Sommerzeit ist Verletzungszeit15. Juli 2021 Foto: Pavlo – stock.adobe.com Gesichtsverletzungen nach Motorrad-, Fahrrad- und E-Scooter-Unfällen: Die Deutsche Gesellschaft für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie e.V. (DGMKG) fordert starkverletzte Patienten und Patientinnen nach der Notfallversorgung innerhalb eines Tages in eine spezialisierte Gesichtschirurgie zu verlegen. Im Sommer treten vermehrt Verkehrsunfälle mit Fahrrad- Motorrad oder E-Scooter auf. Letzterte lagen nach Angaben des ADAC zwischen Juli und September 2020 hierzulande bei 901 Unfällen, 145 der Betroffenen waren schwer verletzt. Zwischen Januar und März 2020 kam es hingegen lediglich zu 252 Personenschäden. Wenn das Gesicht nach einem schweren Unfall stark betroffen ist, sollten Patienten laut Experten der DGMKG innerhalb von acht bis 24 Stunden nach der Notfallversorgung in eine Klinik mit einer spezialisierten Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie verlegt werden. Sobald die Patienten außer Lebensgefahr sind, sollte nach Empfehlung der DGMKG die Rekonstruktion stark verletzter Gesichtsteile erfolgen. Schwerstverletzte Patienten sollten nach einem Unfall idealerweise spätestens nach einer Stunde in einer Klinik aufgenommen und möglichst frühzeitig operiert werden, um bestmögliche Überlebenschancen zu haben und Folgeschäden möglichst gering zu halten, so die DGMKG weiter. „Schwere Verletzungen der Kiefer, Augenhöhlen, Jochbeine oder anderer Teile des knöchernen Schädels sollten dabei möglichst von Spezialisten für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie therapiert werden“, betont Prof. Nils-Claudius Gellrich, Direktor der Klinik und Poliklinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH). „Durch die enge Nachbarschaft wichtiger motorischer Nerven sowie des Hirnschädels, der Halswirbelsäule und der Atemwege können bereits kleinste Fehler in der Operation schwere Konsequenzen für das spätere Leben zur Folge haben.“ Zudem könne eine fehlende oder mangelnde Behandlung zu dauerhaften Fehlfunktionen des Gesichts wie Doppelbildsehen, Bissstörungen und Gelenkbeschwerden führen. Auch Asymmetrien des Gesichts könnten eine Folge einer unsachgemäßen Operation sein. Wenn der erste – möglicherweise lebensrettende – Eingriff erfolgt ist, geht es bei der wiederherstellenden Gesichtschirurgie laut der Fachgesellschaft darum, Körperteile, die durch einen Unfall zerstört wurden, wie beispielsweise Schädel- oder Kieferknochen, möglichst exakt zu ersetzen. Dank modernster bildgebender Verfahren könnten solche Eingriffe sehr zielgerichtet präoperativ geplant werden. „Wir können patientenspezifische Implantate mittels virtueller Planung exakt vorbereiten und virtuelle Blaupausen für die Operation erstellen“, betont Gellrich. „Die Rekonstruktion eines verletzten Gesichtsteils ist so mittlerweile oft mit nur einem Eingriff möglich. Früher mussten Patienten dafür häufig mehrfach operiert werden.“ Auch die Operationszeit verkürze sich durch die modernen Planungstechniken häufig. Zudem seien die Ergebnisse viel besser: Die Implantate würden gezielt auf den jeweiligen Patienten angepasst, sodass das Gesicht anatomisch und funktionell meistens vollständig wiederhergestellt werden kann. Vorteile bietet die moderne Technik den Patienten auch noch nach der Operation: So erfolgt die postoperative Qualitätskontrolle nach Angaben der Fachgesellschaft mittlerweile auch computergestützt. „Auf diese Weise können die behandelnden Ärzte sehr exakt überprüfen, inwieweit das Operationsziel tatsächlich erzielt wurde. So kann also eine Evidenz für den einzelnen Patienten erreicht werden“, betont Gellrich abschließend. Quellen:https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Verkehrsunfaelle/Publikationen/Downloads-Verkehrsunfaelle/unfaelle-zweirad-5462408197004.pdf?__blob=publicationFile https://www.adac.de/news/e-scooter-unfaelle/
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