Studie: Brustkrebs ist bei Herzinfarkt-Überlebenden tödlicher14. Juli 2020 Grafik: © Matthieu/Adobe Stock Laut einer neuen Studie versterben bei Brustkrebspatientinnen mit einer um 60 Prozent höheren Wahrscheinlichkeit an einer Krebserkrankung, wenn sie außerdem einen Herzinfarkt erlitten haben. Die Studie, die von Forschern der Grossman School of Medicine der New York University geleitet wurde, zeigt, wie Herzinfarkte durch Blockierung des arteriellen Blutflusses eine spezifische krebsfördernde Immunreaktion auslösen. Das Immunsystem wurde von der Evolution entwickelt, um eindringende Bakterien und Viren anzugreifen, es erkennt Krebszellen aber ebenfalls als abnormal und bekämpfenswert an, sagen die Autoren der Studie. Man hat jedoch festgestellt, dass ein Herzinfarkt ebenso wie andere den Blutfluss reduzierende Ereignissen wie ein Schlaganfall oder eine Herzinsuffizienz mit Veränderungen der Immunzellen einhergeht. Diese mache es ihnen unmöglich, auf Tumoren zu reagieren, so die Wissenschaftler. Die kürzlich in „Nature Medicine“ veröffentlichte Analyse von mehr als 1700 Patientinnen mit Brustkrebs im Frühstadium ergab, dass diejenigen, bei denen zudem ein Herzinfarkt, ein Schlaganfall oder eine Herzinsuffizienz auftraten, ein höheres Risiko für ein Krebsrezidiv, eine Ausbreitung der Krebserkrankung sowie Tod aufgrund ihrer Krebserkrankung hatten als Patientinnen mit einem gesunden Herzen. Die Forscher fanden in der neuen Arbeit auch heraus, dass Mäuse mit Brustkrebs innerhalb von 20 Tagen nach Unterbindung des Blutflusses in der Koronararterie, die einen Herzinfarkt simulierte, im Vergleich zu Mäusen mit Krebs mit normalem Blutfluss einen zweifachen Anstieg des Tumorvolumens aufwiesen. „Indem der Angriff des Immunsystems auf Krebszellen abgeschwächt wird, scheint ein Herzinfarkt eine Umgebung zu bieten, die das Tumorwachstum ermöglicht“, sagt die korrespondierende Autorin Kathryn Moore, Professorin für Kardiologie und Leiterin des Cardiovascular Research Center an der NYU Langone Health. „Obwohl weitere Studien erforderlich sein werden, stützen unsere Ergebnisse das aggressive klinische Management von kardiovaskulären Risikofaktoren, nicht nur um das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu verringern, sondern möglicherweise auch das Fortschreiten von Brustkrebs.“ In älteren Studien wurde gezeigt, dass Brustkrebs das Risiko für Herzerkrankungen erhöht, was hauptsächlich auf den durch Chemotherapie und Bestrahlung verursachten Verschleiß zurückzuführen ist. Bei der Suche in der Literatur stellten die Autoren der aktuellen Arbeit überrascht fest, dass noch kein Labor untersucht hatte, ob Herzinfarkte wiederum das Fortschreiten einer Krebserkrankung verschlechtern. Um die Mechanismen hinter diesem Zusammenhang zu untersuchen, erstellten die Autoren ein Modell, bei dem Mäusen Krebszellen in das Brustgewebe implantiert wurden und anschließend die anteriore absteigende Koronararterie chirurgisch verschlossen wurde. Das menschliche Gegenstück zu dieser Arterie ist eine Stelle, an der häufig eine Blockade des Blutflusses auftritt, was einen Myokardinfarkt (MI) verursacht und häufig durch Cholesterinablagerungen oder eine Verhärtung der Arterien ausgelöst wird. Das Forscherteam verglich dann das Krebswachstum bei Mäusen mit und ohne eine solche Blockade, wobei die Mäuse mit nicht manipulierter Arterie einer Scheinoperation unterzogen wurden, um die durch die Operation selbst verursachten Veränderungen mit einbeziehen zu können. Während noch nicht bestimmt werden konnte, welches biochemische Signal genau verantwortlich ist, ergab die Studie aber, dass ein Herzinfarkt systemweite Veränderungen der Immunzellen im Knochenmark, im Blutkreislauf und in Tumoren verursacht. Zum einen stellten die Forscher fest, dass Mäuse mit Arterienblockade einen „deutlichen Anstieg“ der Anzahl von Zellen in Tumoren mit Oberflächenmarkern aufwiesen, die darauf hinwiesen, dass sie sich schnell vermehrten (Ki67+-Zellen), ein Maß für aggressives Wachstum. Experimente an Mäusen stellten zudem einen Zusammenhang her zwischen einem induzierten Herzinfarkt und einem 30-prozentigen Anstieg von Monozyten. Darüber hinaus stellten die Autoren fest, dass nach einem Herzinfarkt der Anteil unreifer Monozyten in Tumoren, die so programmiert waren, dass sie dort keine Krebszellen mehr angreifen, um 60 Prozent zunahm. Wieder andere Tests ergaben, dass ein Herzinfarkt die Wirkung von 235 Genen, die in diesen Immunzellen exprimiert werden und von denen viele ansonsten den Immunangriff verstärken würden, in Mäusen veränderte. Andere wichtige MI-bedingte Veränderungen traten nicht im Gencode auf, sondern in der Proteinüberstruktur, in der sich der DNA-Code befindet. Dadurch sind genetische Anweisungen, die Immunantworten verstärken, für die Maschinerie, die sie lesen soll, weniger zugänglich sind. „Angesichts der Hinweise auf ein Übersprechen zwischen Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Brustkrebs müssen Maßnahmen, die das Risiko für ein Herz-Kreislauf-Ereignis senken – wie zum Beispiel Bewegung und Behandlung eines hohen Cholesterinspiegels und von Hypertonie – weiter als mögliche Mittel untersucht werden, die verhindern, dass die Krebserkrankung sich verschlimmert“, sagt Erstautor Graeme Koelwyn.
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