Spurenanalytik für Blutproben24. Mai 2023 Bild: © benjaminnolte – stock.adobe.com Die Bestimmung der Mengen von Spurenbestandteilen in unbehandelten Blutproben durch Fluoreszenztests wäre sehr wünschenswert, scheiterte bisher aber an der starken Eigenfluoreszenz von Blut. In der Zeitschrift „Angewandte Chemie” stellt ein Forschungsteam jetzt eine neuartige Fluoreszenzsonde vor, die diese Eigenfluoreszenz auslöscht und Spuren des wichtigen Signalmoleküls Schwefelwasserstoff genau quantifizieren kann. Bestimmte Bestandteile von Blut liegen zwar nur in extrem geringen Konzentrationen vor, sind aber alles andere als unwichtig. So ist das nach faulen Eiern riechende giftige Gas Schwefelwasserstoff H2S in winzigen Mengen ein wichtiger körpereigener Botenstoff, der zum Beispiel an der Regulation des Kreislaufs beteiligt ist. Patienten mit Herz-Kreislauferkrankungen haben meist einen verringerten H2S-Gehalt im Blut, bei Patienten mit Darmkrebs ist der Spiegel dagegen oft erhöht. Entsprechend hilfreich kann die Quantifizierung dieser und anderer Spurenbestandteile für eine Diagnostik, aber auch für die Erforschung physiologischer und pathologischer Zusammenhänge sein. Besonders leistungsfähig für die Untersuchung von Biomolekülen sind Fluoreszenztests. Sie sind kostengünstig, wenig aufwändig, hochsensitiv und ermöglichen Echtzeit-Messungen. Das Problem: Spurenbestandteile können nicht mit Vollblutproben erfolgen, da Blut selbst sehr stark fluoresziert: die nur schwachen Signale werden überdeckt. Vollblut wird daher zentrifugiert und nur das Plasma untersucht. So nimmt aber der Gehalt instabiler Bestandteile sowie von Gasmolekülen ab, die Ergebnisse sind ungenau. Das Team von der Hunan Normal University (Changsha, China) um Hongwen Liu und Ronghua Yang hat jetzt einen neuartigen Ansatz für Fluoreszenztests entwickelt, mit dem eine Quantifizierung von H2S in Vollblut gelingt. Der Trick: Die Fluoreszenzsonde selbst löscht die störende Eigenfluoreszenz des Blutes fast vollständig aus. Der Fluoreszenzfarbstoff absorbiert sehr stark dasjenige Licht, das bei der Eigenfluoreszenz von Blutbestandteilen abgestrahlt wird. Den ausgewählten Fluoreszenzfarbstoff auf Basis von Bordipyrromethen (BODIPY) versah das Team zusätzlich mit zwei molekularen Einheiten, die H2S „erkennen“. In Anwesenheit von H2S wird die Sonde aktiviert und beginnt zu fluoreszieren. Da die Eigenfluoreszenz des Blutes ausgelöscht bleibt, ist die Hintergrundfluoreszenz sehr gering und stört nicht. Fluoreszenztests mit der neuen Sonde an Vollblutproben von Patienten mit Herz-Kreislauferkrankungen belegten deren verringerte H2S-Levels. Tests an Darmkrebs-Mäusen ergaben, ebenfalls wie erwartet, erhöhte Blut-H2S-Konzentrationen. Zudem wurden rote Blutkörperchen von Mäusen mit Allicin behandelt. Allicin ist der Geruchsstoff von Knoblauch, der auch für dessen positive Effekte verantwortlich ist, wie die Senkung des Blutdrucks. In der Tat konnte das Team mit der neuen Sonde zeigen, dass Allicin die Bildung von H2S in den roten Blutkörperchen auslöste. Das Team hofft, nach dieser Strategie auch Sonden für weitere Spurenanalyte in Vollblut entwickeln zu können
Mehr erfahren zu: "Neue Sicht auf die Steuerung unserer Gene" Neue Sicht auf die Steuerung unserer Gene Forschende aus Magdeburg und Jena hinterfragen auf Grundlage aktueller Erkenntnisse ein seit Jahrzehnten verbreitetes Modell der Genregulation.
Mehr erfahren zu: "Embryonalentwicklung in 4D: Forschende erstellen Atlas für Gene und Zellen" Embryonalentwicklung in 4D: Forschende erstellen Atlas für Gene und Zellen Ein neues Bildgebungsverfahren macht es möglich, die Aktivität Tausender Gene gleichzeitig im gesamten Zebrafisch-Embryo sichtbar zu machen. Ein Forschungsteam der Universität Basel hat damit nun einen Atlas aller Gene und […]
Mehr erfahren zu: "KBV klagt gegen Kürzungen psychotherapeutischer Leistungen" KBV klagt gegen Kürzungen psychotherapeutischer Leistungen Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) will gegen den Beschluss des Erweiterten Bewertungsausschusses (EBA), die Vergütung für psychotherapeutischen Leistungen um 4,5 Prozent zu kürzen, Klage einreichen. Das kündigte KBV-Chef Dr. Andreas Gassen […]