Strukturen zukunftsfähig gestalten – Praktiker einbeziehen

BÄK-Präsident Dr. Klaus Reinhardt. Foto: © Die Hoffotografen GmbH Berlin

Erste Reaktionen auf die Bildung einer Regierungskommission für die angestrebte Krankenhausreform (wir berichteten) betonen, dass es jetzt zügig zu Veränderungen kommen muss. Gefordert wird ein Schulterschluss mit den Praktikern, die in der Kommission nicht vertreten sind.

Zur heutigen Vorstellung der “Regierungskommission für eine moderne und bedarfsgerechte Krankenhausversorgung” erklärt Dr. Klaus Reinhardt, Präsident der Bundesärztekammer (BÄK): “Es ist gut, dass die Politik endlich die längst überfällige Reform der Krankenhausstrukturen angeht. Ohne tiefgreifende Veränderungen droht in absehbarer Zeit ein Kollaps der stationären Versorgung. Konkret brauchen wir eine Krankenhausvergütung, die sich am Menschen und am Versorgungsbedarf orientiert. Wir brauchen eine Krankenhausplanung, die überall in Deutschland eine hochwertige Versorgung sicherstellt. Und schließlich müssen Bund und Länder gemeinsam den Investitionsstau von mehr als 30 Milliarden Euro in den Krankenhäusern auflösen.” Vor dem Hintergrund der komplexen Herausforderungen bleibe es allerdings unverständlich, “warum die Vertreter der ärztlichen Selbstverwaltung mit ihrem Erfahrungswissen bei der Besetzung der Kommission nicht berücksichtigt worden sind”, schränkte Reinhardt ein.

Kommission hat eine große Aufgabe vor sich

Dr. Gerald Gaß, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), kommentierte; „Es ist gut, dass der Minister heute die Regierungskommission für die Krankenhausreform einberufen hat. Diese Kommission hat eine große Aufgabe vor sich, denn sie muss konsensfähige und umsetzbare Vorschläge unterbreiten. Es geht nicht darum, wissenschaftliche Modelle zu diskutieren, sondern tatsächliche Rahmenbedingungen für die Versorgung von 83 Millionen Menschen zu entwerfen, die dann auch von Kliniken und Kostenträgern mit Leben gefüllt werden können.” Wie die Ärzte hatte auch die DKG gefordert, die Selbstverwaltung an der Kommission zu beteiligen. “Nun aber werden wir der Kommission jederzeit beratend zur Seite stehen und gehen davon aus, dass unsere Expertise in Diskussionen und Entscheidungen angemessen einbezogen wird“, kündigt Gaß an.

“Regierungskommission muss enge Rückkopplung an die Praxis suchen

Weniger versöhnlich zeigt sich Bernadette Rümmelin, Geschäftsführerin des Katholischen Krankenhausverbands Deutschlands (kkvd): „Die Zusammensetzung der heute vorgestellten Regierungskommission wirft Fragen auf. Fachleute, die sich mit den Besonderheiten der realen Versorgung in ländlichen und strukturschwachen Regionen auskennen, sind in der Kommission nicht vertreten. Zur Sicherung der gesundheitlichen Daseinsvorsorge in allen Regionen Deutschlands ist diese Perspektive unerlässlich.” Nicht berücksichtigt worden sei das Fachgebiet der Altersmedizin, das aufgrund des demografischen Wandels immer wichtiger werde, kritisiert sie. Zudem fehle Expertise zur sektorenübergreifenden Versorgung, obwohl die Verknüpfung der Sektoren eine wichtige Zukunftsaufgabe darstelle. “Umso wichtiger ist daher, dass die Regierungskommission aus Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern bei ihrer Arbeit eine enge Anbindung und Rückkopplung an die Praxis sucht. Am Ende muss eine Krankenhausreform stehen, die auf bedarfsgerechte und regionale Versorgungsnetzwerke setzt.“

(ms)