Stadtgrün: Gesundheitsbooster oder Pollenfalle?2. März 2026 Die gemeine Hasel ist eine häufige Allergiepflanze, blüht sehr früh und ist in vielen innerstädtischen Parks und Gärten zu finden, wie hier im Augsburger Reese-Park. Foto: Universität Augsburg / Härning Stadtgrün ist gut für Gesundheit und Stadtklima, aber nicht für Menschen mit Allergie. Forscherinnen der Universität Augsburg beschäftigen mit dem Einfluss urbaner Vegetation Allergien. Sie sind Co-Autorinnen einer Leitlinie zur gesundheitsförderlichen Stadtplanung. Außerdem erstellten die Wissenschaftlerinnen vom Lehrstuhl für Umweltmedizin eine hochaufgelösten Kartierung allergener Hotspots in Augsburg. Ebenfalls am Lehrstuhl entwickelt wurde die Pollen-Warn-App PollDi, die nach einer Testphase in Augsburg und Bad Hindelang nun frei verfüg- und nutzbar ist. Wie sind allergene Belastungen in einer Stadt verteilt? Kaum liegt der Winter den letzten Zügen, spüren Allergiegeplagte schon die ersten Symptome. Hasel- und Erlenpollen fliegen bereits. Gerade Haselsträucher sind in innerstädtischen Parks und als Hecken häufig zu finden. Mit der Frage wie sich Stadtgrün auf die Gesundheit auswirkt und wann es für Allergikerinnen und Allergiker zur Belastung wird, beschäftigen sich Forscherinnen der Universität Augsburg am Lehrstuhl für Umweltmedizin. Eine internationale Leitlinie bewertet die gesundheitliche Bedeutung urbaner Grünflächen grundsätzlich. Eine zweite Studie zeigt am Beispiel Augsburgs, wie sich allergene Belastungen innerhalb einer Stadt konkret verteilen. „Unsere Arbeit zeigt wie Umweltmedizin, Stadtforschung und digitale Gesundheitsanwendungen auf jeder Ebene zusammenwirken können, von internationalen Leitlinien über lokale Risikoanalysen bis hin zur individuellen Unterstützung per App“, erklärt Dr. Claudia Traidl-Hoffmann, Professorin für Umweltmedizin und Inhaberin des Lehrstuhls. Stadtgrün als Gesundheitsfaktor – Internationale Perspektive In der Fachzeitschrift „Allergy“ wurden unter Augsburger Beteiligung jüngst neue Leitlinien der European Academy of Allergy and Clinical Immunology (EAACI) veröffentlicht.1 Die Empfehlungen fassen den aktuellen Stand der Forschung zur Bedeutung von Grünflächen in urbanen Räumen für die Prävention von Allergien und Asthma zusammen. Die Zentrale Botschaft: Stadtgrün ist aus gesundheitlicher Sicht grundsätzlich wertvoll, es fördert Biodiversität, unterstützt die psychische Gesundheit und kann das Immunsystem positiv beeinflussen. Gleichzeitig kommt es jedoch auf die konkrete Ausgestaltung an. Artzusammensetzung, Pflege, Standortbedingungen und Klimafaktoren entscheiden darüber, ob Grünflächen zur Entlastung beitragen oder die Allergenexposition erhöhen. Die Leitlinie plädiert daher für eine gesundheitsorientierte Stadtplanung, die ökologische und allergologische Aspekte zusammendenkt und Biodiversität als Schwerpunkt sieht. Lokale Perspektive: Wo liegen die Allergen-Hotspots? Wie komplex diese Zusammenhänge im Detail sind, zeigt eine zweite Studie des Lehrstuhls für Umweltmedizin, veröffentlicht im Fachjournal „Sustainable Cities and Society“.2 Darin entwickelten Forschende ein Verfahren zur hochaufgelösten, raum-zeitlichen Kartierung allergener Belastungen in Städten. Am Beispiel von Augsburg wurden „allergene Hotspots“ identifiziert. Das sind Stadtbereiche, in denen die Belastung durch bestimmte Pollenarten besonders hoch ist. Die Analyse macht sichtbar, dass Allergenexposition nicht gleichmäßig verteilt ist. Im Gegenteil hängt sie stark von Vegetationsstruktur, Biodiversität, Luftverschmutzung und Mikroklima ab. Selbst innerhalb weniger hundert Meter können deutliche Unterschiede auftreten. Stadtgrün – auf die Gestaltung kommt es an Gemeinsam zeigen beide Arbeiten: Die Frage ist nicht, ob Stadtgrün gesund ist, sondern wie es gestaltet wird. Während die internationale Leitlinie den strategischen Rahmen liefert, stellt die Augsburger Hotspot-Analyse ein praktisches Instrument bereit. Dieses dient dazu, lokale Risiken zu erkennen und gezielt zu minimieren. Damit verbinden die Forschenden Grundlagenwissen mit konkreter Anwendbarkeit für Kommunen, Stadtplanung und Gesundheitswesen. PollDi-App jetzt frei verfügbar Ein direktes Anwendungsbeispiel der Augsburger Forschung ist die PollDi-App, ebenfalls entwickelt am Lehrstuhl für Umweltmedizin der Medizinische Fakultät. Die App wurde im Rahmen einer klinischen Studie getestet und ist nun frei zugänglich verfügbar, für die Städte Augsburg und Bad Hindelang. PollDi kombiniert Pollen- und Luftqualitätsprognosen mit einem digitalen Symptomtagebuch. Nutzerinnen und Nutzer können ihre Beschwerden dokumentieren und mit Umweltfaktoren in Beziehung setzen. „Der Schlüssel ist die Vorhersage: PollDi macht Umweltfaktoren und Symptome früh sichtbar und unterstützt Allergiepatientinnen und -patienten im Alltag. In meiner Arbeit als behandelnde Ärztin an der Hochschulambulanz für Umweltmedizin erlebe ich täglich, wie wertvoll solche evidenzbasierten Tools sind“, erklärt Traidl-Hoffmann.
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