Testosteron und COVID-19: Assoziation oder Kausalität?

Testosteronmangel ist ein Risikofaktor für schwere COVID-19-Verläufe. Foto: hafakot – stock.adobe.com

Testosteronmangel kann schwere Verläufe und Tod durch SARS-CoV-2-Infektionen fördern. Darauf weist die Deutsche Gesellschaft für Mann und Gesundheit (DGMG) hin.

Welchen Einfluss hat das Geschlechtshormon Testosteron auf den Verlauf einer COVID-19-Erkrankung? Zu dieser spannenden und aktuellen Frage hatte die DGMG unlängst zu einem „Round Table“ gebeten. Dem Aufruf der Fachgesellschaft – vertreten durch ihren Präsidenten Prof. Frank Sommer – folgten die Intensivmedizinerin Dr. Maria Schröder, der Androloge Prof. Michael Zitzmann sowie der Pharmazeut Prof. Oliver Werz.

Wechselbeziehungen zwischen Testosteron, Komorbiditäten und COVID-19

„Männer und Frauen erkranken zu etwa gleichen Teilen an COVID-19. Jedoch erleiden Männer signifikant häufiger schwere Krankheitsverläufe oder versterben öfter als Frauen infolge ihrer COVID-19-Erkrankung1,2“, fasste Sommer das Diskussionsthema einleitend zusammen. Bereits früh geriet das Testosteron des Mannes in den Fokus. Dazu ist bekannt, dass niedrige Testosteronspiegel mit zahlreichen weiteren Komorbiditäten assoziiert sind, z. B. kardiovaskulären Erkrankungen, Diabetes mellitus Typ 2 und Chronisch-obstruktive Lungenerkrankung (COPD). Alle diese Begleiterkrankungen sind gleichzeitig auch selbst Risikofaktoren für schwere COVID-19-Verläufe.3

Niedriger Testosteronspiegel bei Intensivpatienten

Eine kleine Beobachtungsstudie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf zeigte, dass Männer mit schwerem COVID-19-Verlauf deutlich häufiger an einem Testosteronmangel leiden könnten.4 Neben metabolischen Störungen wurde in einigen Fällen auch ein Ungleichgewicht im Verhältnis von Testosteron zu Estradiol gemessen.4

Expertenkonsens

Die Expertenrunde einigte sich anhand der derzeitigen Datenlage darauf, dass Männer schwerer erkranken und häufiger an COVID-19 versterben. Männer mit niedrigen Testosteronspiegeln erleiden schwerere Verläufe. Männer mit Übergewicht leiden zeitgleich häufiger an einem Testosteronmangel und erkranken daher ebenfalls vermehrt schwerer an COVID-19.

(DGMG/ms)