Therapie chronischer Schmerzen: Cannabinoid soll Opioide ersetzen

Unter den chronischen Schmerzen sind Rückenschmerzen die mit Abstand häufigste Diagnose. (Foto: © Teeradej – stock.adobe.com)

Das Arzneimittel VER-01 zeigt in mehreren klinischen Phase-III-Studien eine signifikante Linderung chronischer Schmerzen sowie gleichzeitig eine signifikante Verbesserung schmerzbedingter Schlafstörungen und Funktionseinschränkungen. Das berichtet die Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin und bewertet die erwartete Zulassung des Wirkstoffes als „Durchbruch in der Behandlung von Schmerzpatienten“.

Unter den chronischen Schmerzen sind Rückenschmerzen die mit Abstand häufigste Diagnose. Mangels sicherer und wirksamer Alternativen werden zur Behandlung überwiegend Opioide eingesetzt, die jedoch nur bei 30 Prozent der Patienten langfristig helfen. „Nachteile sind neben vegetativen Nebenwirkungen wie Übelkeit, Schwindel oder Schläfrigkeit, die wir in der Praxis häufig beobachten und die die Lebensqualität der Patientinnen und Patienten zusätzlich einschränken, auch zentrale Nebenwirkungen mit der hiermit verbundenen potenziellen Abhängigkeit“, beschreibt Dr. Richard Ibrahim, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin e.V. (DGS) weitere Nachteile der Schmerzbehandlung mit Opioiden.

Vor allem in den USA gilt der weitverbreitete Einsatz von Opioiden bei chronischen Schmerzen als Hauptursache der sogenannten Opioid-Epidemie, die bereits über 500.000 Todesopfer gefordert hat. Das neue, Cannabinoid-basierte Medikament VER-01 zeigt sich der DGS zufolge dagegen vielversprechend hinsichtlich Effektivität, Sicherheit und Verträglichkeit. Die Zulassung in Deutschland und Österreich wird im Juli 2025 erwartet und birgt der Fachgesellschaft zufolge „große Hoffnung für Schmerzpatienten“. Zusätzliche Studien sollen die Wirksamkeit von VER-01 in weiteren Schmerzindikationen nachweisen.

Die Wirkung des Arzneimittels wird der DGS zufolge durch die Daten einer Phase-III-Studie mit 820 Patienten deutlich: „Die Studienergebnisse belegen eine signifikante Schmerzreduktion. Hinzu kommen eine signifikante Verbesserung der Schlafqualität und eine verbesserte physische Funktion, was zusammen die Gefahr von Depressionen minimiert, die häufig chronische Schmerzen begleiten“, erklärt Prof. Matthias Karst, Oberarzt und Leiter der Schmerzambulanz, Medizinische Hochschule Hannover und Mitglied der Ad-hoc-Kommission „Cannabis in der Medizin“ der Deutschen Schmerzgesellschaft. Publiziert wurden die Ergebnisse bislang jedoch nicht.

„VER-01 könnte für viele chronische Rückenschmerzpatienten, die mit bisher zugelassenen Therapien unzureichend behandelt sind, eine sichere und effektivere Alternative sein, denn es ist ein Schmerzmittel, das hochwirksam ist bei chronischen Rückenschmerzen, mit im Vergleich zu Opiatanalgetika geringem Risiko für Abhängigkeit, Toleranzentwicklung oder Atemdepression – das ist meines Erachtens eine echte Revolution in der Schmerzmedizin“, ergänzt Dr. Philipp Müller-Schwefe, Studienarzt und Leiter des Schmerz- und Palliativzentrums Göppingen.