Studie: Was verhindert und was fördert die Teilnahme am DR-Screening?

Bild: © adiruch na chiangmai – Fotolia.com

Eine neue internationale Studie, die im Rahmen eines vom National Institute for Health Research (NIHR) finanzierten Projektes zum augenärztlichen Screening der Diabetischen Retinopathie (DR) durchgeführt wurde, hat wichtige Einflussfaktoren identifiziert, die die Teilnahme an dieser Untersuchung verhindern beziehungsweise fördern. Die Arbeit wurde in der Zeitschrift „Diabetic Medicine veröffentlicht.

Die Ergebnisse der Studie*, die unter der Leitung von Forschern der City, University of London in Zusammenarbeit mit acht anderen Universitäten** entstanden ist, könnten nach Ansicht der Autoren helfen, Maßnahmen zu entwickeln, die die Teilnahmequote am Screening erhöhen und so zur Verbesserung der Früherkennung beitragen. Die DR gilt in der westlichen Welt als die Hauptursache für Sehverlust bei Erwachsenen im erwerbsfähigen Alter.

Trotz der Tatsache, dass die Effektivität des DR-Screenings hinsichtlich der Risikoreduktion, einen Sehverlust zu erleiden, nachgewiesen worden sei, liege die Teilnahme am Screening immer noch unter den empfohlenen Zahlen, erklären die Autoren.
Die DR werde durch hohe Blutzuckerwerte verursacht, die die kleinen Blutgefäße in der Netzhaut schädigten. Das DR-Screening zur Erkennung und Behandlung von Frühsymptomen könne den Verlust des Sehvermögens verhindern, aber der Erfolg einer gegebenenfalls erforderlichen Therapie hänge stark von der rechtzeitigen Überweisung zum Augenarzt ab.

In der Regel, so die Autoren, dauere es mehrere Jahre, bis die DR ein Stadium erreicht habe, in welchem sie das Sehvermögen gefährde. Innerhalb von 20 Jahren nach der Diabetes-Diagnose entwickelten jedoch fast alle Patienten mit Typ-1-Diabetes und mehr als 60 Prozent der Patienten mit Typ 2 eine Retinopathie.
Es werde geschätzt, dass weltweit etwa 93 Millionen Menschen an einer Form der DR leiden, davon wiederum könnten sich bereits 28 Millionen an den sehbedrohlichen Endpunkten der Erkrankung befinden – ein Umstand, der neben den gesundheitlichen Auswirkungen für den einzelnen Patienten auch erhebliche volkswirtschaftliche Folgen habe.

John Lawrenson, Hauptautor der Cochrane Review und Professor für Klinische Visuelle Wissenschaften an der City, University of London, schlägt aufgrund der Studienergebnisse vor, dass eine Reihe von Empfehlungen umgesetzt werden sollte, um die allgemeine Teilnahme am Screening zu fördern und sicherzustellen, dass Patienten so früh wie möglich behandelt und betreut werden können. Zu diesen Empfehlungen gehören laut Lawrenson unter anderem die Sensibilisierung für die Bedeutung des DR-Screenings und eine allgemeinverständlichere Erläuterung der mit ihm verbundenen Maßnahmen.

*Originalpublikation:
Graham‐Rowe E, Lorencatto F, Lawrenson JG, Burr JM, Grimshaw JM, Ivers NM, Presseau J, Vale L, Peto T, Bunce C, Francis JJ. Barriers to and enablers of diabetic retinopathy screening attendance: a systematic review of published and grey literature. Diabetic Medicine 2018. https://doi.org/10.1111/dme.13686

** Weitere an der Studie beteiligte Institutionen waren die University of St Andrews, University of Exeter, University College London, Kings College London, Newcastle University, Queen’s University Belfast und die Universitäten von Ottawa und Toronto in Kanada.

Quelle: City, University of London