SpiFa-Fachärztetag: Erwünscht sind mehr Zeit und Kommunikation11. April 2019 Diskussionsrunde beim Fachärztetag: Gerald Quitterer, Ellen Lundershausen, Heidrun Gitter, Klaus Reinhardt (v.l.). Foto: Schmitz Vier der Bewerber zum Amt des Bundesärztekammerpräsidenten diskutierten beim 5. SpiFa-Fachärztetag in Berlin über die Zukunft der ärztlichen Selbstverwaltung. Beim 5. Fachärztetag des Spitzenverbands Fachärzte Deutschlands (SpiFa) am 5. April in Berlin diskutierten vier der sechs Kandidaten und Kandidatinnen für das Amt des Bundesärtzekammer(BÄK)präsidenten respektive der -präsidentin über „Ärztliche Selbstverwaltung – Zukunft für das ärztliche Kammersystem?!“ Dabei wurde auch deutliche Kritik an der Form des Deutschen Ärztetages laut. Wie Moderator Jan Schulz vom Hamburger „Ärztenachrichtendienst“ zu Anfang mit Bedauern feststellte, konnten Dr. Martina Wenker, Internistin und Präsidentin der Ärztekammer Niedersachsen, und Dr. Günther Jonitz, Chirurg und Präsident der Ärztekammer Berlin, die sich ebenfalls um die Nachfolge von BÄK-Präsident Prof. Frank Ulrich Montogomery bewerben, nicht an der Runde teilnehmen. Die anderen Bewerber setzten jeweils unterschiedlichen Schwerpunkte für ihre mögliche erste Amtszeit an der BÄK-Spitze. Reinhardt will die Ärzte einen Besonders im Rampenlicht steht als Vorsitzender des BÄK-Ausschusses „Gebührenordnung“ der Allgemeinmediziner Dr. Klaus Reinhardt, Vizepräsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe und Vorsitzender des Hartmannbundes. Er gab sich in Berlin als Integrationsfigur und beschwor die Einheit des ärztlichen Berufsstandes. „Wir müssen mehr untereinander reden, wir müssen ein Commitment entwickeln, was wir wollen.“ Er wandte sich gegen Spaltungstendenzen und Kollegen, die ihr Spezialgebiet über die anderen stellen. „Wir dürfen das ,Divide et impera‘ nicht mitmachen.“ Als Ziel nannte Reinhardt: „Wir wollen mehr Zeit und Muße für unsere Patienten und dass unser Honoraranspruch nicht infrage gestellt wird.“ Lundershausen: Wir müssen junge Ärzte mehr ermutigen Mehr Zeit für die Patienten wünscht sich auch Dr. Ellen Lundershausen und Präsidentin der Ärztekammer Thüringen. Der Fachärztin für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde liegen besonders die junge Ärzte am Herzen und sie betonte, dass der Nachwuchs immer wieder mit dem Bedürfnis nach mehr Zeit für die eigentliche Behandlung auf sie zukämen. Lundershausen hat erkannt, dass das Jammern auf hohem Niveau, als das die Außenkommunikation der Ärzte in der Allgemeinbevölkerung oft wahrgenommen wird, dem Berufsstand selber schadet. „Wir entmutigen die jungen Ärzte. Wir müssen doch unseren Beruf positiver darstellen.“ Lundershausen bezweifelte, dass das Narrativ „Die jungen Ärzte wollen alle angestellt werden“ der Wahrheit entspricht und ermutigte dazu, neue Wege wie Teilzeit gemeinsam auszuprobieren. Von der Politik forderte sie, die neue 25-Stunden-Regelung wieder zu flexibilisieren, denn in manchen Fällen, zum Beispiel als niederlassungswillige junge Ärztin mit Kind, könne man diese Forderung des TSVG möglicherweise nicht erfüllen. Für ärztliche Strukturen und gegen Misstrauensbürokratie Dr. Heidrun Gitter, Präsidentin der, Ärztekammer Bremen, sagte von sich: „Ich liebe Strukturen. Doch die Strukturen der ärztlichen Selbstverwaltung werden geschwächt anstatt gestärkt.“ Die Kinderchirurgin kritisierte, „dass ständig neue Berufe erfunden“ werden, die Tätigkeiten von den Ärzten übernehmen sollen. Sie kritisierte zudem die als Qualitätssicherung getarnte „Misstrauensbürokratie“ in den Krankenhäusern. Zum Thema Qualitätssicherung meldete sich aus dem Publikum Dr. Axel Schroeder, Präsident des Berufsverbandes der Deutschen Urologen und SpiFa-Vorstandsmitglied. Er beklagte eine „perfide Situation“ im Bereich Praxisbegehungen und Medizinprodukteaufbereitung. „Aufgrund des Föderalismus geht alles ganz durcheinander“, sagte Schroeder und forderte einen Schulterschluss mit den Berufsverbänden. Quitterer will Dialog und Austausch das ganze Jahr über Mit Dr. Gerald Quitterer, Präsident der Ärztekammer Bayern, bewirbt sich auch ein echter Landarzt um den Posten des Ärztepräsidenten. Der Allgemeinmediziner aus Eggenfelden gab sich als Kommunikator: Beim SpiFa-Kongress forderte er mehrfach einen ganzjährigen Dialog und Austausch in der Ärzteschaft „und nicht nur über Anträge auf dem Ärztetag“. Als Ärztepräsident würde er darauf hinwirken, dass die Bekenntnisse von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) zur Freiberuflichkeit des Arztes keine leeren Worte bleiben. An der Insitution des Deutschen Ärztetages wurde in der Diskussion immer wieder Kritik laut. Die Verzettelung in Anträgen und Gegenanträgen sei alles andere als politische Schlagkraft. „Man hat den Eindruck, wenn der Ärztetag etwas beschlossen hat, dann ist er mit sich im Reinen“, formulierte Lundershausen. Sie forderte in den Beschlüssen des Ärztetages eine klare Kante und „ein bisschen ärztliche Rebellion“ gegenüber der Regierung. „Ich denke, wir brauchen dringend eine Reform des Ärztetages“, sagte die HNO-Ärztin aus Jena, und Fachkollege Dr. Klaus Reinhardt, Vorstandsvorsitzender des SpiFa stimmte ihr zu: „Das Format ist eine Zumutung.“ Als Alternativmodell nannte Lundershausen mit dem bayerischen Ärztetag als Vorbild die Beratung in Arbeitsgruppen, die einen Sprecher benennen, der schließlich die Ergebnisse vorträgt. Der Ärztetag Ende Mai wird es aber schließlich sein, der einem Kandidaten das Vertrauen ausspricht. Ob Mann, ob Frau, ob Osten oder Westen – diesmal darf man tatsächlich gespannt sein. (ms)
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