Steigender Verzehr von Wildfleisch in Afrika

In der Demokratischen Republik Kongo wird viel mit Wildfleisch gekocht. Foto: © Axel Fassio/CIFOR-ICRAF

In städtischen Regionen Zentralafrikas ernähren sich immer mehr Menschen von Wildfleisch. Eine aktuelle Studie zeigt: Das hat vor allem Auswirkungen auf ländliche Regionen, die auf diese Nahrungsquelle angewiesen sind.

Eine aktuelle Studie unter Beteiligung des Centre for the Advanced Study of Collective Behaviour an der Universität Konstanz hat über einen längeren Zeitraum untersucht, in welchen Regionen Zentralafrikas wie viel Wildfleisch verzehrt wird. Das Centre ist ein interdisziplinäres Forschungszentrum, das die Prinzipien kollektiven Verhaltens bei Tieren und anderen Systemen untersucht. Die Studie ist jüngst in der Fachzeitschrift „Nature“ erschienen. Sie stützt sich auf einen umfassenden Datensatz, der mehr als 12.000 Haushalte an 252 Standorten in Zentralafrika analysierte.

Das Ergebnis der Auswertung zeigt einen deutlichen Anstieg der verzehrten Menge in den letzten Jahren, vor allem seitens der städtischen Bevölkerung. Während im Jahr 2000 noch 0,73 Millionen Tonnen Wildfleisch von Menschen gegessen wurden, waren es im Jahr 2022 bereits 1,1 Millionen Tonnen. Dieser Anstieg weckt bei Forschenden die Sorge, dass Wildtierpopulationen in naher Zukunft gefährdet sein könnten. Und damit einhergehend auch langfristig die Ernährungssicherheit der Bewohner ländlicher Regionen.

Wildfleisch ist eine Art Statussymbol

Wildfleisch ist ein bedeutender Bestandteil der täglichen Ernährung in vielen ländlichen Regionen Zentralafrikas. Rund ein Fünftel der täglichen Proteine werden über Wildfleisch zugeführt. Erschwingliche und sichere Alternativen sind oft nur schwer zugänglich. In Zentralafrika gibt es nur wenige Bezugsquellen für Fleisch aus heimischer Produktion. Der begrenzte Zugang zu tierärztlicher Versorgung und Medikamenten kann sich bei der Haltung domestizierter Tiere insbesondere in ländlichen Gebieten auch auf die menschliche Gesundheit auswirken. Und nicht zuletzt ist Wildfleisch – ähnlich wie in Europa – auch ein Art Statussymbol. Es gilt als gesünder als das Fleisch von domestizierten Tieren.

„Der Verzehr von Wildfleisch ist damit ein zentraler Bestandteil des sozio-ökonomischen Gefüges in Zentralafrika“, sagt Mattia Bessone. Er ist Ökologe am Max-Planck-Institut für Verhaltensbiologie an der Universität Konstanz und Leiter der Studie. „Es sollten Maßnahmen ergriffen werden, um die nachhaltige Nutzung dieser Nahrungsquelle für die Landbevölkerung zu sichern. Nur dann können die UN-Ziele zur nachhaltigen Entwicklung erreicht werden.“

Studie rät zur Reglementierung

Eine Empfehlung der Studie lautet daher, die Nutzung von Wildfleisch in städtischen Regionen zu reglementieren. Außerdem raten die Forschenden dazu, vermehrt auf domestizierte Tierarten zu setzen – beispielsweise Geflügel, Rind oder auch Fisch. Dies könnte ermöglichen, dass die wichtige Eiweißquelle für ländliche Regionen verfügbar bleibt. Um eine größere Akzeptanz dieser Fleischarten bei der städtischen Bevölkerung zu schaffen, wären gut abgestimmte Investitionen in nationale Ernährungssysteme nötig. Unter anderem müsste es eine Förderung des Ausbaus alternativer Proteinsektoren wie Geflügel- oder auch Fischereiwirtschaft geben. Zeitgleich müssten laut Studie auch alternative Einkommensquellen für diejenigen geschaffen werden, die derzeit vom Handel mit Wildfleisch leben.

Förderung: Die Durchführung der Studie wurde durch das von der EU finanzierte Programm „Sustainable Wildlife Management“ (SWM) unterstützt.