Therapie chronischer Schmerzen: Korrelation von Rückenmarkstimulation und Eosinophilie

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US-amerikanisch Forschende haben eine deutlich höhere Eosinophilenkonzentration bei Schmerzpatienten unter Neuromodulation festgestellt.

Eine Eosinophilie ist ein charakteristisches Kennzeichen für verschiedene Krankheiten. Ihr Zusammenhang mit chronischen Schmerzen ist derzeit aber noch ungeklärt. Nun überprüften US-amerikanische Forschende die Häufigkeit und klinische Relevanz einer Eosinophilie bei Patienten, denen wegen starker chronischer Schmerzen eine Rückenmarkstimulation (SCS) oder eine intrathekale Medikamentenpumpe (ITP) implantiert worden war.

Dafür untersuchten sie retrospektiv 212 Patienten mit SCS- oder ITP-Implantat. Für 114 von ihnen lagen die Ergebnisse eines vollständigen Differenzialblutbildes vor dem Eingriff vor und gingen in die endgültige Analyse ein. Eine Eosinophilie war dabei definiert als absolute Eosinophilenzahl (AEC) von mehr als 350 Zellen/μl.

Nur ein Prozent der Allgemeinbevölkerung weist eine Eosinophilie auf, aber 12,3 Prozent unter Neuromodulation

Insgesamt wiesen 14 Patienten (12,3 %) eine Eosinophilie mit einem mittleren AEC-Wert von 547 Zellen/μl auf versus 138 Zellen/μl in der Patientenkohorte ohne Eosinophilie. Bei den Betroffenen lag der Anteil der Eosinophilen an der Gesamtzahl der Leukozyten bei 6,3 Prozent (vs. 1,9 % bei den Nicht-Betroffenen), während die Gesamtzahl der weißen Blutkörperchen und die C-reaktiven Protein­werte nicht unterschiedlich waren.

Alter, Geschlecht oder Implantat-Typ sowie präoperative Diagnosen – darunter chronische neuropathische Schmerzen, persistierendes spinales Schmerzsyndrom Typ 1 und komplexes regionales Schmerzsyndrom – waren in beiden Gruppen vergleichbar. Die Verbesserung der Schmerzen nach der jeweiligen Implantation (gemäß numerischer Bewertungsskala) unterschied sich nicht signifikant (-1,90 vs. -1,60; p=0,676). Auch die Komorbiditäten waren in den Gruppen ähnlich, wobei in der Gruppe mit Eosinophilie 21,4 Prozent der Betroffenen eine Migräne, 21,4 Prozent Asthma, 7,1 Prozent Fibromyalgie und 7,1 Prozent Rheumatoide Arthritis aufwiesen. Bei keinem der Patienten mit Eosinophilie traten innerhalb von 30 Tagen oder einem Jahr Komplikationen auf, noch waren Revisionseingriffe oder die Entfernung des Implantates erforderlich.

Obwohl eine Eosinophilie bei weniger als ein Prozent der Allgemeinbevölkerung auftritt, ist sie bei 12,3 Prozent der Patienten nachzuweisen, die sich einer Neuromodulation wegen chronischer Schmerzen unterziehen. Möglicherweise spiegelt die Eosinophilie einen umfassenderen immunologischen Zustand wider, der für chronische Schmerzen mit starken Effekten charakteristisch ist. (je/BIERMANN)

Originalarbeit: Sargent EC et al. The Incidence of Eosinophilia in Refractory Chronic Pain Requiring Neuromodulation. Neuromodulation 2025;Sep 1:S1094-7159(25)00273-9. doi: 10.1016/j.neurom.2025.07.004