„SynNeurGe“-Forschungskriterien: Eine neue biologische Klassifikation der Parkinson-Krankheit

Foto: © airdone – stock.adobe.com

In einer aktuellen Publikation schlagen deutsche Parkinson-Forscher und andere internationale Autoren eine biologisch-basierte, dreiteilige Klassifikation für die Parkinson-Krankheit vor.

Die Forschung macht seit Jahren immer größere Fortschritte bei der Aufklärung der kausalen Parkinson-Pathomechanismen und deren komplexen Zusammenspiel, sodass man hofft, in den kommenden zehn Jahren Therapien einsetzen zu können, die an den molekularen Ursachen ansetzen.

Die Fortschritte in der Entwicklung sensitiver und spezifischer In-vivo-Biomarker für das Vorhandensein der α-Synuclein-Pathologie hätten die Parkinson-Forschung jedoch an einen kritischen Punkt gebracht, an dem eine Verschiebung der bislang weitgehend klinisch basierten Diagnoseansätze zu einer Betonung der biologischen Grundlagen der Krankheit notwendig sei, erklärten die Autoren des in „Lancet Neurology“ veröffentlichten Artikels.

Das von ihnen vorgeschlagene „SynNeurGe“-System soll ermöglichen, die molekularen Grundlagen der Parkinson-Krankheit bereits vor dem Auftreten von Symptomen zu definieren, identifizieren und gezielt therapeutisch anzugehen. Es umfasst drei Hauptkomponenten:

1) die „Parkinson-Typ-Synukleinopathie“, d.h. Anwesenheit oder Abwesenheit von pathologischem α-Synuclein (S) in Geweben oder im Liquor,

2) Hinweise auf eine Parkinson-assoziierte Neurodegeneration (N), die durch spezifische neurobildgebende Verfahren definiert wird, und

3) den Nachweis von Parkinson-spezifischen pathogenen Genvarianten (G), die eine Parkinson-Krankheit verursachen oder stark dazu prädisponieren.

Diese biologische „SynNeurGe“ beziehungsweise S-N-G-Klassifikation wird mit einem klinischen Syndrom in Verbindung gebracht, das durch ein hochspezifisches Merkmal oder mehrere weniger spezifische Merkmale definiert ist.

Dieser Übergang von einer rein klinisch basierten Diagnose hin zu einer biologischen Klassifikation sei unerlässlich für die nächste Phase von Grundlagen- und klinischen Forschungsstudien und bringe die Forschung näher an die für die Entwicklung klinisch bedeutsamer krankheitsmodifizierender Therapien erforderliche Präzisionsmedizin, so das Autorenteam. So werde dieses Klassifikationssystem als Grundlage für zukünftige biomarkerbasierte Subgruppen- und Staging-Systeme dienen, welche die Implementierung von Präzisionsmedizinansätzen zur Krankheitsmodifikation ermöglichen. Denn nur, wenn in künftigen Studien zu den verschiedenen Parkinson-Formen beziehungsweise Synucleinopathien eine exakte Definition beziehungsweise Stratifizierung der untersuchten Kohorten erfolgt, können neue Medikamente, die an unterschiedlichen molekularen Mechanismen ansetzen, valide auf ihre Wirksamkeit untersucht werden (z. B. sollten an PK-Betroffenen ohne Lewy-Körperchen keine Therapiestrategien getestet werden, die an Lewy-Körperchen ansetzen).

„Der aktuelle Forschungsvorschlag ist der erste Schritt in einem entscheidenden Prozess, um die Parkinson-Forschung von einem rein klinischen Ansatz hin zu einem biologischen Ansatz zu bewegen – was die Hoffnung auf die Entwicklung von krankheitsmodifizierenden Therapien weiter stärkt“, erläutert Prof. Günther Höglinger, München. Wie der Experte allerdings betont, werden diese Kriterien vorerst ausschließlich für die Forschung vorgeschlagen.