„Stadionfieber“ ist messbar: Live-Fußball treibt den Puls nach oben6. Februar 2026 In der „Fußballfieber-Studie“ wurden Vitaldaten von 229 Fußball-Fans über einen Zeitraum von zwölf Wochen erfasst. (Symbolfoto: © sirisakboakaew/stock.adobe.com) Macht es für den Stress-Level von Fußballfans einen Unterschied, ob sie Spiele im Stadion, beim Public Viewing oder vor dem heimischen Fernseher verfolgen? Wissenschaftler haben dies anlässlich des DFB-Pokalfinales im vergangenen Jahr untersucht. Den in „Scientific Reports“ veröffentlichten Forschungsergebnissen zufolge ist das Sporterlebnis von Fans im Stadion intensiver als vor dem Fernseher. Die Studie der Universität Bielefeld belegte klare Unterschiede bezüglich Herzfrequenz und Stresslevel bei den Untersuchten. Die direkte Präsenz im Stadion beim DFB-Pokalfinale 2025 verstärkt der Untersuchung zufolge Reaktionen auf Tore und Spielverlauf deutlich. Die Atmosphäre im Stadion treibt offenbar den Puls nach oben: Arminia-Fans, die das Pokalfinale am 24. Mai 2025 vor Ort im Berliner Olympiastadion verfolgten, wiesen eine durchschnittliche Herzfrequenz von 94 Schlägen pro Minute auf. Zuschauer vor dem heimischen Fernseher kamen nur auf 79 Schläge, beim Public Viewing waren es sogar nur 74.Der Unterschied fällt bei emotionalen Höhepunkten noch größer aus: Nach dem ersten Tor von Arminia Bielefeld schnellte der Puls der untersuchten Stadionbesucher auf durchschnittlich 108 Schläge, 36 Prozent über dem der TV-Zuschauer. „Die direkte Präsenz verstärkt die körperliche Reaktion offenbar erheblich“, ordnet Prof. Christiane Fuchs die Ergebnisse ein. Sie ist Koautorin der Studie und leitet die Data-Science-Gruppe an der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften der Universität Bielefeld. Wo die Studienteilnehmer das Finale verfolgten, hatte das Forschungsteam nach dem Spiel per Fragebogen erfasst. Ursachen für das „Stadionfieber“ lassen sich anhand der verfügbaren Daten nicht eindeutig bestimmen. Den Autoren zufolge könnte die direkte Nähe zum Spielgeschehen im Stadion die Herzbelastung erhöhen. Reizdichte, emotionale Ansteckung und Erwartungsspannung könnten dort stärker als vor dem Fernseher wirken, während diese Effekte beim Public Viewing trotz gemeinsamer Atmosphäre offenbar abgeschwächt bleiben. Samstag ist Stresstag Schon normale Samstage bedeuten laut den Wissenschaftlern für die Arminia-Fans erhöhten Stress. Die Daten zeigen höhere Werte als an Wochentagen. Die Autoren der Studie vermuten dahinter eine grundsätzlich gesteigerte Aktivität an diesem Tag der Woche. Am Tag des DFB-Pokalfinales aber stiegen die Messwerte drastisch. Der durchschnittliche Stresspegel erreichte 45,3 Punkte auf einer Skala zwischen 0 und 100. An regulären Tagen waren es nur 31,9. Besonders auffällig war der Verlauf über den Tag.Bereits morgens um sechs Uhr, 14 Stunden vor Anpfiff, lagen die Werte über dem Normalbereich. Die Anspannung steigerte sich kontinuierlich und erreichte ihren Höhepunkt kurz vor dem Anpfiff um 20 Uhr. „Wir sehen die Aufregung schon lange vor Spielbeginn“, erklärt Prof. Christian Deutscher von der Fakultät für Psychologie und Sportwissenschaft. Selbst nach Mitternacht blieben die Werte erhöht. Wie die Studie zeigt, verstärkt Alkohol die Herzbelastung. Die Hälfte der befragten Fans trank während des Spiels, unter den Stadionbesuchern waren es 65 Prozent. Der Konsum erhöhte die Herzfrequenz um durchschnittlich 5,3 Prozent. Bei emotionalen Momenten wie Toren stieg dieser Effekt auf 11,7 Prozent. Die Kombination aus Aufregung, Stadionatmosphäre und Alkohol könne das Herz-Kreislauf-System belasten, warnen die Forschenden. Frühere Studien belegten ein erhöhtes Risiko für Herzrhythmusstörungen bei Sport-Großveranstaltungen. Die Grafik zeigt den durchschnittlichen Puls der Arminia-Fans während des DFB-Pokalfinales. Rote Linien markieren die vier Stuttgart-Tore, blaue gestrichelte Linien die Bielefelder Torchancen, durchgezogene blaue Linien die beiden Arminia-Tore. (Grafik: © Scientific Reports, Universität Bielefeld [CC BY-NC-ND 4.0]) Zwölf Wochen lang Vitaldaten von Fans erhoben Für die Untersuchung, bekannt als „Fußballfieber-Studie“, hatten die Forschenden Vitaldaten von 229 Arminia-Fans über einen Zeitraum von zwölf Wochen erfasst. Grundlage waren von den Teilnehmenden freigegebene Daten ihrer Smartwatches. 194 Teilnehmer lieferten Daten am Finaltag, 37 füllten zusätzlich Fragebögen aus. Das Finale war historisch für den Drittligisten DSC Arminia Bielefeld, der zum ersten Mal im Endspiel des DFB-Pokals stand. Trotz der 2:4-Niederlage gegen den VfB Stuttgart zeigten die Fans in den letzten Minuten nach zwei eigenen Toren wieder Spitzenwerte beim Puls. „Obwohl die Siegchancen zu diesem Zeitpunkt objektiv gering waren, zeigten sich bei den Fans in den Schlussminuten noch einmal deutliche Reaktionen“, sagt Fuchs. Die Studie ist am Fokusbereich QUAMU der Universität angesiedelt, der sich mit der Quantifizierung von Unsicherheit und dem Umgang mit Unsicherheit befasst. Die Forschung wurde von der Wissenswerkstadt Bielefeld unterstützt, die innovative Ansätze zur Verbindung von Wissenschaft und Gesellschaft fördert.„Unsere Fußballstudie ist die erste, die mit mehr als 200 Fans kontinuierlich über Wochen zeigt, wie unterschiedlich stark der Ort des Zuschauens wirkt”, unterstreicht Deutscher. „Das Stadion ist eine andere Welt als das Wohnzimmer.“ Ebenfalls anlässlich des DFB-Pokalfinales im vergangenen Jahr hatten die Deutsche Herzstiftung, die Björn-Steiger-Stiftung und der Deutsche Fußballbund eine Kooperation bekanntgegeben. Ziel ist die Aufklärung zum Thema plötzlicher Herztod (wir berichteten).
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