Spezialisierte Weiterversorgung verbessert Überlebenschancen nach Herz-Kreislauf-Stillstand16. Oktober 2025 Symbolfoto: ©Chalabala/stock.adobe.com Die klinische Weiterversorgung nach einem Herz-Kreislauf-Stillstand hat entscheidenden Einfluss auf die Überlebens- und Genesungschancen der Betroffenen. Das belegt der aktuelle Jahresbericht 2024 zu den Cardiac Arrest Centern des Deutschen Reanimationsregisters. Das Deutsche Reanimationsregister steht unter der Trägerschaft der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin (DGAI). Es stellt die größte überregionale Datenbank für die Erhebung, Auswertung und Beurteilung von Reanimationen in Rettungsdienst und Klinik, sowie von innerklinischen Notfallversorgungen im deutschsprachigen Raum dar. Für den jüngst veröffentlichten Jahresbericht Cardiac Arrest Center 2024 analysierte die verantwortliche Arbeitsgruppe mehr als 6800 Fälle aus 112 Kliniken in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Ihre Analyse verdeutlicht: Wer nach erfolgreicher Reanimation schnell und gezielt weiterbehandelt wird, hat deutlich bessere Chancen auf ein gutes neurologisches Ergebnis. Ergebnisse nach innerklinischer Reanimation besser Insgesamt konnten etwa 30 Prozent der nach außerklinischer Reanimation und 36 Prozent der nach innerklinischer Reanimation aufgenommenen Patienten lebend entlassen werden. Jeweils 86 Prozent erreichten dabei ein gutes neurologisches Ergebnis. Auffällig bleibt: Patienten, die innerklinisch reanimiert wurden, sind im Schnitt älter – das Durchschnittsalter liegt bei 71 Jahren (außerklinisch 66 Jahre), und der Anteil der über 80-Jährigen ist rund zehn Prozentpunkte höher. Trotz höheren Alters und eines größeren Anteils an über 80-Jährigen besitzen innerklinisch reanimierte Patienten eine deutlich bessere Überlebensprognose. Diese höhere Entlassungsrate ist möglicherweise auf die kürzere Eintreffzeit professioneller Helfender und den schnelleren Beginn der Reanimationsmaßnahmen zurückzuführen. So zeigen die Daten des Deutschen Reanimationsregisters, dass der Rettungsdienst den Einsatzort im Durchschnitt nach 6,8 Minuten erreicht, während das innerklinische Notfallteam bereits nach rund vier Minuten eintrifft und in 89 Prozent der Fälle schon vor diesem Zeitpunkt mit den Reanimationsmaßnahmen begonnen wurde. „Diese Ergebnisse zeigen eindrücklich, wie entscheidend Zeit und Struktur bei der Versorgung nach einem Herz-Kreislauf-Stillstand sind“, sagt Prof. Jan-Thorsten Gräsner, Sprecher des Organisationskomitees des Deutschen Reanimationsregisters. „Cardiac Arrest Center gewährleisten durch klar definierte Abläufe und interdisziplinäre Expertise eine bestmögliche Versorgung – und damit bessere Überlebenschancen.“ Art der Aufnahme und Weiterversorgung entscheidend Ein wichtiger Faktor für das Outcome bleibt die Art der Aufnahme in die Klinik: Nach außerklinischen Reanimationen erfolgt bei fast einem Drittel der Fälle (32,7 %) der Transport unter laufender Reanimation, während dies nach innerklinischen Reanimationen nur in jedem fünften Fall (20 %) notwendig ist. Bei der Mehrheit der aufgenommenen Patienten konnte der Spontankreislauf (ROSC) bereits vor oder bei Aufnahme wiederhergestellt werden (außerklinisch 67,2 %, innerklinisch 80 %). Zur Weiterversorgung gehören neben intensivmedizinischen Standardverfahren auch spezialisierte Therapien: Die Koronarangiographie wurde 2024 bei rund 40 Prozent der außerklinisch und 25 Prozent der innerklinisch reanimierten Patienten durchgeführt. Ein Temperaturmanagement kam in 35 Prozent (außerklinisch) bzw. 23 Prozent (innerklinisch) der Fälle zum Einsatz, meist mit Zieltemperaturen zwischen 34 und 36 °C. Neue Verfahren wie extrakorporale Kreislaufunterstützung werden zunehmend angewandt, wenn konventionelle Maßnahmen nicht ausreichen. Ergänzend liefern neuroprognostische Tests – vor allem die Bestimmung der neuronenspezifischen Enolase und das kraniale CT – wichtige Hinweise auf die neurologische Prognose. Die DGAI hebt hervor: Zukünftig müsse auch für innerklinische Reanimation die Option der Patientenverlegung in ein externes Cardiac-Arrest-Center mit in die Planungen aufgenommen werden, wenn das Krankenhaus, in dem sich der Kreislaufstillstand ereignet hat, nicht in der Lage ist, die notwendige Weiterbehandlung sicherzustellen.
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