Studie: Auswirkungen der bariatrischen Operation auf Adipositas und Typ-2-Diabetes untersucht13. August 2024 Foto: © syahrir/stock.adobe.com Forschende aus Deutschland haben neue Erkenntnisse über die molekularen Anpassungen im Skelettmuskel nach einer bariatrischen Operation bei adipösen Patienten mit und ohne Typ-2-Diabetes gewonnen. Es ist bekannt, dass während der Entwicklung von Typ-2-Diabetes epigenetische Veränderungen (DNA-Methylierungen und -Hydroxymethylierungen) im Skelettmuskel auftreten, dem Gewebe, das für die Insulin-stimulierte Glukoseaufnahme die wichtigste Rolle spielt. Inwieweit diese Veränderungen durch Interventionen wie die bariatrische Operation reversibel sind, ist allerdings bislang unklar, betonen die Forscher des Deutschen Instituts für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (DIfE) und des Deutschen Zentrums für Diabetesforschung (DZD). Die Ergebnisse ihrer Studie wurden in der Fachzeitschrift „Journal Diabetes & Metabolism“ veröffentlicht. Klinische Ergebnisse mit dem Transkriptom und Epigenom verknüpft Das interdisziplinäre DZD-Team, zu dem unter anderem Prof. Annette Schürmann und Dr. Meriem Ouni vom DIfE gehören, untersuchte daher mithilfe eines umfassenden bioinformatischen Ansatzes die Auswirkungen eines chirurgisch induzierten Gewichtsverlusts auf metabolische, transkriptionelle und epigenetische Anpassungen im Skelettmuskel von adipösen Personen mit und ohne Typ-2-Diabetes. Zusätzlich wurden multidimensionale Zusammenhänge zwischen den durch die bariatrische Operation induzierten molekularen und metabolischen Veränderungen analysiert, um neue prominente Kandidatengene zu identifizieren, die mit Gewichtsverlust und Muskelfunktion in Zusammenhang stehen. Die Probanden waren Teilnehmer der BARIA-DDZ-Studie, eine prospektive Kohortenstudie, bei der Adipöse vor und bis fünf Jahre nach einer bariatrischen Operation umfassend metabolisch charakterisiert werden. Die hier beschriebene Studie konzentrierte sich auf die metabolischen und molekularen Ergebnisse, die sich im ersten Jahr nach der Operation bei 13 Männern mit Adipositas und 13 Männern mit Adipositas und Typ-2-Diabetes zeigten. Beide Gruppen wurden vor und ein Jahr nach der Operation anthropometrisch und metabolisch untersucht, einschließlich der Entnahme einer Muskelbiopsie und der Messung der gewebespezifischen Insulinsensitivität. Ergebnis der Untersuchung Die DZD-Forschenden beobachteten ein Jahr nach der bariatrischen Operation unterschiedliche molekulare Reaktionen im Skelettmuskel. Vor der Operation zeigten die adipösen Diabetespatienten höhere Nüchternglukose- und Insulinspiegel sowie eine geringere Insulinsensitivität im Vergleich zu den adipösen Teilnehmern ohne Typ-2-Diabetes. Nach der Operation war der verbesserte metabolische Zustand bei den adipösen Teilnehmern ohne Typ-2-Diabetes ausgeprägter. Das spiegelte sich in differenziellen Genexpressionsmustern im Zusammenhang mit Insulinsignalwegen, der intrazellulären Signaltransduktion und oxidativen Phosphorylierung wider. Im Gegensatz dazu zeigten die adipösen Diabetespatienten nur Veränderungen in Genen, die mit Ribosom- und Spleißosom-Funktionen assoziiert sind und die mit geringeren Änderungen in der DNA-Methylierung einhergingen. Das könnte mit der veränderten Expression eines Typ-2-Diabetes-Risikogens verbunden sein, das an den Demethylierungsprozessen beteiligt ist. Maßgeschneiderte individuelle Therapien Die Erkenntnisse unterstreichen die Bedeutung molekularer Anpassungen im Skelettmuskel nach einer bariatrischen Operation, insbesondere bei Personen mit Typ-2-Diabetes. „Unsere Studie legt nahe, dass epigenetische Mechanismen eine entscheidende Rolle bei der Vermittlung dieser Reaktionen und der Vorhersage des Gesundheitszustandes spielen“, erklärt Ouni. „Unsere zukünftige Forschung wird die molekularen Mechanismen untersuchen, die den Veränderungen der DNA-Hydroxymethylierung zugrunde liegen sowie deren potenzielle postoperative Funktion im Skelettmuskel. Darüber hinaus beabsichtigen wir, spezifische Zielstrukturen, die durch den bioinformatischen Ansatz identifiziert wurden, als potenzielle therapeutische Ziele im Muskel zu prüfen“, ergänzt Schürmann. So könnten Therapieansätze für Personen mit unterschiedlichen Stoffwechselprofilen maßgeschneidert werden, heißt es weiter. Finanzierung: Die Zusammenarbeit zwischen dem DDZ und dem DIfE wurde durch eine Förderung des DZD unterstützt und unterstreicht die Bedeutung multidisziplinärer Forschung bei der Bewältigung komplexer Stoffwechselstörungen.
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