Temperaturanstieg kann Risiko für Myokardinfarkt erhöhen17. August 2019 © Robert Kneschke – stock.adobe.com (Symbolbild) Neue Evidenz legt nahe, dass die Exposition gegenüber Wärme als umweltbedingter Auslöser für Myokardinfarkte (MI) betrachtet werden sollte, insbesondere angesichts eines sich erwärmenden Klimas. Dr. Kai Chen und seine Kollegen vom Helmholtz Institut München konnten in ihrer Studie Belege für eine steigende Anfälligkeit der Bevölkerung für hitzebedingte MI zwischen 1987 und 2014 finden. In ihrer neuen Studie ging es den Forschern um die Abschätzung der zeitlichen Variationen des Zusammenhangs zwischen kurzfristigen Expositionen gegenüber der Lufttemperatur und MI in der Umgebung von Augsburg. Über einen Zeitraum von 28 Jahren (1987–2014) wurden insgesamt 27.310 MI und koronare Todesfälle aufgezeichnet und täglich die meteorologischen Daten in der Studiengegend gemessen. Eine zeitgeschichtete Crossover-Analyse mit einem distributiven nicht linearen Lag-Modell wurde verwendet, um das mit der Lufttemperatur im Zusammenhang stehende MI-Risiko abzuschätzen. Zudem nahmen die Autoren Subgruppen-Analysen vor, um Subpopulationen mit sich wandelnder Empfindlichkeit gegenüber der Lufttemperatur zu identifizieren. Die Ergebnisse zeigten eine nicht signifikante Abnahme des Risikos für kältebedingte MI. Das relative Risiko für hitzebedingte MI stieg signifikant von 0,93 (95%-Konfidenzintervall [KI] 0,78–1,12) im Zeitraum 1987–2000 auf 1,14 (95%-KI 1,00–1,29) in den Jahren 2001–2014. Der gleiche Trend konnte für erneute MI und Nicht-ST-Hebungsinfarkte beobachtet werden. Die zunehmende Empfindlichkeit der Bevölkerung gegenüber Hitze war bei Patienten mit Diabetes mellitus und Hyperlipidämie sogar noch deutlicher. Fazit Die Autoren fanden Hinweise, dass eine umweltbedingte Wärmeexposition als Auslöser für MI betrachtet werden sollte. (sh) Autoren: Chen K et al. Korrespondenz: [email protected] Studie: Temporal variations in the triggering of myocardial infarction by air temperature in Augsburg, Germany, 1987–2014 Quelle: Eur Heart J 2019;40(20):1600–1608. Web: https://doi.org/10.1093/eurheartj/ehz116