Teilung von Stammzellen erstmals im Gehirn mitverfolgt13. Februar 2018 Entwicklung im Laufe von zwei Monaten: von der Stammzelle (grün) über ihre Tochterzellen (gelb/orange) zu den Nervenzellen (rot). (Bild: UZH) Zum ersten Mal konnten Wissenschaftler der Universität Zürich über Monate beobachten, wie sich Stammzellen im erwachsenen Gehirn teilen und neue Nervenzellen heranwachsen. Ihre Studie liefert damit neue Einsichten in der Stammzellforschung. Bislang die Neurowissenschaft davon aus, dass sich Nervenzellen nur während der embryonalen Entwicklung bilden. Allerdings weiß man heute, dass Stammzellen auch im menschlichen Gehirn über die gesamte Lebensspanne neue Nervenzellen generieren können. Dies geschieht unter anderem im Hippokampus, einem Hirnareal, das für viele Arten von Lernen unabdingbar ist und filtert, welche Informationen im Gedächtnis bleiben und welche vergessen gehen. Ein Fenster in das Gehirn In einer aktuellen Studie konnte das Labor von Sebastian Jessberger, Professor am Institut für Hirnforschung der Universität Zürich, zum ersten Mal die Teilung von Stammzellen und Neubildung von Nervenzellen direkt im Hippokampus von erwachsenen Mäusen beobachten. Die Forscher, angeführt von Postdoc Dr. Gregor Pilz und der Doktorandin Sara Bottes, benutzten modernste Mikroskopie und genetische Markierung von Stammzellen, um die Teilung und die Ausreifung von neugeborenen Nervenzellen über Monate hinweg mitzuverfolgen. So konnten sie zum Beispiel zeigen, dass sich die meisten Stammzellen nur wenige Male teilen, bevor sie sich in Nervenzellen differenzieren. Dies könnte eine Erklärung dafür sein, warum sich die Anzahl neugebildeter Nervenzellen im Alter dramatisch verringert. “In der Vergangenheit schien es technisch unmöglich, einzelne Stammzellen über lange Zeit direkt im Gehirn zu beobachten, da der Hippocampus tief im Gehirn liegt”, sagte Jessberger. Er fügt an, dass der Durchbruch mit dieser Studie nur durch die enge interdisziplinäre Zusammenarbeit mehrerer Teams möglich wurde. “Wir hatten großes Glück, dass zahlreiche Forscher wie Prof. Fritjof Helmchen vom Institut für Hirnforschung sowie Dr. David Jörg und Prof. Benjamin Simons von der Universität Cambridge ihre Expertisen einbrachten – vor allem in Bildgebung und theoretischer Stammzellmodellierung.” Diese Zusammenarbeit habe es ermöglicht, die Daten zu erheben und auch zu verstehen. Stammzellen als therapeutisches Ziel für Hirnerkrankungen Die Studie beantwortet seit Langem bestehende Fragen in der Stammzellenforschung. Gleichzeitig betonen die Wissenschaftler, dass ihre Arbeiten nur der Beginn von weiterführenden Experimenten seien, um die Neubildung von Nervenzellen in all ihren Details zu verstehen. “Wir haben die Hoffnung, in Zukunft Stammzellen zur Reparatur des Gehirns nutzen zu können – zum Beispiel in Therapien für Erkrankungen wie kognitives Altern, Parkinson, Alzheimer oder bei Depressionen”, fasste Jessberger zusammen. Originalpublikation: Pilz GA et al.: Science 2018;359(6376):658-662.
Mehr erfahren zu: "Rauchen erhöht Demenzrisiko: Hinweise auf neue Lunge-Hirn-Achse" Rauchen erhöht Demenzrisiko: Hinweise auf neue Lunge-Hirn-Achse Der Zusammenhang zwischen Rauchen und Demenz könnte direkter sein als bislang angenommen: Forschende beschreiben eine Lunge-Hirn-Achse, über die durch Nikotin freigesetzte Exosomen die neuronale Eisenhomöostase beeinflussen und neurodegenerative Veränderungen begünstigen.
Mehr erfahren zu: "Verbände gegen Kürzungen in der Psychotherapie" Verbände gegen Kürzungen in der Psychotherapie Am 15. April 2026 demonstrierten in Berlin rund 4000 Psychotherapeuten sowie Unterstützende im Rahmen eines bundesweiten Aktionstages gegen geplante Kürzungen in der Psychotherapie. Anlass sind eine Honorarsenkung um 4,5 Prozent […]
Mehr erfahren zu: "Mehr Risiken als Nutzen bei neuen Alzheimer-Medikamenten" Weiterlesen nach Anmeldung Mehr Risiken als Nutzen bei neuen Alzheimer-Medikamenten Mehr als 20.000 Patienten, 17 Studien, eine durchwachsene Bilanz: Die neuen Alzheimer-Medikamente zeigen wenig klinisch relevante Wirkung – und könnten teils sogar schaden.