Testosterontherapie: Höheres Kardio-Risiko bei sekundärer Polyzythämie24. Oktober 2022 Bei der Testosterontherapie sollte möglicherweise auch das Hämatokrit als unabhängige Variable für die kardiovaskuläre Sicherheit berücksichtigt werden. Foto: gamjai – stock.adobe.com Die Entwicklung einer sekundären Polyzythämie unter Testosterontherapie ist im ersten Jahr der Therapie ein unabhängiger Risikofaktor für schwere kardiovaskuläre Ereignisse (MACE) und venöse Thromboembolien (VTE). Dies zeigt die Auswertung einer Datenbank mit mehr als 74 Millionen Patienten. Der Urologe Dr. Jesse Ory von der University of Florida in Miami, USA, und seine Kollegen identifizierten in der multiinstitutionellen Datenbank zwei Kohorten von Männern mit niedrigem Testosteronspiegel (Gesamttestosteron <350 ng/dl), die eine Therapie mit Testosteron erhielten und anschließend entweder eine Polyzythämie entwickelten (n=5887) oder nicht (n=42.784). Polyzythämie war definiert als ein Hämatokrit ≥52 Prozent. Außerdem identifizierten sie zwei Kohorten von hypogonadalen Männern ohne Polyzythämie, die entweder eine Testosterontherapie erhielten (n=26.880) oder nicht (n=27.430). Insgesamt 5842 Männer, die mit Testosteron behandelt wurden und eine Polyzythämie entwickelten, wurden mit 5842 Männern, die keine Polyzythämie entwickelten, gematcht und verglichen. Das Forschungsteam um Ory berichtet im „Journal of Urology“, dass Männer mit Polyzythämie unter Testosterontherapie ein höheres Risiko für MACE/VTE gehabt hätten (Zahl der Outcomes: 301; 5,15 %) als Männer mit normalen Hämatokrit-Werten (226; 3,87 %; OR 1,35; 95%-KI 1,13–1,61; p<0,001). Bei den hypogonadalen Männern, die mit Testosteron behandelt wurden, sei im Vergleich zu nicht mit Testosteron behandelten hypogonadalen Männern kein erhöhtes MACE/VTE-Risiko zu beobachten gewesen. Die Autoren schlussfolgern, dass künftige Forschungsarbeiten zur Sicherheit der Testosterontherapie auch das Hämatokrit als unabhängige Variable berücksichtigten sollten. (nec)
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