Studie: Ist die Thrombektomie auch bei größeren Schlaganfällen effektiv?

CT-Bild vom Gehirn eines Schlaganfall-Patienten: Links kleines Infarktareal – Nutzen des Kathetereingriffs ist erwiesen. Rechts größerer Infarkt – Nutzen der Behandlung noch nicht gesichert. (Abb.: Universitätsklinikum Heidelberg)

Eine aktuelle Studie untersucht, ob auch Patienten mit mittelgroßen Schlaganfällen von der Thrombektomie profitieren. Die Fördersumme beträgt sechs Millionen Euro.

Mit der Thrombektomie lassen sich Blutgerinnsel nach einem Schlaganfall mit Hilfe eines Katheters aus dem Gehirn entfernen. Eine aktuelle Studie unter Leitung Prof. Martin Bendszus, Ärztlicher Leiter der Abteilung Neuroradiologie des Universitätsklinikums, untersucht nun, ob auch von mittelschweren Schlaganfällen betroffene Patienten von dem modernen Verfahren profitieren können. Bislang wird diese Therapie in spezialisierten Zentren wie dem Universitätsklinikum Heidelberg nur dann regelmäßig eingesetzt, wenn ein Schlaganfall noch keinen größeren Schaden am Gehirn verursacht hat.

Bei größeren Infarkten – die in der Regel auch schon länger bestehen – besteht die Standardtherapie bislang in der Gabe von Medikamenten, die die Blutgerinnung beeinflussen. „Mit unserer Studie wollen wir nachweisen, dass auch Patienten mit mittelgroßen Infarkten von einer Thrombektomie profitieren und damit diese Behandlung auch für diese Patienten verfügbar machen“, beschreibt Bendszus das Ziel der aktuellen Forschungsarbeit.

Untersuchungen aus den USA zeigen, dass Patienten, die bis zu 24 Stunden nach Auftreten erster Beschwerden eine Thrombektomie bekamen, deutlich weniger schwere Folgeschäden von ihrem Schlaganfall davontrugen, als Patienten einer zweiten Gruppe, die rein medikamentös behandelt wurde. Allerdings handelte es sich hierbei um Schlaganfälle, bei denen das Auftreten der typischen Symptome wie Lähmungen, Taubheitsgefühle oder Sprachstörungen zwar bis zu einen Tag zurücklag, die aber dennoch vergleichsweise klein waren. „Obwohl die Katheterbehandlung keine hohen zusätzlichen Risiken birgt, werden bislang Patienten mit größeren Schlaganfällen selten auf diese Weise behandelt, weil noch nicht nachgewiesen ist, ob ihnen die Behandlung überhaupt noch nutzen kann“, sagte Bendszus.

40 Standorte, 714 Patienten

In die vom Universitätsklinikum Heidelberg aus koordinierte Studie sollen bis zu 714 Patienten eingebunden werden, die an einem der 40 Standorte europaweit mit einem mittelschweren Schlaganfall eingeliefert werden. „Kriterium ist für uns nicht ein bestimmter Zeitpunkt, an dem zuerst typische Beschwerden auftraten, sondern dass bis zu 50 Prozebt des Gewebes rund um das betroffene Blutgefäß bereits geschädigt sind“, sagte Bendszus.

Die Patienten werden nach dem Zufallsprinzip in zwei Gruppen eingeteilt: Während die erste Gruppe die konventionelle medikamentöse Therapie erhält, wird bei der zweiten Gruppe das Gerinnsel zusätzlich mittels Thrombektomie entfernt. Nach 90 Tagen wird anhand des mRSScore gemessen, wie stark die Einschränkungen des Patienten durch den Schlaganfall sind.

„Es gibt Daten von anderen Studien, die darauf hindeuten, dass wir den Patienten durch diese neue Behandlung schwerere Behinderungen ersparen können“, sagte Bendszus. „Wir hoffen, dass die Ergebnisse so überzeugend sind, dass wir die Studie vorzeitig beenden können.“

Sollte das Projekt erfolgreich sein, hätte das auch Auswirkungen auf das Gesundheitssystem. „Zum einen müssten dann die Leitlinien zur Akuttherapie des Schlaganfalls entsprechend angepasst werden und zum anderen sollten zur optimalen Versorgung der Patienten flächendeckend Versorgungsstrukturen aufgebaut werden, in denen eine Thrombektomie durchgeführt werden kann“, fasste Bendszus zusammen. „Da dies erhebliche finanzielle Ressourcen beanspruchen wird, ist eine sichere Datenlage hierfür unerlässlich.“

Die klinische Studie wird vom Universitätsklinikum Heidelberg aus koordiniert, die Leitung des Forschungsprojekts TENSION liegt beim Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE). Die Europäische Union fördert das Projekt mit 6 Millionen Euro.