Stockholm3-Score hilft bei der Entdeckung von klinisch relevantem Prostatakrebs

Nach der schwedischen Hauptstadt wurde der dort entwickelte Prostatakrebs-Risikoscore benannt. Foto: Mistervlad – stock.adobe.com

Der Stockholm3-Score zur Erkennung klinisch relevanter Prostatakarzinome (PCa) hat laut den Neun-Jahres-Ergebnissen der STHLM3-Studie Vorteile gegenüber dem PSA-Test gezeigt: Aggressive PCa seien besser erkannt und Überdiagnosen reduziert worden, berichten Hari T. Vigneswaran und Kollegen in „European Urology“.

Bei Stockholm3 handelt es sich um ein innovatives diagnostisches Werkzeug, das Protein- und Genmarker sowie klinische Daten kombiniert, um aggressiven Krebs besser zu erkennen und unnötige Biopsien zu reduzieren. Überprüft wurde der Stockholm3-Test in der STHLM3-Screening-Studie, an der 59.088 Männer teilnahmen. Alle wurden auf ihren PSA-Wert getestet; bei einem PSA-Wert ≥1 ng/ml wurden die Teilnehmer zusätzlich dem Stockholm3-Test unterzogen.

In der aktuellen Arbeit analysierten Vigneswaran und Kollegen Männer, die sich einer radikalen Prostatektomie oder einer Strahlentherapie unterzogen hatten (n=968). Die Endpunkte waren das biochemische Rezidiv (BCR), Hoch­risiko-BCR und PCa-bedingte Mortalität. Die Autoren verglichen die Inzidenz in vier Baseline-Gruppen mittels Gray-Test und konkurrierender Risikoanalyse:

1. erhöhte Werte im PSA-Test (≥3 ng/ml) und im Stockholm3-Score (≥11)
2. ausschließlich erhöhter Stockholm3-Wert (≥11)
3. ausschließlich erhöhter PSA-Wert (≥3 ng/ml)
4. weder erhöhter PSA-Wert (<3 ng/ml) noch erhöhter Stockholm3-Wert (<11).

Die Nachbeobachtungszeit betrug 8,9 Jahre. Die kumulativen Fünf-Jahres-Raten für jegliches BCR bzw. Hochrisiko-BCR waren wie folgt: 13%/9,0% in Baseline-Gruppe 1, 9,4%/5,3% in Gruppe 2, 1,5%/0% bei Gruppe 3 und 0%/0% bei unauffälligen Ergebnissen in beiden Tests (p<0,001). Im Vergleich zu einer alleinigen PSA-Erhöhung zeigte eine alleinige Erhöhung des Stockholm3-Scores eine Hazard Ratio von 1,8 (95%-Konfidenzintervall 0,8–3,9; p=0,2) für ein BCR jeglicher Art und eine HR von 8,8 (1,06–72; p=0,044) für ein Hoch­risiko-BCR.

Unter- und Übertherapie vermeiden

„Einige Männer mit einem PSA-Wert <3 ng/ml weisen ein aggressives PCa mit einem erheblichen Rezidivrisiko nach primärer kurativer Therapie auf“, schließen die Autoren. „Risikoprädiktive Bluttests wie der Stockholm3-Score, die bei niedrigeren PSA-Grenzwerten angewendet werden, können diese Männer identifizieren.“ Würde dagegen bei einem PSA-Wert ≥3 ng/ml und niedrigen Stockholm3-Scores auf eine Biopsie verzichtet, blieben nur wenige klinisch relevante Karzinome unentdeckt.

(ms)