Teilnehmerrekord: DOG meldet mehr als 5100 Besucher

Gratulation zu einem erfolgreichen Kongress: Der neue DOG-Präsident Prof. Hans Hoerauf (l.) und sein Amtsvorgänger Prof. Claus Cursiefen. Foto: Kaulard/Biermann Medizin

Künstliche Intelligenz (KI), Daten-Register und der verstärkte Austausch zwischen klinisch tätigen Augenärzten und Grundlagenwissenschaftlern werden die Betreuung augenärztlicher Patienten weiter verbessern. Das ist ein zentrales Ergebnis des DOG-Kongresses 2019, der unter dem Motto „Augenheilkunde: Unser Fach mit Zukunft“ vom 26. bis 29. September in Berlin stattfand.

Mehr als 5100 Teilnehmer kamen laut Mitteilung der DOG zum Kongress ins Estrel, davon 3169 Fachteilnehmer – dies sei, so heißt es, „eine Rekordbeteiligung“ in der 162-jährigen Geschichte der ältesten augenfachärztlichen Gesellschaft der Welt. „Der zunehmende Zuspruch unter den Fachteilnehmern zeigt, dass die DOG mit der stetigen Weiterentwicklung ihrer Kongressinhalte auf einem guten Weg ist“, erklärt Prof. Claus Cursiefen, der als DOG-Präsident den diesjährigen Kongress geleitet hatte. Zu den Highlights zählten neben den Keynote Lectures die neuen Sitzungsformate „Highlights in Translational Science“ und „DOG International Experts Day“.

Neue Formate
„Highlights in Translational Science“ brachte klinische Forscher und Grundlagenwissenschaftler zusammen: Augenärzte erfuhren, in welchen Bereichen sich Laborforschung auf dem Weg ans Krankenbett befindet, umgekehrt sahen Naturwissenschaftler, welche Erkrankungen man wie behandeln kann und wo noch Verbesserungsbedarf besteht. „Das war ein sehr fruchtbarer Dialog“, bilanziert Cursiefen.
Der „DOG International Experts Day“ wiederum förderte als ganztägiges englischsprachiges Programm den internationalen Austausch mit Top-Spezialisten. „Probleme, die sich in der Behandlung auftun, müssen wir mit translationaler Forschung angehen, sie sind eigentlich nur interdisziplinär und in internationaler Zusammenarbeit zu lösen“, ist Cursiefen überzeugt. „Wir können Zukunft nur mit Forschung gestalten.“

Keynote-Lectures
Diesem Ziel dienten auch die international besetzten Keynote Lectures. Mit Spannung war der Vortrag des US-Hornhautspezialisten Prof. Dimitri Azar erwartet worden. Der Ophthalmologe, seit 2015 für die ehemalige Google-Tochter Verily tätig und weltweit einer der exponiertesten Vertreter für KI-Anwendungen am Auge, zeigte in einem bis auf den letzten Platz gefüllten Saal technologische Innovationen auf, die in Zukunft eine immer effektivere und bezahlbare, aber auch humanere Versorgung ermöglichen sollen. Zuvor hatte Prof. Michael Bach aus Freiburg die Albrecht-von-Graefe-Vorlesung gehalten – Bach hat ein Computerprogramm entwicklet, das die Sehschärfe halbautomatisch DIN-gerecht ermittelt.
Prof. Jesper Hjortdal aus Dänemark eröffnete am Donnerstag die Reihe der Keynote Lectures. Hjortdal ist Präsident der European Society of Cornea und Ocular Surface Disease Specialists EUCORNEA und berichtete über neue Entwicklungen und Studien auf dem Gebiet Keratokonus.

Passend zum Zukunftsthema hielt Prof. Pascale Ehrenfreund, Vorstandsvorsitzende des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR), in ihrer Eröffnungsrede einen anregenden Vortrag über die „Mission Mars: Spitzenforschung im Weltraum“ – auch und gerade im Weltraum ist gutes Sehen essenziell.

Der Kongress in Zahlen
Insgesamt konnten die Augenärzte 1200 wissenschaftliche Beiträge verfolgen und 281 Sitzungen besuchen – verteilt unter anderem auf 59 Symposien, zehn Updates, 23 freie Vortragssitzungen, 41 Kurse, 38 Postersitzungen, elf Workshops, drei Keynote-Lectures und zahlreiche Arbeitssitzungen. In der Industrieausstellung* präsentierten 115 Aussteller auf über 2500 Quadratmetern Nettofläche innovative Produkte, zudem fanden 25 Firmenveranstaltungen statt.

Möglichkeit zum informellen Austausch bot das abwechslungsreiche Kongress-Rahmenprogramm*. Ophthalmologen führten beim Benefizkonzert „DOG in Concert“ in der Passionskirche in Berlin-Kreuzberg klassische Meisterwerke zugunsten der Stiftung Auge auf. Der Benefizlauf „Eye Run“ der Stiftung Auge brachte es mit 99 Anmeldungen in diesem Jahr sogar auf einen Rekordwert.

Ausblick auf 2020
Im kommenden Jahr findet die DOG 2020 unter der Präsidentschaft von Prof. Hans Hoerauf vom 8. bis 11. Oktober 2020 in Berlin statt, wie gewohnt im Estrel. Der Direktor der Universitäts-Augenklinik Göttingen wird das 150. Todesjahr von Albrecht von Graefe, des Begründers der DOG, in den Vordergrund rücken. Zudem wird der Kongress 2020 als Joint Meeting mit der International Society of Ocular Trauma (ISOT) abgehalten. Darüber hinaus findet auch das Herbst-Examen des European Board of Opththalmology (EBO) erstmals im Rahmen des DOG-Kongresses statt. Zu den zentralen Kongressthemen werden neben Forschung, Innovation, Diagnostik und Therapie auch die Auswirkungen der Ökonomisierung auf die Medizin im Allgemeinen und die Augenheilkunde im Besonderen zählen.

Prof. Hagen Thieme neuer 1. Vizepräsident
Auf der DOG 2019 wurden in Berlin zudem turnusmäßig Mitglieder der Präsidien gewählt beziehungsweise bestätigt. Erster Vizepräsident und damit Präsident 2021 wird Prof. Hagen Thieme, Direktor der Universitäts-Augenklinik Magdeburg. Prof. Claus Cursiefen, Direktor der Universitäts-Augenklinik Köln, ist aus dem Amt des Präsidenten ausgeschieden und nunmehr 2. Vizepräsident.

Dem Gesamtpräsidium gehören nun neu respektive wieder an: Prof. Nikolaos Bechrakis aus Essen (neu) als Vertreter der Direktoren von Universitätsaugenkliniken, PD Katrin Lorenz aus Mainz (neu) als Vertreterin habilitierter ophthalmologischer Hochschullehrer, Prof. Lars-Olof Hattenbach aus Ludwigshafen als Vertreter ophthalmologischer Chefärzte sowie Prof. Bernd Bertram aus Aachen als Delegierter des Berufsverbandes der Augenärzte Deutschlands e.V. (BVA).

In die Jury des von-Graefe-Preises gewählt wurden Prof. Anja Eckstein aus Essen, Prof. Horst Helbig aus Regensburg sowie Prof. Peter Wiedemann aus Leipzig.

*Anm. d. DOG: Industrieausstellung und kostenpflichtiges Rahmenprogramm sind Veranstaltungen der Interplan Congress, Meeting & Event Management AG München, nicht der DOG e.V.

Quelle: DOG