Testosteronbehandlung erhöht Knochendichte22. März 2022 Grafik: rumruay – stock.adobe.com Bei Männern über 50 Jahren erhöht sich unter einer Testosteronbehandlung die kortikale volumetrische Knochenmineraldichte (vBMD). Das ist das Ergebnis der T4Bone-Studie, einer Teilstudie der T4DM-Studie (Testosterone für Diabetes Mellitus). Darauf weist die Deutsche Gesellschaft für Mann und Gesundheit (DGMG) hin. Der T4DM-Studie zufolge kann eine 2-jährige Testosteronbehandlung im Vergleich zu Placebo bei übergewichtigen Männern mit niedrigem Testosteron das Risiko für einen Typ-2-Diabetes signifikant reduzieren. Zudem ist bekannt, dass bei hypogonadalen Männern eine Testosterontherapie die Knochenmineraldichte (bone mineral density, BMD) erhöht. Fraglich waren dagegen bislang die Effekte der Hormonbehandlung auf die Knochenmikroarchitektur, eine wichtige Determinante zur Bestimmung des Frakturrisikos. Umfassende Untersuchung „Das Ziel der T4Bone-Studie war es, die Effekte von Testosteron auf die Knochenmikroarchitektur mittels hochauflösender peripherer quantitativer Computertomographie (HR-pQCT) zu ermitteln“, erläutert Prof. Frank Sommer, Androloge und Präsident der DGMG. „Dafür erhielten in 6 australischen Zentren Männer ab 50 Jahren mit niedrigem Testosteronspiegel und abdominaler Adipositas über 2 Jahre randomisiert entweder Testosteronundecanoat oder Placebo – jeweils ergänzt durch eine Lebensstilintervention inkl. Sport- und Ernährungsprogramm.“ Primärer Endpunkt der Untersuchung war die kortikale volumetrische BMD der distalen Tibia, gemessen mit HR-pQCT bei 177 Probanden eines Zentrums. Sekundäre Endpunkte waren weitere HR-pQCT-Parameter und Knochenumbaumarker. Bei 601 Männern aus 5 Zentren wurde die BMD pro Fläche (BMD/F) anhand der Dualenergie-Röntgenabsorptiometrie (DEXA) ermittelt. Vermehrter Knochenzuwachs Während des Studienzeitraums von 2 Jahren erhöhte sich unter der Testosterontherapie vs. Placebo die kortikale vBMD der Tibia um eine mittlere adjustierte Differenz (MAD) von 9,33 mg Hydroxylapatit (HA)/cm3 (p<0,001; +3,1%). Die kortikale vBMD des Radius nahm um 8,96 mg HA/cm3 (p=0,005; +2,9%) zu. Die gesamte vBMD von Tibia und Radius wurde durch das Testosteron ebenfalls verbessert (Tibia: MAD 4,16 mg HA/cm3; p<0,001; +1,3% / Radius: 4,42 mg HA/cm3; p=0,002; 1,8%). Zudem erhöhten sich unter der Behandlung die kortikale Fläche (Tibia: MAD 4,11 mm2; p<0,01; +2,5% / Radius: MAD 1,60 mm2; p=0,002; +20 %) und die kortikale Dicke (Tibia: MAD 0,03 mm; p<0,01; +1,7% / Radius: MAD 0,02 mm; p=0,006; +1,7%). Die Effekte der Testosteronsubstitution auf trabekuläre Parameter waren dagegen unbeständig: An der Tibia kam es bis zu Woche 66 zu einer Zunahme der trabekulären vBMD (MAD 1,70 mg HA/cm3; p=0,02) und zu einer Abnahme der trabekulären Fläche (MAD -2,65 mm2, p=0,02). Die Effekte des vermehrten Knochenzuwachses waren bei den Männern, die zu Studienbeginn ein niedrigeres Serumtestosteron- oder Serumöstradiol-Level hatten, nicht stärker ausgeprägt als bei den anderen Probanden. Im Gegensatz zu Placebo waren unter Testosteron die Knochenumbaumarker C-terminales Telopeptid (CTX) vom Kollagen-Typ-1 und N-terminales Kollagen-Typ1-Propeptid (P1NP) reduziert (MAD -48,1 ng/l; p<0,001 bzw. MAD -6,8 µg/l; p<0,001). Von 443 Männern lagen sowohl zum Studienbeginn als auch bei Woche 102 BMD/F-Daten vor. Demnach erhöhte die Testosterontherapie vs. Placebo die BMD an der standardisierten Lendenwirbelsäule um MAD 0,04 g/cm2 (p<0,001; +3,3%), an der gesamten Hüfte um MAD 0,01 g/cm2 (p<0,001; +1,9%) sowie am Femurhals um MAD 0,02 g/cm2 ; p<0,001; +1,7%). Keine schweren Nebenwirkungen Durch die Hormonsubstitution kam es zu keiner erhöhten Inzidenz von schweren unerwünschten Ereignissen. Sie war lediglich mit einem erhöhten Risiko eines Hämatokritanstiegs auf ≥54% assoziiert – bei 20% der Männer im Testosteron- bzw. bei 1% im Placebo-Studienarm. „Zusammenfassend lässt sich anhand der Studienergebnisse sagen, dass eine Testosteronbehandlung bei Männern über 50 Jahren zu einer deutlichen Erhöhung der volumetrischen Knochenmineraldichte führt. Dies erfolgt überwiegend durch Effekte an der Kortikalis“, so PD Dr. Tobias Jäger, Androloge und DGMG-Vorstandsmitglied. „Darüber hinaus weisen die Autoren aber auch darauf hin, dass für Aussagen zu entsprechenden Auswirkungen auf das Frakturrisiko weitere Untersuchungen notwendig sind.“ (DGMG/ms)
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