Spermidin: Potenzieller Biomarker für die Alzheimer-Demenz4. November 2022 Dreidimensionales Modell des Spermidin-Moleküls. (Foto: © Alexey Novikov – stock.adobe.com) Ein internationales Forscherteam um Prof. Agnes Flöel von der Universitätsmedizin Greifswald hat neue Erkenntnisse über die Rolle des Polyamins Spermidin für die Hirnalterung gewonnen. Die Studie ist eine der ersten, die die Rolle von Spermidin-Blutwerten über die Lebensspanne in der Allgemeinbevölkerung untersucht. Mithilfe von Magnetresonanztomographie (MRT) fanden die Forschenden heraus, dass erhöhte Spermidin-Blutspiegel ein Indikator für eine fortgeschrittene Hirnalterung sind. Das bedeutet, dass Spermidin eine Rolle bei der Entstehung neurodegenerativer Erkrankungen wie der Alzheimer-Demenz spielen könnte. Die Daten für die Studie stammen von 659 gesunden Teilnehmern der bevölkerungsbasierten Studie SHIP (Study of Health in Pomerania). Das Molekül Spermidin kommt in allen Zellen vor. Es kann im Körper aus Vorstufen gebildet werden, außerdem wir nehmen es über die Nahrung auf. Es hilft den Zellen bei der Autophagie. Es wird angenommen, dass Spermidin so den Alterungsprozess auf Zellebene verlangsamen kann. Darüber hinaus ist bekannt, dass eine erhöhte Spermidin-Aufnahme in der Nahrung verschiedene Aspekte der allgemeinen Gesundheit, der Körperabwehr und der Gedächtnisleistung bei älteren Tieren und Menschen begünstigt. Andererseits hat die Forschung aber auch gezeigt, dass erhöhte Spermidin-Gewebespiegel, z. B. in verschiedenen Gehirnbereichen, ein Indikator für Alzheimer-Demenz sind. „Um diesen bekannten Gegensatz besser zu verstehen, wollten wir die Beziehung zwischen dem Spermidin-Blutspiegel und etablierten MRT-basierten Hirnmarkern, die Veränderungen während der Hirnalterung und bei Alzheimer-Demenz zeigen, in der Allgemeinbevölkerung untersuchen“, sagt Dr. Silke Wortha, Erstautorin der Studie. Hierfür verwendeten die Forscher vier MRT-gestützte Hirnmarker und konnten zeigen, dass erhöhte Spermidin-Blutspiegel mit einer fortgeschrittenen Hirnalterung bei allen vier Markern verbunden waren. Die Studienteilnehmer waren gesund und es lag keine neurodegenerative Erkrankung wie Alzheimer-Demenz vor. „Unsere Studie zeigt, dass die Spermidin-Blutspiegel nicht die positiven Auswirkungen auf die Gesundheit widerspiegel, die in Tiermodellen und Humanstudien bei einer höheren Spermidin-Aufnahme mit der Nahrung beobachtet wurden. Außerdem zeigen die Ergebnisse, dass der Spermidin-Blutspiegel als potenzieller Biomarker für präklinische Alzheimer-Demenz verwendet werden könnte. Dies ist wichtig, da blutbasierte Biomarker für Alzheimer-Demenz weniger kostspielig und für die Patienten körperlich weniger belastend sind im Vergleich zur Liquordiagnostik, bei der aus dem Rückenmarkskanal Nervenwasser entnommen wird“, sagt Prof. Agnes Flöel, Seniorautorin der Studie.
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