Studie hilft Patienten mit sehr seltenen Tumoren des Kleinhirns

Prof. Peter Hau untersucht die Folgeerkrankungen von Patienten mit sehr seltenen Tumoren des Kleinhirns. (Foto: © Johannes Beutler/UKR)

Bei sehr seltenen Erkrankungen wie postpubertären Medulloblastomen fehlen belastbare Daten und Fakten, um Folgeerscheinungen der Therapien zu lindern und Behandlungen effektiver zu machen. In einer internationalen Studie beschäftigen sich Mediziner der Klinik und Poliklinik für Neurologie des Universitätsklinikums Regensburg (UKR) nun mit diesen Fragestellungen.

Nur etwa 450 Menschen sind jährlich in Europa von einem Medulloblastom betroffen. Doch während es die zweithäufigste Hinrtumorform bei Kindern ist, ist es bei Erwachsenen extrem selten und muss, weil schnell wachsend, auch schnell entfernt werden. Was zusätzlich zum chirurgischen Eingriff folgt, sind Strahlen- und Chemotherapie. „Das Problem, wenn der Tumor entfernt ist, sind die Folgeschäden, die durch die Strahlen- und Chemotherapie verursacht werden, da die Nebenwirkungen dieser Behandlung extrem hoch sind. Kognitive Störungen wie zunehmende Vergesslichkeit, herabgesetzte Aufmerksamkeit, Konzentrationsprobleme, Sprech- und Hörstörungen, Orientierungsprobleme und Fatigue können die Betroffenen in ihrem Alltag extrem einschränken und belasten“, erklärt Prof. Peter Hau, Oberarzt der Klinik und Poliklinik für Neurologie des UKR und Koordinator des Zentrums für Hirntumoren am UKR.

Kaum verwertbare medizinische Daten bei postpubertären Patienten

Aufgrund der Seltenheit der Erkrankung bei erwachsenen Patienten existieren kaum verwertbare medizinische und wissenschaftliche Daten, um klinische Fortschritte in der Behandlung zu dokumentieren. „Gerade bei Betroffenen nach der Pubertät ist das Risiko, an einem Medulloblastom zu versterben oder an schweren Folgeerkrankungen zu leiden, hoch. Hier wissen wir noch zu wenig und wollen mit unserer Forschungsarbeit einen Beitrag leisten, um diese Wissenslücke zu schließen“, fährt Hau fort.

Dazu wurde am UKR und weiteren deutschen und internationalen Kiniken die Phase-II-Studie „Personalisierte risikoadaptierte Therapie bei postpubertären Patienten mit neu diagnostiziertem Medulloblastom (PersoMed-I)“ initiiert. Patienten werden hierbei gezielt mit einer geringeren Strahlentherapie-Dosis behandelt, um die Toxizität zu reduzieren und somit mögliche Folgeschäden zu minimieren. „Wir erhoffen uns, aus der systematischen Untersuchung von Tumormaterial, Blut und Liquor Erkenntnisse zu gewinnen, die zu einer weiteren Verbesserung der Behandlung beitragen. Zusätzlich werden wir die Lebensqualität, die kognitive Funktion sowie Aspekte zu Fertilität und Kinderwunsch in die Auswertungen einbeziehen“, resümiert Hau.

„Zusammenfassend lässt sich sagen, dass wir das Wissen über das Medulloblastom bei Patienten nach der Pubertät erheblich verbessern und Ergebnisse erzielen werden, die sich direkt in die Klinik übertragen lassen und für die Gestaltung künftiger Therapien und klinischer Studien unmittelbaren Nutzen haben werden.“ Für Patienten würde das eine nachhaltige Verbesserung ihrer Lebensqualität bedeuten und die Chance zu überleben deutlich erhöhen.

Organisatorisch getragen wird die Studie durch die Europäische Organisation zur Erforschung und Behandlung von Tumorerkrankungen (EORTC) und die Deutsche Neuroonkologische Arbeitsgemeinschaft (NOA). Die Finanzierung erfolgt in großen Teilen durch die Deutsche Krebshilfe. Als weitere Partner eingebunden sind weitere 28 Zentren in Deutschland sowie Studienzentren in Frankreich, Italien, den Niederlanden, Spanien, Österreich und Australien.