VSOU 2019: Spezialisierung und optimierte Behandlung – Die Ansprüche an Arzt und Patient im Rahmen einer OP haben sich verändert3. Mai 2019 Foto: © Kzenon – Fotolia.com Durch den medizinische Fortschritt haben sich, unter anderem in der Endoprothetik, in den vergangen Jahren auch die Rollen von Operateuren und Patienten verändert. Besondere technische und handwerkliche Anforderungen führen zu mehr Spezialisten unter den Operateuren, während die Patienten durch neue Behandlungskonzepte stärker in den Genesungsprozess mit eingebunden werden. Wer Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie im klinischen Bereich ist, für den gehört das Operieren zum täglichen „Handwerk“. Der hohe technische Standard macht Operationen sicherer als jemals zuvor und bietet mehr Möglichkeiten als noch vor einigen Jahren, so Experten anlässlich des VSOU-Kongresses. Je spezialisierter der Operateur auf einem Gebiet sei, umso besser beherrsche er sein Handwerk. „Der Chirurg als Generalist ist überholt“, so formuliert es Dr. Thomas Klonschinski, Oberarzt am Zentrum für Orthopädie und Unfallchirurgie des Uniklinikums Mainz. Dieses zählt zu den großen bundesweiten Kliniken der Maximalversorgung – allein als Endoprothetiker führt Klonschinski circa 300 Operationen pro Jahr durch. Durch diese „Superspezialisierung“ auf bestimmte OP-Bereiche könne man immer noch keine Garantie für ein bestimmtes OP-Ergebnis geben, aber die Wahrscheinlichkeit dafür habe sich signifikant erhöht. Die Verbindung von intellektueller und handwerklicher Arbeit fasziniert Kloschinski und „dass man als Chirurg tagtäglich viele relevante Entscheidungen eigenständig treffen muss. Nicht nur ein Teil eines Zahnrades zu sein, sondern eigene Entscheidungen zu verantworten, ist sehr befriedigend an meiner Tätigkeit.“ Gemeinsame Behandlungsstrategie entwickeln Neben der Ausrichtung der Ärzte, hat sich aber auch die Rolle der Patienten verändert. So würden diese im Rahmen von „Enhanced Recovery“ aktiv in die Genesung eingebunden, betonen die Experten. Optimierte Behandlungskonzepte sorgten für eine verbesserte postoperative Heilung. Dadurch verkürze sich auch der erforderliche Krankenhausaufenthalt, was die Patienten zusätzlich motiviere. So betrage zum Beispiel die durchschnittliche Verweildauer nach dem Einsetzen einer Hüftprothese heute vier bis sieben Tage – im Vergleich zu standardisierten zehn bis 14 Tagen noch vor einigen Jahren. Direkt am OP-Tag beginnen die physiotherapeutische Behandlung und die Mobilisierung des Patienten, am dritten Tag nach der OP wird mit dem Patienten bereits ein Kilometer gelaufen. „Wenn die Patienten das erleben, sind sie sehr zufrieden mit sich selbst und fragen sich quasi, was sie noch hier machen“, berichtet Klonschinski. Er betont, dass es ein wichtiger Part des modernen Arzt-Patienten-Verhältnisses sei, gemeinsam eine Behandlungsstrategie zu entwickeln. Auch die Patientenschule, die im Rahmen des „Enhanced Recovery“ obligatorisch ist und die vor einer Operation in einem dreistündigen Kurs hilfreiches Wissen zum Eingriff vermittelt, trage wesentlich dazu bei, dass die Patienten gut vorbereitet und mit einem besseren Gefühl ihre Operation antreten. Gerade im Bereich der Endoprothetik hat Ärzten wie Patienten die Sicherheit der Implantate lange Sorgen bereitet. „Der Standard ist hier inzwischen sehr hoch“, weiß der Mainzer Oberarzt, „und um langfristig weiter beste Ergebnisse zu erzielen, fordern wir, dass die Teilnahme am Endoprothesenregister Deutschland gesetzlich verpflichtend werden soll.“ Im Rahmen eines Produktsicherheitsgesetzes bestehe aber die Gefahr, dass dringend erforderliche Sonderprothesen, zum Beispiel im Revisions- oder Tumorfall, nicht mehr verfügbar sind und dadurch ein elementarer Nachteil für manchen Patienten entstehen könnte, wies der Experte hin. (VSOU/hr)
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