Struktureller Rassismus in klinischen US-Studien zu Prostatakrebs8. Mai 2023 Foto: InsideCreativeHouse – stock.adobe.com Wie eine aktuelle Meta-Analyse in „JAMA Oncology” zeigt, sind schwarze und hispanische Männer in US-Studien zu Prostatakrebs signifikant unterrepräsentiert. Wie eine Prostatakrebs-Erkrankung verläuft, unterscheidet sich nach Hautfarbe (engl. race), ethnischer Zugehörigkeit und Alter. Eine gleichberechtigte Teilnahme an klinischen Studien ist daher von grundlegender Bedeutung, um die gesundheitliche Chancengleichheit zu fördern – und möglicherweise den Ursachen auf den Grund zu gehen. Das zeigen auch Untersuchungen zu anderen Karzinomen, zum Beispiel ist laut einer neuen Studie eine Teilnahme am Brustkrebs-Screening bei schwarzen Frauen schon ab 42 Jahren ratsam, während weiße mit 51 und asiatische erst mit 61 Jahren starten könnten. In einer aktuellen Studie durchsuchten Wissenschaftler um Irbaz bin Riaz von der Harvard Medical School in Boston (USA) die Datenbanken MEDLINE, Embase und ClinicalTrials.gov, um primäre Berichte zu Studien ab Einrichtung der jeweiligen Datenbank bis 02/2021 zu identifizieren. Die globale Inzidenz in Alterssubgruppen und die auf der US-Bevölkerung basierende Inzidenz in Subgruppen nach Hautfarbe und ethnischer Zugehörigkeit wurden anhand der Datenbanken zu Inzidenzen des Projekts „Global Burden of Disease“ bzw. des Programms „Surveillance, Epidemiology, and End Results“ für das Jahr 2021 erfasst. Geeignet für Analysen zu Altersunterschieden waren alle randomisierten klinischen Prostatakrebs-Studien der Phasen II/III. Studien, die ausschließlich in den USA rekrutierten, kamen für Analysen infrage, die primär Unterschiede nach Hautfarbe und ethnischer Abstammung untersuchten. Unter 9552 Teilnehmern in den Studien, die Angaben zur Hautfarbe machten, waren 954 Afroamerikaner/Schwarze (10,8%), 80 Asiaten/Ureinwohner pazifischer Inseln (1,5%) und 8518 (78,5%) Weiße. Von 65 US-Studien gaben 45 (69,2%) die Hautfarbe an, wobei nur neun (13,8%) Daten zu allen fünf US-amerikanischen Kategorien zur Hautfarbe vorstellten. Von 286 globalen Studien gaben 75 (26,2%) den Anteil älterer Erwachsener an der Studie (Trial Proportion, TP) an. Ergebnisse nach Hautfarbe und Alter wurden in zwei (3,1%) bzw. 41 (15,0%) Studien vorgestellt. Die Verhältnisse von Rekrutierung und Inzidenz (Enrollment Incidence Ratios; EIRs) zeigten, dass schwarze (EIR 0,70; 95%-KI 0,59–0,83) und hispanische Patienten (EIR 0,70; 95%-KI 0,59–0,83) in US-Studien signifikant unterrepräsentiert waren. Bei der Repräsentation älterer Erwachsener stellten die Autoren hingegen keine Unterschiede fest (TP 21.143 [71,1 %]; EIR 1,00; 95%-KI 0,95–1,05). Die Repräsentation von Patienten mit schwarzer Hautfarbe war in größeren Studien geringer (Meta-Regressionskoeffizient -0,06; 95%-KI, -0,10 bis -0,02; p=0,002). „Die Ergebnisse dieser Metaanalyse deuten darauf hin, dass schwarze und hispanische Männer in Studien im Vergleich zu ihrem Anteil an der Prostatakrebs-Inzidenz unterrepräsentiert sind“, bilanziert das Team. Die Repräsentation von Patienten mit schwarzer Hautfarbe sei in den vergangenen zwei Jahrzehnten durchweg gering geblieben. Die Studie wird von einem Kommentar begleitet. (sf/ms)
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