Subklinischer Hörverlust: Signifikante Abnahme der Kognition

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Altersbedingter Hörverlust ist eine weit verbreitete Erkrankung, die mit kognitiven Beeinträchtigungen einhergeht. Fraglich ist, bei welchem Hörpegel diese Verknüpfung bemerkbar wird.

In einer Querschnittuntersuchung zweier epidemiologischer Studien (Hispanic Community Health Study [HCHS], 2008–2011; National Health and Nutrition Examination Study [NHANES], Zyklen von 1999–2000, 2001–2002 und 2011–2012) wurde nun evaluiert, ob der Zusammenhang zwischen Hörvermögen und Kognition auch bei Personen nachweisbar ist, die als normal hörend klassifiziert werden können.

Zur Untersuchung des Zusammenhangs zwischen Hörverlust (Exposition) und Kognition (Auswirkung) kamen 2 statistische Analysemodelle zum Einsatz: Eine multivaribale Regressionsanalyse in einem verallgemeinerten additiven Modell (GAM) sowie eine lineare Regressionsanalyse. Die neurokognitive Leistung wurde mittels verschiedener Tests ermittelt.

Die Untersuchungspopulation setzte sich aus 6451 Individuen ≤ 50 Jahre (Durchschnittsalter 59,4 Jahre) zusammen; 3841 Probanden waren weiblichen Geschlechts (59,5%).

Die GAM-Regression zeigte eine deutliche inverse Assoziation zwischen Hörvermögen und Kognition, und zwar über das gesamte Spektrum des Hörvermögens hinweg. Nach separater multivariabler linearer Regressionsanalyse zeigte sich, dass ein eingeschränktes Hörvermögen bei normal hörenden Menschen mit einer eingeschränkten Kognition verknüpft ist (durchschnittliche Sinuston-Knochenleitungsschwelle ≤25 dB).

Ein Beispiel aus der HCHS: Eine Abnahme des Hörvermögens um 10 dB war im „Digit Symbol Substitution Test“ mit einer klinisch bedeutsamen Abnahme der Kognition um 1,97 Punkte assoziiert. Bei stärkerer Einschränkung des Hörvermögens (um 15 dB) zeigte sich dieser Zusammenhang auch in der NHANES-Population.

Die Zusammenhänge zwischen Hören und Kognition waren bei Normalhörenden stärker ausgeprägt als bei Individuen mit Hörverlust.

Fazit
Es existiert ein unabhängiger Zusammenhang zwischen Kognition und subklinischem Hörverlust; dieser Zusammenhang tritt wohl früher im Leben ein als bislang angenommen. Eine frühere Indikation und der Einsatz von Hörhilfen bereits bei gering ausgeprägter Schwerhörigkeit können sich präventiv für die Entwicklung kognitiver Defizite erweisen. (am)

Autoren: Golub et al.
Korrespondenz: Justin S. Golub; Department of Otolaryngology-Head and Neck Surgery, Columbia University Irving Medical Center, Columbia University, New York, USA
Studie: Association of Subclinical Hearing Loss With Cognitive Performance
Quelle: JAMA Otolaryngol Head Neck Surg 2020;146(1):57–67.
Web: https://doi.org/10.1001/jamaoto.2019.3375