Strahlentherapie bei endometrioidem Endometriumkarzinom im Frühstadium: Molekulare Klassifizierung sagt das Ansprechen voraus11. Dezember 2023 LEIDEN (Biermann) – Die molekulare Klassifizierung von Endometriumkarzinomen (EC) hat sich als prognostisch wertvoll erwiesen und ermöglicht eine Vorhersage des Ansprechens auf eine adjuvante Chemotherapie. Die Erstautorin Nanda Horeweg vom Leiden University Medical Center (Niederlande) und ihr Team haben im Rahmen ihrer Studie den prädiktiven Wert der molekularen Klassifizierung für das Ansprechen auf eine externe Strahlentherapie (EBRT) und vaginale Brachytherapie (VBT) bei endometrioidem EC (EEC) im Frühstadium untersucht. Die molekulare Klassifikation des EEC im Stadium I sagt ihren Studienergebnissen zufolge das Ansprechen auf eine Strahlentherapie voraus und kann den behandelnden Ärzten als Leitfaden für adjuvante Behandlungsentscheidungen dienen. Die Wissenschaftler verwendeten die Daten von 2 Studien, um beim EEC im Frühstadium mit intermediärem Risiko die Becken-EBRT mit keiner adjuvanten Therapie (PORTEC-1-Studie; n=714) bzw. bei hohem intermediären Risiko die VBT mit der EBRT (PORTEC-2-Studie; n=427) zu vergleichen. Sie betrachteten im Detail die Unterschiede beim lokoregionären (inkl. vaginalem und pelvinen) RFS zwischen den Behandlungsgruppen und in den 4 molekularen Klassifizierungen. Dabei kamen die Kaplan-Meier-Methode und Log- Rank-Tests zur Anwendung. Insgesamt schloss das Team 880 molekular klassifizierte EECs (n=484 der PORTEC-1- und n=396 der PORTEC-2-Studie) ein, wovon die Mehrheit laut der Klassifikation der Fédération Internationale de Gynécologie et d‘Obstétrique (FIGO) aus dem Jahr 2009 vom Stadium I (97,2 %) waren. Die mediane Nachbeobachtungszeit der Studie betrug 11,3 Jahre. Bei EEC mit einer pathogenen Mutation der DNAPolymerase-ε (POLEmut-EEC) gab es keine lokoregionären Rezidive. Bei Mismatch-Reparatur-defizienter (MMRd) EEC war das lokoregionäre RFS nach EBRT (94,2 %), VBT (94,2 %) und ohne adjuvante Therapie (90,3 %; p=0,74) ähnlich. Kam bei dem EEC eine p53-Anomalie (p53abn-EEC) vor, hatte die EBRT (96,9 %) einen erheblichen Vorteil gegenüber der VBT (64,3 %) und keiner adjuvanten Therapie (72,2 %; p=0,048). Bei EEC ohne spezifisches molekulares Profil (NSMP-EEC) führten sowohl EBRT (98,3 %) als auch VBT (96,2 %) zu einer besseren lokoregionären Kontrolle als ohne adjuvante Therapie (87,7 %; p<0,0001). Der Verzicht auf eine Strahlentherapie bei POLEmut-EEC scheint den Autoren zufolge sicher und der Nutzen einer Strahlentherapie beim MMRd-EEC begrenzt zu sein. Die EBRT führt beim p53abn-EEC laut den Studienergebnissen zu einem deutlich besseren lokoregionären RFS als die VBT oder keine adjuvante Therapie. Zudem ist die VBT die Behandlung der Wahl für das NSMP-EEC, da sie genauso wirksam ist wie die EBRT und zur lokoregionalen Tumorkontrolle deutlich besser zu sein scheint als keine adjuvante Therapie. (sh) Autoren: Horeweg N et al. Korrespondenz: Nanda Horeweg; [email protected] Studie: Molecular Classification Predicts Response to Radiotherapy in the Randomized PORTEC-1 and PORTEC-2 Trials for Early-Stage Endometrioid Endometrial Cancer Quelle: J Clin Oncol 2023;41(27):4369–4380. Web: www.doi.org/10.1200/JCO.23.00062