Spinalganglienstimulation behandelt Quelle chronischer Rückenschmerzen19. Oktober 2018 Foto: © Coloures-Pic – Fotolia.com Menschen mit behandlungsresistenten Rückenschmerzen könnten mittels einer Spinalganglienstimulation eine deutliche und andauernde Verbesserung ihrer Symptomatik erfahren. Darauf schließt eine beim jährlichen Anästhesiologie Kongress in San Francisco vorgestellte Studie. Als Alternative zur Rückenmarkstimulation unterbricht die Spinalganglienstimulation das Schmerzsignal genau an den für den Schmerz verantwortlichen Nerven. Dies könnte eine unnötige Stimulation von nicht-involvierten Nervenfasern verhindern, welche bei der Rückenmarkstimulation auftreten können. Außerdem werden auf diese Weise nicht-medikamentöse Schmerzbehandlungen für bestimmte Patienten möglich. Für die Spinalganglienstimulation wird ein herzschrittmacherähnliches Gerät unter die Haut im unteren Rücken implantiert. Von diesem aus werden kurze elektrische Impulse durch einen dünnen Draht zu dem Spinalganglion gesendet, welches in Verbindung mit dem Schmerz steht. Die Impulse ersetzen den Schmerz durch ein erträglicheres Gefühl, wie zum Beispiel Kribbeln oder Taubheitsgefühl. Die Stärke der elektrischen Impulse wird von einem Anästhesisten oder einem anderen Schmerzspezialisten entsprechend den Schmerzen des Patienten programmiert. Im Vergleich zur Rückenmarkstimulation ist mit dieser Methode eine gezielte Nervenstimulation mit geringeren Stromstärken möglich. “Patienten unserer Studie, die sich einer Spinalganglienstimulation unterzogen, berichteten über eine deutliche Verbesserung ihrer Schmerzen sogar nach einem Jahr, was bemerkenswert ist”, sagte Robert J. McCarthy, Hauptautor der Studie und Prof. für Anästhesiologie am Rush University Medical Center, Chicago. “Sie haben verschiedene Therapien ausprobiert, von Medikamenten über Rückenmarkstimulation bis zur Operation, aber erhielten nur geringe oder keine langanhaltende Schmerzlinderung. Die Spinalganglienstimulation verbesserte die Lebensqualität für die meisten wirklich.” Für die Studie implantierten die Wissenschaftler Geräte zur Spinalganglienstimulation in 67 Patienten mit chronischen Rückenschmerzen. Die Patienten wurden über einen Zeitraum von drei bis 18 Monaten beobachtet. 17 Patienten trugen das Gerät länger als ein Jahr. Die Studie ergab: Vor der Implantation des Gerätes zur Spinalganglienstimulation beschrieben die meisten Patienten ihre Schmerzen als eine acht auf einer Schmerzskala von eins bis zehn (mit zehn als dem schwersten vorstellbaren Schmerz). Nach dem Follow-Up fiel dieser Wert im Mittel auf eine fünf, eine Reduktion um 33 Prozent, was laut der Autoren eine signifikante klinische Verbesserung darstellt. Patienten berichteten im Mittel eine 27-prozentige Reduktion der Beeinträchtigung oder Einschränkungen des täglichen Lebens durch Schmerz. 94 Prozent der Patienten berichteten, dass die Behandlung vorteilhaft war. Bei fünf Patienten (7,4 Prozent) mussten die Drähte reimplantiert werden, bei zwei Patienten (drei Prozent) mussten sie nach einer Infektion entfernt werden und bei einem Patienten musste das Gerät aufgrund von Komplikationen entfernt werden. “Es besteht ein echter Bedarf an nicht-medikamentöser therapeutischer Versorgung für Menschen mit chronischen Schmerzen”, sagte McCarthy. “Obwohl es technisch schwieriger ist, die Elektroden zu platzieren, könnte es eine Option für Patienten darstellen, die von anderen Schmerztherapien nicht profitieren, und könnte den Bedarf an Opioiden reduzieren oder vermeiden.”
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