Startschuss für das Nationale Studiennetzwerk Intensivmedizin

Das nationale Studiennetzwerk für Intensivmedizin soll belastbare Evidenz für intensivmedizinische Therapien schaffen. (Symbolfoto: ©Mizkit/stock.adobe.com)

Im Netzwerk Universitätsmedizin (NUM) startet ein nationales Studiennetzwerk für Intensivmedizin mit Beteiligung der Standorte der deutschen Universitätsmedizin.

Mit dem Studiennetzwerk Intensivmedizin entsteht eine bundesweite Forschungsinfrastruktur an allen 37 deutschen Universitätskliniken, die eine standortübergreifende Durchführung großer klinischer Studien in der Intensivmedizin ermöglicht. Die wissenschaftliche Leitung und Koordination des Studiennetzwerks übernehmen Prof. Carina Benstöm (Uniklinik RWTH Aachen) und Prof. Patrick Meybohm (Uniklinikum Würzburg). Ziel ist es, belastbare Evidenz für intensivmedizinische Therapien zu schaffen und damit die Versorgung kritisch kranker Patientinnen und Patienten aller Altersgruppen zu verbessern.

Standortübergreifende klinische Forschung in der Intensivmedizin

Das Studiennetzwerk bündelt Forschungsprozesse, entwickelt Studien gemeinsam und setzt sie koordiniert um. Im Mittelpunkt stehen zentrale klinische Fragestellungen aus der Versorgung kritisch kranker Patientinnen und Patienten, für die bislang keine ausreichende Evidenz vorliegt. Dazu zählen auch grundlegende Therapieentscheidungen in der Intensivmedizin, die bisher häufig auf Erfahrungswerten beruhen. Auf Basis standardisiert erhobener klinischer Daten identifiziert das Netzwerk gezielt Versorgungslücken und untersucht diese systematisch in klinischen Studien.

Das Studiennetzwerk Intensivmedizin ist Teil des NUM Studiennetzwerks (NUM SN), das seit 2024 als zentrale Forschungsinfrastruktur innerhalb des Netzwerks Universitätsmedizin (NUM) aufgebaut wird. In der Hightech-Agenda der Bundesregierung ist fest verankert, das NUM künftig als dauerhafte Forschungsinfrastruktur der deutschen Universitätsmedizin zu institutionalisieren.

Das Studiennetzwerk Intensivmedizin ist ein wichtiger Baustein dieser Entwicklung. Es schafft ab sofort die Voraussetzungen dafür, klinische Forschung in der Intensivmedizin langfristig standortübergreifend, koordiniert und krisenfest durchzuführen. Dadurch trägt es wesentlich dazu bei, die klinische Forschung zu stärken und die Fähigkeit des Gesundheitssystems zu verbessern – insbesondere mit Blick auf zukünftige Krisensituationen, in denen schnelle, evidenzbasierte Entscheidungen zu treffen sind.

„Wir schaffen mit dem Studiennetzwerk Intensivmedizin eine Infrastruktur, die klinische Forschung nicht nur im Projektmodus denkt, sondern dauerhaft verankert“, so Benstöm, Professorin für Evidenzbasierte Gesundheitsforschung in Anästhesie und Intensivmedizin in der Klinik für Operative Intensivmedizin und Intermediate Care an der Uniklinik RWTH Aachen. Meybohm, Direktor der Klinik und Poliklinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie am Uniklinikum Würzburg, ergänzt: „Damit sind wir in der Lage, große klinische Studien gemeinsam aufzusetzen und bei Bedarf schnell zu aktivieren – auch in Krisensituationen.“

Schwerpunkt auf Organdysfunktionen

Ein besonderer Fokus liegt auf akuten Organdysfunktionen bei kritisch kranken Patientinnen und Patienten. In Deutschland werden jährlich rund zwei Millionen Menschen intensivmedizinisch behandelt. Ein erheblicher Anteil von ihnen entwickelt ein Versagen lebenswichtiger Organsysteme wie Gehirn, Herz, Lunge, Leber oder Niere. Die im Studiennetzwerk durchgeführten Studien werden Patientinnen und Patienten aller Altersgruppen einschließen – von der Neonatologie bis ins hohe Alter – und damit die gesamte Breite der intensivmedizinischen Versorgung abbilden.

Innerhalb des Studiennetzwerks werden spezialisierte Module aufgebaut, die thematisch fokussierte klinische Studien vorbereiten und durchführen. Als erster Anwendungsfall ist ein Use Case im Bereich der Beatmung vorgesehen, bei dem unter anderem der optimale Zugangsweg zur Beatmung sowie das Timing komplexer intensivmedizinischer Interventionen untersucht werden. Die Fragestellungen sollen in großen, multizentrischen Studien evidenzbasiert beantwortet und die gewonnenen Erkenntnisse systematisch in die klinische Versorgung überführt werden.

Über das NUM Studiennetzwerk und seine Fachnetzwerke NUM

Das NUM Studiennetzwerk ist eine zentrale Initiative, entstanden als spezialisierte Forschungsinfrastruktur innerhalb des Netzwerks Universitätsmedizin (NUM). Im NUM führen erstmalig alle 37 deutschen Standorte der Universitätsmedizin gemeinsam große interdisziplinäre klinische Forschungsprojekte durch. Ziel des NUM Studiennetzwerks ist die Optimierung von Prozessen, die Vernetzung von Akteur*innen und die Beschleunigung der klinischen und klinisch-epidemiologischen Forschung in Deutschland. Die drei Fachnetzwerke im NUM Studiennetzwerk erheben standardisiert klinische Forschungsdaten und sammeln Bioproben, um einen standortübergreifenden Datenpool im jeweiligen Fachbereich aufzubauen.