Squamöses HPV-bedingtes Oropharynxkarzinom: Deeskalierte adjuvante Strahlentherapie oft günstiger als Standardbehandlung

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Beim squamösen Oropharynxkarzinom, das durch Humane Papillomviren (HPV) ausgelöst wird, ist eine deeskalierte adjuvante Strahlentherapie (DART) verträglicher als die Standardbehandlung und weniger toxisch. Das zeigt die kürzlich veröffentlichte MC1675-Studie.

Diese unverblindete, randomisierte, kontrollierte Phase-III-Studie wurde an 2 Einrichtungen in den USA durchgeführt. Teilnehmen konnten Erwachsene mit einem HPV-assoziierten squamösen Oropharynxkarzinom im AJCC-Stadium III–IV und einer p16-Immunreaktivität von >70% in der immunhistochemischen Auswertung des Operationspräparates. Alle Patienten hatten einen ECOG-Status von ≤1 und mindestens einen intermediären pathologischen Risikofaktor.

Geeignete Patienten wurden 2:1 für eine DART oder die Standardbehandlung randomisiert. Die DART bestand aus 30–36 Gy in Fraktionen von 1,5–1,8 Gy zweimal täglich über zwei Wochen plus intra­venöses Docetaxel 15 mg/m2 an den Tagen 1 und 8 der Behandlung. Bei der Standard­behandlung kamen 60 Gy in Frak­tionen von 2 Gy 1-mal täglich über sechs Wochen plus intra­venöses Cisplatin 40 mg/m2 1-mal/Woche zum Einsatz. Stratifiziert wurde nach Vorhandensein einer extranodalen Ausdehnung und Raucherstatus (weniger als 10 vs. mindestens 10 Packungen pro Jahr).

Wie Prof. Daniel Ma von der Mayo Clinic in Rochester und Kollegen berichten, konnten sie 254 Patienten screenen (11.10.2016–20.08.2020). Davon konnten 228 eingeschlossen werden, 194 setzten die Behandlung gemäß Protokoll fort, 130 mit DART und 64 mit Standardbehandlung (173 Männer [89 %], 21 Frauen [11 %], 183 weiß [95 %], 4 [2 %] hispanoamerikanisch, 3 [2 %] asiatisch, ein amerikanischer Ureinwohner [1 %]). Das mediane Alter beziffern die Autoren auf 59,4 Jahre (Spanne 37,9–81,6).

Geringere kumulative Rate an chronischer Toxizität von Grad 3 und höher

Nach einem medianen Follow-up von 37,3 Monaten (Interquartilbereich [IQR] 27,6–49,2) wurden 7 Patienten von der Analyse des primären Endpunktes der späten Toxizität ausgeschlossen (5 mit DART, 2 mit Standardbehandlung). Die kumulative Rate chronischer Toxizität von Grad ≥3 nach 3 bis 24 Monaten (primärer Endpunkt) betrug drei Prozent (4/125) mit DART und elf Prozent (7/62) mit Standardbehandlung (p=0,042).

Ferner geben Ma et al. die kumulative Rate chronischer perkutaner endoskopischer Magensonden (PEG) mit zwei Prozent (2/125) für DART an und acht Prozet (5/62) mit Standardbehandlung (p=0,039). Als häufigste toxische Wirkungen von Grad ≥3 mit DART nennen sie Dysphagie (2/125 [2 %]), Ösophagitis (1 [1 %]) und Hörstörungen (1 [1 %]). In der Gruppe mit Standardbehandlung waren es Dysphagie (5/61 [8 %]), Ösophagitis (1 [2 %]), Fatigue (1 [2 %]), Schmerzen (1 [2 %]) und Kiefernekrose (1 [2 %]).

Krankheitskontrollraten bei mittlerem Risiko vergleichbar

Die Krankheitskontrollraten seien bei Patienten mit mittlerem Risiko mit denen der Standardbehandlung vergleichbar gewesen, heißt es in einer Pressemitteilung der Mayo Clinic. Bei Hochrisikopatienten – mit mindestens fünf befallenen Lymphknoten und extranodaler Ausbreitung – habe die Standardbehandlung eine etwas bessere Krankheitskontrolle gezeigt. Das sei eventuell eher auf Faktoren im Zusammenhang mit der Chemotherapie als auf die Bestrahlung zurückzuführen. Hochrisikopatienten sollten daher weiterhin die standardmäßige sechswöchige Behandlung erhalten. (sf)