Studie zu neuer Therapie des Glioblastoms gestartet7. Mai 2021 Foto: ©B. BOISSONNET/BSIP – stock.adobe.com Das Universitätsklinikum Tübingen hat Anfang Mai Phase I einer klinischen Studie zum Glioblastom gestartet, die den Einsatz einer Multipeptid-Impfung in Kombination mit einem neuen Immunstimulator untersucht. Trotz vielfältiger Behandlungsoptionen mit neurochirurgischem Eingriff, Strahlen- und Chemotherapie sowie Tumortherapiefeldern bleibt die Behandlung des Glioblastoms eine Herausforderung. In den vergangenen Jahren hat sich zudem gezeigt, dass die Diagnose eines Glioblastoms stellvertretend für viele molekulargenetisch unterschiedliche Einzelerkrankungen steht. Aus diesem Grund fokussieren sich aktuelle Bestrebungen bei der Weiterentwicklung von Therapien darauf, jeweils definierte molekulare und immunologische Glioblastom-Subgruppen zu identifizieren und die Behandlung speziell für diese Subgruppen zu verbessern. So auch die neue Glio-XS15-Studie. Das multidisziplinäre Studienteam am Hertie-Institut für klinische Hirnforschung und dem Tübinger Zentrum für Neuroonkologie (ZNO) des Comprehensive Cancer Centers (CCC Tübingen-Stuttgart) untersucht dabei den Einsatz einer Multipeptid-Impfung in Kombination mit einem neuen Immunstimulator in einer Subgruppe neu diagnostizierter Glioblastome (MGMT-methyliert, HLA-A02:01-positiv). Die Studienbehandlung wird ergänzend zur Standardtherapie nach der neurochirurgischen Operation eingesetzt. Der Wirkstoff entstand in einer Zusammenarbeit der Universität Tübingen mit der EMC microcollections GmbH. Prof. Karl-Heinz Wiesmüller, CEO des Tübinger Unternehmens, entwickelte den Immunstimulator XS15. Bei den für die Glio-XS15-Studie gewählten synthetischen Peptide handelt es sich um kurze Eiweiße, die auch auf der Oberfläche von Tumorzellen vorkommen. Mit einer therapeutischen Impfung sollen T-Zellen – die eine wichtige Rolle bei der Immunabwehr spielen – gezielt gegen Tumorzellen aktiviert werden. Aufgabe des Immunsystems ist dabei, die Glioblastom-Zellen durch die Wirkstoffkombination aus Peptiden und dem neuen Immunstimulator XS15 selbstständig zu erkennen und zu vernichten. Ob diese Immunantwort tatsächlich und ausreichend ausgelöst wird, ist nun zentraler Gegenstand der Studie, die ein Team aus Ärzten sowie Grundlagenwissenschaftlern durchführt: „In unseren ersten präklinischen und klinischen Untersuchungen haben wir beim Einsatz von XS15 starke T-Zell-Antworten beobachtet“, erklärt Prof. Hans-Georg Rammensee, Immunologe und Direktor der Abteilung für Immunologie am Interfakultäten Institut für Zellbiologie. „Das stimmt uns zuversichtlich für den erstmaligen Einsatz von XS15 bei einem soliden Tumor“, ergänzt Studienleiterin Prof. Ghazaleh Tabatabai. Die Multipeptid-Vakzine wird im Wirkstoffpeptidlabor der Abteilung Immunologie und der GMP-Einheit des Universitätsklinikums Tübingen hergestellt. „In der Glio-XS15-Studie werden wir zunächst eine Blut-Untersuchung vornehmen, um die Subgruppe zu identifizieren. Das Ergebnis liegt uns meistens innerhalb 24 bis 48 Stunden vor. Danach wissen wir, ob wir den Patienten die Studienbehandlung prinzipiell anbieten können oder nicht. Es ist daher sehr wichtig, die Betroffenen frühzeitig nach Operation und Diagnosestellung eines Glioblastoms zu untersuchen“, erklärt Neurologin Tabatabai. „Unsere etablierten interdisziplinären Behandlungspfade und unsere kooperative Haltung am ZNO helfen uns hierbei enorm.“ Informationen zur Teilnahme an der Glio-XS15-Studie:Die Glio-XS15-Phase I-Studie wird in der Abteilung Neurologie mit interdisziplinärem Schwerpunkt Neuroonkologie am Universitätsklinikum Tübingen durchgeführt. Teilnehmen können erwachsene Patientinnen und Patienten mit einem neu diagnostizierten MGMT-methylierten Glioblastom. Die Operation und auch die Standard-Behandlung des Glioblastoms können weiter am behandelnden Standort erfolgen. Vor Einschluss in die Studie müssen auswärtige Patienten jedoch nach Tübingen kommen, damit unter anderem eine Blutuntersuchung erfolgt. Nach Bestätigung des molekularen Subtyps kann bei einem zweiten Besuch in Tübingen eine Prüfung der Ein- und Ausschlusskriterien sowie die Aufklärung über die Studienbehandlung stattfinden – und damit auch über die Studienteilnahme entschieden werden. Die Impfungen erfolgen im Anschluss an den Radiochemotherapie-Block der Standardtherapie, also circa zehn bis zwölf Wochen nach der Operation. Es sind drei Impfungen im Abstand von vier Wochen sowie Nachbeobachtungs-Untersuchungen geplant. Studienteilnehmerinnen und -teilnehmer erhalten einen detaillierten Zeitplan. Interessierte Patientinnen, Patienten und ärztliche Kolleginnen und Kollegen können sich für weiterführende Informationen per E-Mail an [email protected] / Betreff: „Glio-XS15“ wenden.
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