Steigende Melanominzidenz bei stagnierender Mortalität

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In mehreren Ländern wird eine steigende Melanominzidenz bei gleichzeitig geringerer Sterblichkeit beobachtet. Diese Diskrepanz ist bislang nicht hinreichend verstanden.

Daher hat ein Team dänischer Dermatologen in einer Studie verschiedene Faktoren beleuchtet, die die Melanominzidenz und -mortalität in Dänemark beeinflussen könnten. Zu diesen Faktoren zählten die Exposition gegenüber ultravioletter Strahlung (UVR), frühere Melanombehandlungen, Überdiagnosen, Diagnoseschwellen der Pathologen sowie die Neigung von Klinikern, verdächtige Hautläsionen zu entfernen.

Es handelte sich um eine Registerstudie mit Schwerpunkt auf der Anzahl melanozytärer Läsionen und der Melanom-Mortalität auf Grundlage umfassender nationaler Pathologie- und Mortalitätsdatenbanken für den Zeitraum 1999–2019. Insgesamt wurden 1.434.798 Biopsien von 704.682 Personen (65% Frauen) entnommen. Das Durchschnittsalter bei der Biopsie betrug 39,8 Jahre bei Männern und 37,6 Jahre bei Frauen.

Bei Männern und Frauen stieg die Inzidenz des invasiven Melanoms im Zeitraum 1999–2011 um 87%. Im darauffolgenden Zeitraum stieg sie bei den Männern um 9%, während sie bei den Frauen unverändert blieb. Die Inzidenz des Melanoms in situ stieg während des Untersuchungszeitraums bei Männern um 476% und bei Frauen um 357%, während der Anstieg bei atypischen melanozytären Läsionen 1928% bzw. 1686% betrug.

Die Biopsieraten stiegen von 1999–2011 bei Männern um 153% und bei Frauen um 118%, gingen aber im darauffolgenden Zeitraum bei Männern um 20% und bei Frauen um 22% zurück. Die Sterblichkeit unterlag von Jahr zu Jahr leichten Schwankungen, ohne dass ein signifikanter zeitlicher Trend bei Männern oder Frauen erkennbar war.

Die Autoren konnten keine Hinweise auf eine erhöhte UV-Belastung in Dänemark in den letzten 30 Jahren feststellen. Die Immuntherapie des fortgeschrittenen Melanoms wurde in Dänemark im Jahr 2010 eingeführt und steht seit 2014 allgemein zur Verfügung.

Fazit
Die Evaluation der umfassenden nationalen Daten zeigt eine steigende Melanominzidenz, die mit steigenden Biopsieraten korreliert, jedoch keine Veränderung hinsichtlich der Mortalität. Bisherige Erklärungen für diesen Trend seien eine niedrigere Schwelle für eine Melanomdiagnose unter Pathologen, Überdiagnosen sowie eine allgemein verbesserte Melanombehandlung. Da es sich um eine Beobachtungsstudie handele und mehr Erklärungsfaktoren als Ergebnisse liefere, ließen die Studiendaten keine Rückschlüsse auf kausale Zusammenhänge zu, so die Autoren einschränkend. (am)

Autor: Nielsen JB et al.
Korrespondenz: Jesper Bo Nielsen; [email protected]
Studie: Increasing melanoma incidence with unchanged mortality
Quelle: Br J Dermatol 2024 Aug 14;191(3):365–374.
Web: https://doi.org/10.1093/bjd/ljae175