Stellungnahme der BTK zu einem Beitrag im SWR

Technische Anschaffungen und Personalkosten belasten viel Tierarztpraxen und -kliniken in Zeiten allgemeiner Preissteigerung. Stellen Sie sich nur einmal vor, Sie müssten ihre eigenen Arztrechnungen und Klinikaufenthalte selbst bezahlen. Dann könnten sich nur wenige eine gute Versorgung überhaupt leisten. Tierkrankenversicherungen wären auch im veterinärmedizinischen Bereich eine praktikable Lösung. (Symbolbild) Foto: © biggi62 – stock.adobe.com


Die Bundestierärztekammer (BTK) hat den am 19. Mai ausgestrahlten SWR-Beitrag „Tierisch teuer – Was hinter den hohen Tierarztkosten steckt“ mit großer Sorge zur Kenntnis genommen, wie sie in einer Stellungnahme am 22.05.2026 mitteilte.

In der Stellungnahme legt die BTK dar, dass der Beitrag ihrer Auffassung nach ein einseitiges und tendenziöses Bild der tierärztlichen Versorgung in Deutschland vermittelt. Auch werde er der komplexen Realität in den Tierarztpraxen und Kliniken nicht gerecht. In dem Beitrag werde ferner der Eindruck erweckt, unterschiedliche Perspektiven – jene von Tierhaltenden, Tierärzten und -ärztinnen sowie aus der Politik – seien gleichermaßen berücksichtigt worden, jedoch entstehe in der Gesamtschau kein ausgewogenes Bild. Vielmehr würden vor allem Einzelfälle mit besonders hohen Rechnungen, emotionale Härtefälle und zugespitzte Aussagen in den Mittelpunkt gestellt. Dadurch würde der Eindruck verstärkt, hohe Tierarztkosten seien Ausdruck mangelnder Fairness oder unangemessener Abrechnung durch die Tierärzteschaft. Dies weist die BTK entschieden zurück.

Hochspezialisierte Klinik und Haustierarztpraxis können nicht gleichgesetzt werden

Besonders problematisch dabei ist aus Sicht der BTK die Gegenüberstellung einzelner Preisbeispiele, bei denen eine einzelne Tierärztin und eine hochspezialisierte Klinik miteinander verglichen werden. Ein solcher Vergleich ist fachlich nur bedingt aussagekräftig, wenn unterschiedliche Versorgungsstrukturen, Spezialisierungsgrade, Personal- und Gerätekosten,
Notdienststrukturen, Dokumentationspflichten und wirtschaftliche Rahmenbedingungen nicht angemessen eingeordnet werden.

Eine spezialisierte Klinik mit umfassender apparativer Ausstattung, stationären Kapazitäten und entsprechendem Personalaufwand kann nicht mit einer Einzelpraxis gleichgesetzt werden.

Zudem entstehe durch einzelne Aussagen im Beitrag der Eindruck, eine „faire“ Abrechnung bestehe darin, bestimmte Leistungen nicht oder nur teilweise zu berechnen. Das ist aus Sicht
der BTK irreführend.

Tierärztliche Leistungen sind medizinische Leistungen

Medizinische Leistungen erfordern Fachwissen, Sorgfalt, Personal, Ausstattung, Dokumentation und Verantwortung. Werden medizinisch notwendige Leistungen erbracht, müssen sie auch korrekt und transparent abgerechnet werden, so die BTK. Andernfalls entstehe bei Tierhaltenden die Erwartung, fachlich gebotene Leistungen könnten beliebig kostenlos oder pauschal erbracht werden. Dies würde weder der Gebührenordnung noch der wirtschaftlichen Realität tierärztlicher Praxen gerecht.

GOT schützt Tierhaltende und die Qualität der tierärztlichen Versorgung

Die Gebührenordnung für Tierärztinnen und Tierärzte ist kein Instrument zur Benachteiligung
von Tierhaltenden. Im Gegenteil: Sie schafft Transparenz, setzt verbindliche Unter- und
Obergrenzen und schützt damit sowohl Tierhaltende als auch die Qualität der tierärztlichen
Versorgung. Ohne eine verbindliche Gebührenordnung drohten unübersichtlichere Preise,
wachsender wirtschaftlicher Druck auf Praxen und Kliniken, eine Verschlechterung der
Versorgung – insbesondere in ländlichen Regionen und im Notdienst – und langfristig möglicherweise sogar höhere Kosten für Tierhaltende.

Die Novellierung der GOT im Jahr 2022 war nach mehr als zwei Jahrzehnten ohne grundlegende Anpassung überfällig. Grundlage war eine wissenschaftliche Bewertung tierärztlicher Leistungen im Auftrag des Bundesministeriums. Diese zeigte, dass die bis dahin geltenden Gebühren nicht ausreichten, um tierärztliche Leistungen kostendeckend abzubilden. Auch seit der Novellierung sind die Kosten für Personal, Energie, Versicherungen, medizinische Geräte, Entsorgung, Verwaltung und Dokumentation weiter gestiegen.

Auch Tierarztpraxen leiden unter der allgemeinen Teuerung

Tierarztpraxen und -kliniken sind wie andere Betriebe von der allgemeinen Teuerung betroffen.
Eine angemessene Vergütung ist Voraussetzung dafür, dass Tierärzte qualifiziertes Personal beschäftigen, Mitarbeitende leistungsgerecht bezahlen, in moderne Diagnostik investieren und Behandlungen mit der gebotenen Sorgfalt durchführen können. Das dient unmittelbar dem Tierwohl. Schon heute ist es vielerorts schwierig, Notdienste aufrechtzuerhalten und ausreichend Fachpersonal zu finden, wie die BTK klarstellt.

Gerade die Notfallversorgung bedeutet erhebliche Personalvorhaltung zu Nacht-, Wochenend- und Feiertagszeiten, hohe organisatorische Belastungen und zusätzliche Kosten. Trotz der in der GOT vorgesehenen Zuschläge ist dieser Bereich der BTK zufolge für viele Praxen wirtschaftlich kaum rentabel. In dem Beitrag seien vor allem Extremfälle mit sehr hohen Rechnungsbeträgen in den Vordergrund gestellt worden. Diese Fälle sind für die betroffenen Tierhaltenden zweifellos belastend. Sie bilden jedoch nicht den Alltag tierärztlicher Abrechnung ab. Der Großteil tierärztlicher Rechnungen bewegt sich auf einem deutlich niedrigeren Niveau und liegt in der Regel nicht im Bereich besonders hoher Sätze, stellt die BTK richtig.

Gerade deshalb wäre es aus Sicht der BTK journalistisch geboten gewesen, die gezeigten Einzelfälle stärker einzuordnen und nicht als repräsentativen Eindruck tierärztlicher Versorgung stehen zu lassen.

Auch die Darstellung, Tierhaltende müssten künftig stärker selbst entscheiden, welche
Behandlungen „Sinn machen“ und ob es immer die neueste Untersuchung sein müsse, greife
zu kurz, mahnt die BTK, die aus einer Arbeitsgemeinschaft der 17 Landes-/Tierärztekammern in Deutschland besteht.

Nach Auffassung der BTK gehört eine sorgfältige Beratung über Diagnostik- und Therapieoptionen, Prognosen, Kosten und Alternativen selbstverständlich zum tierärztlichen Alltag. Gleichzeitig dürfe jedoch nicht der Eindruck entstehen, moderne Diagnostik oder fachlich sinnvolle Untersuchungen seien bloße Zusatzleistungen, auf die ohne weiteres verzichtet werden könne.

Tierärzte und -ärztinnen sind dem Tierwohl verpflichtet

Die Empfehlungen von Tierärzten beruhen auf fachlicher Einschätzung, medizinischer Verantwortung und dem Ziel, Leiden zu vermeiden oder zu lindern, betont die BTK. Kritisch sieht sie, dass im Beitrag Aussagen zur Rechtmäßigkeit der GOT unwidersprochen stehen bleiben.

Die Gebührenordnung ist geltendes Recht. Sie wurde auf Grundlage einer fachlichen und wissenschaftlichen Bewertung novelliert und diene ausdrücklich der Sicherstellung einer transparenten, qualitätsgesicherten und flächendeckenden tierärztlichen Versorgung, so die BTK weiter.

Eine Debatte über Weiterentwicklung und Evaluation der GOT ist legitim und notwendig. Sie sollte jedoch sachlich geführt werden und darf nicht auf die Erzählung vermeintlich überhöhter Tierarztrechnungen reduziert werden. Die BTK spricht sich dafür aus, die Gebührenordnung im Zuge der Evaluation sachgerecht weiterzuentwickeln. Dazu gehöre auch eine regelmäßige, planbare Anpassung der Gebührenhöhe. Solche schrittweisen Anpassungen schützen Tierhaltende besser als sprunghafte Erhöhungen nach langen Zeiträumen, argumentiert die BTK, weil Kosten dadurch berechenbarer bleiben.

Tierärztliche Perspektive muss gehört werden

Die BTK hält es daher für erforderlich, die einseitige Darstellung des Beitrags journalistisch
nachzuarbeiten. Aus Sicht der Bundestierärztekammer sollte der SWR die Berichterstattung
um einen Folgebeitrag ergänzen, in dem die tierärztliche Perspektive angemessen zu Wort
kommt.

Dazu gehörten insbesondere die wirtschaftliche Realität von Praxen und Kliniken, sowie die weiterhin im Vergleich zu anderen akademischen Heilberufen häufig nicht angemessene
Vergütung tierärztlicher Arbeit.

Weiterhin zählt die BTK auch die Herausforderungen im Notdienst, den Fachkräftemangel
sowie die zentrale Bedeutung der GOT für Transparenz, Qualität und Versorgungssicherheit zu den Aspekten die Gehör finden müssen.

Tierhaltende brauchen eine sachliche und nachvollziehbare Einordnung tierärztlicher Kosten.
Sie brauchen keine Verunsicherung und keine pauschale Gegenüberstellung von „fairen“ und
vermeintlich überteuerten Tierärzten. Die große Mehrheit der Tierärzteschaft, so die BTK, arbeite verantwortungsvoll, transparent und unter erheblichem wirtschaftlichem und personellem Druck. Dieses Bild kam in dem Beitrag aus Sicht der BTK nicht ausreichend zur Geltung.

Wie sie abschließend betont, steht die BTK dem Fernsehsender für eine sachliche Einordnung und für weitere Gespräche gerne Verfügung.