Synucleopathien sicher über Hautbiopsien nachweisen

In Hautproben lässt sich krankhaftes Alpha-Synuklein schon früh nachweisen. (Foto: © luchschenF – stock.adobe.com)

In einer in „JAMA“ veröffentlichten Arbeit zeigen Neurologen des Beth Israel Deaconess Medical Center (BIDMC) in Boston, USA, dass mit einem einfachen Hautbiopsietest pathologisches Alpha-Synuclein mit hoher Positivrate nachgewiesen werden kann.

„Jedes Jahr werden in den USA fast 200.000 Menschen mit der Diagnose Parkinson-Krankheit, Demenz mit Lewy-Körperchen oder verwandter Erkrankungen konfrontiert“, erklärte der Hauptautor Christopher Gibbons, MD, Neurologe am BIDMC und Professor für Neurologie an der Harvard Medical School (HMS). „Allzu oft verzögert sich die Diagnose bei Patienten oder wird aufgrund der Komplexität dieser Krankheiten falsch diagnostiziert. Diese verblindete Multicenterstudie hat gezeigt, wie wir mit einem einfachen, minimalinvasiven Hautbiopsietest die zugrundeliegende Pathologie von Synucleinopathien objektiver identifizieren und den Patienten bessere diagnostische Antworten und eine bessere Versorgung bieten können.“

Zu den Synucleinopathien gehören die Parkinson-Krankheit (PK), die Demenz mit Lewy-Körperchen (DLB), die Multisystematrophie (MSA) und das Bradbury-Eggleston-Syndrom (pure autonomic failure, PAF). Die vier fortschreitenden neurodegenerativen Erkrankungen haben zwar unterschiedliche Prognosen und sprechen nicht auf dieselben Therapien an, weisen jedoch einige übereinstimmende klinische Merkmale wie Tremor und kognitive Veränderungen auf. Außerdem sind alle durch das Vorhandensein von phosphoryliertem α-Synuclein (P-SYN) gekennzeichnet.

In die Synuclein-One-Studie nahmen Gibbons und seine Kollegen in 30 akademischen und niedergelassenen neurologischen Praxen 428 Personen im Alter von 40 bis 99 Jahren auf, bei denen eine klinische Diagnose einer der vier Synucleinopathien auf der Grundlage klinischer Kriterien gestellt und von einem Expertengremium bestätigt worden war oder bei denen es sich um gesunde Kontrollpersonen ohne Vorgeschichte einer neurodegenerativen Erkrankung handelte. Den Teilnehmern wurden drei 3-Millimeter-Stanzbiopsien der Haut am Hals, am Knie und am Knöchel entnommen.

„Es handelt sich um systemische Erkrankungen, die das periphere und zentrale Nervensystem auf tiefgreifende Weise beeinflussen“, sagte der Hauptautor Roy Freeman, MD, Direktor des Zentrums für autonome und periphere Nervenstörungen am BIDMC und Professor für Neurologie an der HMS. „Wir wissen zwar schon seit vielen Jahren, dass Alpha-Synuclein in Hautnerven vorkommt, aber wir waren von der Genauigkeit dieses diagnostischen Tests begeistert.“

Von den Teilnehmern mit klinisch bestätigter Parkinson-Erkrankung wiesen 93 Prozent eine positive Hautbiopsie für P-SYN auf. Bei Teilnehmern mit DLB und MSA waren 96 Prozent bzw. 98 Prozent positiv, bei den Teilnehmern mit PAF waren es 100 Prozent. Von den Kontrollpersonen wurden etwas mehr als drei Prozent positiv auf P-SYN getestet – eine Fehlerquote, von der die Autoren vermuten, dass einige der gesunden Kontrollpersonen ein Risiko für eine Synucleinopathie haben. „Die Parkinson-Krankheit und ihre Untergruppe der progressiven neurodegenerativen Erkrankungen zeigen ein allmähliches Fortschreiten, in der Haut ist Alpha-Synuclein aber schon in den frühesten Stadien vorhanden“, erklärte Freeman.

Die Autoren gehen davon aus, dass ihre Forschungsergebnisse dazu beitragen werden, die Entwicklung von Medikamenten für Synucleinopathien zu beschleunigen.

„Es ist von größter Bedeutung, die richtigen Patienten in klinische Studien für diese komplexen Krankheiten einzuschließen“, erklärte Freeman. „Die Identifizierung des relevanten Biomarkers bei einem Patienten und dessen Verfolgung im Verlauf einer klinischen Studie ist ein wesentlicher Bestandteil der Arzneimittelentwicklung im Bereich der Neurodegeneration.“

Zwischen Parkinson und MSA unterscheiden

Im Jahr 2023 wiesen die BIDMC-Forscher nach, dass mit dieser Technik zuverlässig zwischen Parkinson und MSA unterschieden werden kann – eine Unterscheidung, die für die richtige Behandlung dieser Krankheiten, die klinisch ähnlich erscheinen, aber sehr unterschiedliche Prognosen haben, entscheidend ist.

Damals untersuchten Gibbons und Kollegen 31 Patienten mit MSA und 54 Patienten mit Parkinson-Krankheit sowie 24 gesunde Freiwillige als altersgleiche Kontrollpersonen. Bei allen Teilnehmern wurden neurologische Untersuchungen, autonome Funktionstests und Hautbiopsien vom Unter- und Oberschenkel sowie vom Hals durchgeführt.

Darüber fanden die Wissenschaftler heraus, dass P-SYN in den Nervenfasern der Haut bei allen MSA-Patienten und fast allen Parkinson-Patienten (94 %) vorhanden war, aber bei keiner der Kontrollpersonen. Die Analyse ergab signifikant höhere P-SYN-Ablagerungen in den Nerven von MSA-Patienten im Vergleich zu denen von Parkinson-Kranken. Darüber hinaus stellten Gibbons und Kollegen fest, dass P-SYN bei Patienten mit MSA gleichmäßiger über den Körper verteilt war als bei Patienten mit Parkinson. Das heißt, bei Patienten mit MSA waren die Nervenfasern aus dem Halsbereich in 84 Prozent der Fälle positiv für P-SYN, aus dem Oberschenkel in 87 Prozent der Fälle und aus dem distalen Oberschenkel in 77 Prozent der Fälle. Bei Parkinson-Patienten hingegen waren die Nervenfasern aus dem Halsbereich in 93 Prozent der Fälle positiv für P-SYN, während die positiven Fälle im proximalen Oberschenkel und im distalen Oberschenkel mit 33 bzw. 17 Prozent stark abfielen.

Schließlich konnten die Wissenschaftler auch zeigen, dass Patienten mit Parkinson-Krankheit einen Verlust an sensorischen und autonomen Nervenfasern aufwiesen, der bei Patienten mit MSA nicht vorhanden war.

„Die Ergebnisse dieser Studie zeigen, dass MSA-Patienten anhand neuropathologischer Signaturen in Hautproben mit hoher Sensitivität und Spezifität von Parkinson-Patienten und gesunden Kontrollpersonen unterschieden werden können“, erklärte Freeman. „Insgesamt deuten diese Daten darauf hin, dass die Hautbiopsie eine genaue Methode zur pathologischen Bestätigung einer Diagnose und zur Unterscheidung zwischen MSA und Parkinson sein kann.“