die EIC-Förderung erlaubt uns den entscheidenden nächsten Schritt in Richtung der klinischen Translation“, erläutert Jacobi, Koordinatorin für StemPhage und treibende Kraft hinter dem geplanten Startup. Das EliaCell-Team arbeitet zudem eng mit dem sächsischen Zukunftscluster für lebende Arzneimittel SaxoCell sowie mit klinischen Partnern wie Prof. Martin Bornhäuser (Medizinische Klinik I) und Prof. Martin Wermke (Early Clinical Trial Unit) am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden zusammen. Über das Zentrum für Regenerative Therapien Dresden Am Zentrum für Regenerative Therapien Dresden (CRTD) der TU Dresden widmen sich Spitzenforscher aus mehr als 30 Ländern neuen Therapieansätzen. Sie entschlüsseln die Prinzipien der Zell- und Geweberegeneration und ergründen deren Nutzung für Diagnose, Behandlung und Heilung von Krankheiten. Das CRTD verknüpft Labor und Klinik, vernetzt Wissenschaft und Klinik, nutzt Fachwissen in Stammzellforschung, Entwicklungs- und Regenerationsbiologie, um letztlich die Heilung von Erkrankungen wie Alzheimer und Parkinson, hämatologischen Krankheiten wie Leukämie, Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes sowie Augen- und Knochenerkrankungen zu erreichen. Das CRTD wurde 2006 als Forschungszentrum der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gegründet und bis 2018 als DFG-Forschungszentrum, sowie als Exzellenzcluster gefördert. Seit 2019 wird das CRTD mit Mitteln der TU Dresden und des Freistaates Sachsen finanziert. Es ist eines von drei Instituten der zentralen wissenschaftlichen Einrichtung Center for Molecular and Cellular Bioengineering (CMCB) der TU Dresden.
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