Spanische Studie: Nierenbeteiligung bei COVID-19 höher als erwartet

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COVID-19 trat erstmals in Wuhan, China, auf und verbreitete sich rasch weltweit. Es wird durch SARS-CoV-2 hervorgerufen und manifestiert sich in erster Linie als akute respiratorische Insuffizienz mit interstitieller und alveolärer Pneumonie, sie kann aber auch mehrere Organe befallen. Die Nierenbeteiligung wurde bislang eher unterschätzt.

Spanische Wissenschaftler beschäftigten sich in ihrer aktuellen Studie mit der Frage, welche Rolle die Nierenschädigung für den Ausgang von COVID-19 spielt. Tatsächlich sei die Prävalenz akuter und chronischer Nierenerkrankungen und die Entwicklung eines akuten Nierenversagens (AKI) im Krankenhaus höher als erwartet. Dies gehe einher mit einer hohen Krankenhaussterblichkeit. Die Experten betonen, dass ein stärkeres Bewusstsein für die Nierenbeteiligung wichtig sei und spezifische Strategien für diese Patienten entwickelt werden sollten.

Unter Leitung von Erstautor Dr. Jose Portolés wurden 1603 Patienten in die prospektive Kohortenstudie aufgenommen. Das mittlere Alter lag bei 64 Jahren, 40,4% waren weiblich, 15,2% hatten einen Diabetes mellitus, 35,7% eine Hypertonie und 20,3% waren adipös. Bei Aufnahme ins Krankenhaus lag die Prävalenz von erhöhtem Serumkreatinin (sCr) bei 21,0%, einer Proteinurie bei 37,8%, einer Leukozyturie bei 31,8% und einer Hämaturie bei 45,6%. Insgesamt hatten 43,5% der Patienten mit erhöhtem sCr eine bestehende chronische Nierenerkrankung (CKD).

Von den Patienten mit normalem sCr entwickelten 11,4% im Krankenhaus ein AKI. Von diesen benötigten 17 Patienten eine Hämodialyse und 197 Patienten starben während des Krankenhausaufenthaltes.

Ein erhöhter sCr-Basiswert (HR 2,40; 95%-KI 1,79–3,22), eine vorliegende CKD (HR 1,59; 1,06–2,37), Hämaturie (HR 1,68; 95%-KI 0,92–3,06 bzw. HR 2,69; 95%-KI 1,49–4,87) und ein AKI (HR 1,50; 95%-KI 0,92–2,44) waren nach Anpassung an Alter, Geschlecht und Komorbiditäten unabhängige Risikofaktoren für ein Versterben im Krankenhaus.

Fazit
In der spanischen Studie war die Prävalenz akuter und chronischer Nierenerkrankungen und die Entwicklung eines akuten Nierenversagens (AKI) im Krankenhaus höher als erwartet. Dies gehe einher mit einer hohen Krankenhaussterblichkeit, so die Studienautoren. (jh)

Autoren: Portolés J et al.
Korrespondenz: Jose Portolés; [email protected]
Studie: Chronic kidney disease and acute kidney injury in the COVID-19 Spanish outbreak
Quelle: Nephrol Dial Transplant 2020;35(8):1353–1361.
Web: https://doi.org/10.1093/ndt/gfaa189