Studie: Einzellige Grünalge produziert erstmals das komplette Spikeprotein des Coronavirus1. Dezember 2022 Das Team um Anna Kiefer und Justus Niemeyer setzt auf die Grünalge Chlamydomonas reinhardtii, um das Spikeprotein zu produzieren. Foto: © Koziel/TUK Forschenden der Technischen Universität Kaiserslautern (TUK) ist es gelungen, mit der Grünalgenart Chlamydomonas reinhardtii erstmals das komplette Spikeprotein des Coronavirus zu produzieren, das an menschliche Zellen andocken kann. Bislang war das so nicht möglich. Die Studie zeigt auf, welche Rolle die Alge bei der Wirkstoffproduktion zukünftig spielen könnte. Grünalgen lassen sich kostengünstig, schnell und nachhaltig kultivieren und sind einfach in der Pflege. Um medizinische Wirkstoffe herzustellen, kommen Mikroorganismen wie Bakterien und Hefen häufig als Mikrofabriken zum Einsatz, da sich mit ihnen auf relativ einfache Weise bestimmte Proteine im industriellen Maßstab produzieren lassen. Das ist gerade für die Arzneimittelforschung von Interesse, um zum Beispiel therapeutische Proteine zu entwickeln. Andere Verfahren sind hierbei oft aufwendig und teurer. Bei komplexen Molekülen kommen diese Mikrofabriken aber an ihre Grenzen, da sie meist nicht in der Lage sind, die Wirkstoffe zu synthetisieren. Die Grünalge Chlamydomonas reinhardtii ermöglicht nun gemäß einer aktuellen Studie neue Perspektiven. Sie wurde in der Fachzeitschrift „Frontiers in Plant Science“ veröffentlicht. Warum kommen Bakterien bei komplexen Molekülen an ihre Grenzen? „Sie sind nicht in der Lage, Proteine zu glykosylieren“, erläutert Justus Niemeyer, Doktorand in der Arbeitsgruppe Molekulare Biotechnologie und Systembiologie von Professor Dr. Michael Schroda an der TU Kaiserslautern. Darunter versteht man, dass an diese Moleküle Zuckerbäumchen angehangen werden. „Dabei hat jeder Organismus ein eigenes charakteristisches Muster,“ fährt er fort. „Diese Signatur braucht es, damit die Proteine funktionsfähig sind.“Daher rückt die einzellige Grünalge Chlamydomonas reinhardtii zunehmend in das Blickfeld der Forschung. „Mit ihr lassen sich komplexe Moleküle synthetisieren“, sagt Doktorandin Anna Kiefer, Erstautorin der aktuellen Studie. Die Grünalge gehört wie der Mensch zu den Eukaryoten. Diese haben, im Gegensatz zu den Prokaryoten, zu denen die Bakterien gehören, einen Zellkern.Das Team um die beiden hat nun die Grünalge verwendet, um das Spikeprotein des Coronavirus herzustellen. Damit dockt das Virus an die menschliche Zelle an. Für die Forschung ist es daher von Interesse, da es einen möglichen Ansatzpunkt für die Produktion von Medikamenten darstellt.„Die Alge bringt auch eine Zuckersignatur an das Protein an. In unseren Versuchen haben wir festgestellt, dass es aktiv ist und seine Funktion ausübt. Es dockt in der Zellkultur an menschliche Zellen an, dazu bindet es an das ACE2-Protein auf der Zelle“, so die Kaiserslauterer Biologin weiter.Den Forschenden ist es nun erstmals gelungen, dass Protein mithilfe der Algen herzustellen. „Eine andere Arbeitsgruppe hat Teile des Spikeproteins hergestellt, aber das ganze Molekül hat mit der Alge bislang noch niemand synthetisieren können“, sagt Niemeyer. Um die genetische Information für die Produktion des Spikeproteins auf die Alge anzupassen, haben die Wissenschaftler ein sogenanntes modulares System genutzt. Mit dessen Hilfe haben sie aus standardisierten genetischen Elementen schnell und effizient DNA-Baupläne für das Protein angefertigt.Die Arbeit zeigt, dass Grünalgen in naher Zukunft für die Wirkstoffproduktion genutzt werden könnten. „Sie lassen sich kostengünstig, schnell und nachhaltig kultivieren und sind einfach in der Pflege“, fasst Kiefer zusammen.Das Team möchte die Forschung dazu fortsetzen. Es will unter anderem daran arbeiten, dass Spikeprotein von den anderen Proteinen, die die Alge produziert, aufzureinigen. Auch möchte es die Glykosylierungsmuster, die die Alge nutzt, grundlegend untersuchen. „Hierzu ist bislang wenig bekannt“, sagt Kiefer. „Gibt es zum Beispiel Ähnlichkeiten zu Mustern beim Menschen? Wo liegen Unterschiede? Damit wollen wir uns näher befassen.“
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