Studie entdeckt Zusammenhang von CRPS und Migräne

CRPS gehört zu den seltenen Schmerzerkrankungen, die Wissenslücken sind bislang entsprechend groß. (Symbolfoto: ©Andrii/stock.adobe.com)

Menschen, die an einem komplexen regionalen Schmerzsyndrom (CRPS) leiden, entwickeln im Laufe der Erkrankung häufig Kopfschmerzen oder eine Migräne. Das zeigt eine aktuelle Erhebung unter CRPS-Betroffenen aus Australien.

Das komplexe regionale Schmerzsyndrom (CRPS) ist eine seltene, aber schwerwiegende Erkrankung. Sie tritt gelegentlich nach einer Gliedmaßenverletzung wie einem Bruch oder einer Verstauchung auf. Die Schmerzen können Monate oder Jahre anhalten und sich mit der Zeit über die Verletzungsstelle hinaus ausbreiten.

Eine neue Studie im Fachmagazin „Cephalgia“ deutet nun einen Zusammenhang zwischen CRPS und der Entwicklung von Kopfschmerzen und Migräne an. Die Studie von Forschenden der Murdoch University (Australien) ergab, dass die Schmerzerkrankungen häufig auf derselben Körperseite auftreten und sich die Symptome überschneiden.

Zwei Drittel der CRPS-Patienten entwickelte Migräne

Die Forscher inkludierten 88 erwachsenen CRPS-Patienten (medianes Alter 48 Jahre; 56 Frauen, 32 Männer) aus Perth, Westaustralien. Zum Zeitpunkt der Erhebung litten die Studienteilnehmer im Median seit 30,5 Monaten an CRPS, wobei 61 Prozent CRPS Typ 1 und 39 Prozent Typ 2 zugeordnet waren. In einer strukturierte Befragung berichteten zwei Drittel der Teilnehmer (66 %) über Migräne, die nach dem Auftreten des CRPS begonnen oder sich verschlimmert hatte. Mehr als jeder Fünfte (22 %) litt nun täglich oder fast täglich an Kopfschmerzen.

Gliederschmerzen und Hyperalgesie waren in diesen Fällen stärker ausgeprägt als bei Patienten ohne Kopfschmerzen oder mit unveränderten Kopfschmerzen. Ferner waren Photophobie und Hyperalgesie der Stirn auf der gleichen Seite wie die CRPS-Symptome stärker als auf der gegenüberliegenden Seite bei Patienten mit stabilen oder sich verschlimmernden Kopfschmerzen. Bei Patienten ohne Kopfschmerzen waren sie jedoch symmetrisch. Darüber hinaus war Photophobie bei Patienten mit rezidivierenden Spannungskopfschmerzen symmetrisch.

Patienten, bei denen sich die Kopfschmerzen verschlimmerten, waren zu Beginn der CRPS-Symptomatik jünger als Patienten mit gleichbleibenden Kopfschmerzen oder ohne Kopfschmerzen. Dies stimmt mit der höheren Migräneanfälligkeit jüngerer Erwachsener im Vergleich zu älteren überein. Bei einer Untergruppe von Patienten mit CRPS strahlte der Schmerz von der oberen Extremität bis in die gleichseitige dorsale Halswirbelsäule aus – eine bekannte Schmerzquelle bei Migräne.

Erhöhte Schmerzempfindlichkeit bei CRPS-Patienten als Ursache

Nach Ansicht der Studienautoren stützt die Forschung die Annahme, dass die Verletzung, die CRPS auslöst, die Schmerzempfindlichkeit langfristig erhöhen kann. Das wiederum verstärkt sowohl Migräne- als auch CRPS-Symptome. Im Laufe der Zeit könnten sich die beiden Erkrankungen so gegenseitig verschlimmern.

Erstautor Prof. Peter Drummond von der Fakultät für Psychologie der Murdoch University erklärt: „Wir hoffen, dass ein besseres Verständnis des Zusammenhangs zwischen CRPS und Migräne zu einem besseren Verständnis beider Erkrankungen führt und somit eine effektivere Behandlung von Kopfschmerzen und eine höhere Lebensqualität für Menschen mit CRPS ermöglicht.“

Als praktische Maßnahme für Ärztinnen und Ärzte empfehlen die Studienautoren, in CRPS-Ambulanzen ein Screening auf Migräne und in Kopfschmerzambulanzen ein Screening auf CRPS-Symptome durchzuführen. Dies unterstütze ein integriertes Management beider Erkrankungen.

(ah/BIERMANN)