Therapie eines neu diagnostizierten Typ-1-Diabetes bei Erwachsenen: Die Kombination von Anti-IL-21 und Liraglutid könnte die ß-Zellfunktion erhalten

GRAZ (Biermann) – Ein T1D ist durch einen progressiven Verlust der funktionellen ß-Zellmasse gekennzeichnet, wodurch eine Insulinbehandlung erforderlich wird. Ein internationales Forschungsteam hat nun die Hypothese untersucht, dass die Kombination von Anti-Interleukin (IL)-21-Antikörpern (zur geringgradigen und vorübergehenden Immunmodulation) mit Liraglutid (zur Verbesserung der ß-Zellfunktion) das Überleben der ß-Zellen mit einem geringeren Komplikationsrisiko im Vergleich zur herkömmlichen Immunmodulation ermöglicht.


Die randomisierte, placebokontrollierte, parallele, doppelblinde Phase-II-Studie wurde an 94 Standorten (Universitätskliniken und medizinischen Zentren) in 17 Ländern durchgeführt. Teilnahme-berechtigt waren Erwachsene im Alter von 18–45 Jahren mit neu diagnostiziertem T1D und verbleibender ß-Zellfunktion. Patienten mit instabilem T1D oder chronischen Infektionen wurden ausgeschlossen. Die Studienteilnehmer wurden nach dem Zufallsprinzip (1:1:1:1) der Kombination von Anti-IL-21 und Liraglutid, Anti-IL -21, Liraglutid oder Placebo, alle als Ergänzung zu Insulin, zugeordnet. Der primäre Endpunkt war die Veränderung der Mixed-Meal-Toleranz-Test-[MMTT]-stimulierten C-Peptid-Konzentration in Woche 54 (Behandlungsende) im Vergleich zum Ausgangswert, gemessen über die Fläche unter der Konzentrations-Zeit-Kurve (AUC) über einen Zeitraum von 4 Std. Nach der Untersuchung wurden die Teilnehmer über einen Zeitraum von 26 Wochen nachbeobachtet.

Zwischen dem 10. November 2015 und dem 27. Februar 2019 wurden 553 Erwachsene auf ihre Eignung für die Studienteilnahme untersucht, 308 wurden randomisiert entweder Anti-IL-21 plus Liraglutid, Anti-IL-21, Liraglutid oder Placebo zugeordnet (77 ProbandInnen pro Gruppe). Im Vergleich zu Placebo (Verhältnis zum Ausgangswert 0,61; 39 % Abnahme) war die Abnahme der MMTT-stimulierten C-Peptid-Konzentration vom Ausgangswert bis Woche 54 bei Kombinationsbehandlung signifikant geringer (0,90; 10 % Rückgang; geschätztes Behandlungsverhältnis 1,48; 95 %-KI 1,16–1,89; p=0,0017). Mit Anti-IL-21 allein (1,23; 95 %-KI 0,97-1,57; p=0,093) oder Liraglutid allein (1,12; 95 %-KI 0,87-1,42; p=0,38) konnte dieser Effekt nicht beobachtet werden. Die Abnahme des HbA1c (sekundärer Endpunkt) in Woche 54 war bei allen aktiven Behandlungen (-0,50 Prozentpunkte) größer als bei Placebo (-0,10 Prozentpunkte), obwohl die Unterschiede gegenüber Placebo nicht signifikant waren. Die Effekte ließen nach Beendigung der Behandlung nach. Die Rate hypoglykämischer Ereignisse unterschied sich zwischen den Verumgruppen und Placebo nicht signifikant, mit Ausnahme einer niedrigeren Rate in der Liraglutid-Gruppe als in der Placebo-Gruppe während des Behandlungszeitraums. Es wurde keine diabetische Ketoazidose bei den Probanden beobachtet.
Die Kombination von Anti-IL-21 und Liraglutid könnte die ß-Zellfunktion bei kürzlich diagnostiziertem T1D erhalten. Die Wirksamkeit dieser Kombination ist mit anderen krankheitsmodifizierenden Interventionen bei T1D vergleichbar, mit einem wahrscheinlich besseren Sicherheitsprofil. Die Wirksamkeit und Sicherheit der Kombinationstherapie sollten in einem Phase-III-Studienprogramm weiter untersucht werden, so das Fazit der Studienautoren. (rl)

Autoren: Ludvik B et al.
Korrespondenz: Thomas Pieber; [email protected]
Studie: Anti-interleukin-21 antibody and liraglutide for the preservation of ß-cell function in adults with recent-onset type 1 diabetes: a randomised, double-blind, placebo-controlled, phase 2 trial
Quelle: Lancet Diabetes Endocrinol 2021 Apr;9(4):212–224.
Web: doi:10.1016/S2213-8587(21)00019-X