Therapierefraktärer Bluthochdruck: Renale Denervation wirksam und sicher

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Die randomisierte klinische Studie SPYRAL HTN-ON MED konnte bereits 2018 im Lancet zeigen, dass die renale Denervation (RDN) den Blutdruck in Anwesenheit von blutdrucksenkenden Medikamenten über einen Zeitraum von 6 Monaten stärker zu senken vermag als eine Scheinprozedur. Die langfristige Wirksamkeit und Sicherheit dieser kombinierten Behandlung wurden nun auch über einen Zeitraum von 3 Jahren belegt.

Die Langzeitergebnisse der Studie SPYRAL HTN-ON MED wurden im April 2022 ebenfalls im Lancet veröffentlicht und zeitgleich von Erstautor Felix Mahfoud auf der American College of Cardiology Annual Scientific Session (ACC 2022) präsentiert.

Das internationale Studienteam um Mahfoud sowie Michael Böhm vom Universitätsklinikum des Saarlandes in Homburg schloss in die einfach verblindete Untersuchung, die an 25 klinischen Zentren in 7 Ländern durchgeführt wurde, 80 Patienten mit einem unkontrollierten Bluthochdruck ein. Geeignete Patienten wiesen in der ambulanten 24-h­Messung einen systolischen Blutdruck zwischen 140 und 170 mmHg auf – trotz Therapie mit 1–3 antihypertensiven Medikamenten und stabiler Dosierung seit ≥6 Wochen.

Im Rahmen einer renalen Angiographie wurde bei den Patienten randomisiert entweder eine Radiofrequenz-RDN (n=38) oder eine Scheinprozedur (n=42) durchgeführt. Eine Demaskierung von Patienten und Behandlern erfolgte nach dem 12-monatigen Follow-up, um Teilnehmern der Scheinprozedurgruppe einen Wechsel in die Interventionsgruppe zu ermöglichen.

Die Studiengruppe um Mahfoud bewertete die langfristige Wirksamkeit anhand von ambulanten und stationären Blutdruckmessungen sowie die Sicherheit über einen Zeitraum von bis zu 36 Monaten. Der mittlere ambulante systolische und diastolische Blutdruck waren demnach in der RDN-Gruppe signifikant geringer gegenüber dem Ausgangswert sowie gegenüber der Scheinprozedurgruppe nach 24 und 36 Monaten, trotz einer ähnlichen Behandlungsintensität mit blutdrucksenkenden Medikamenten.

Die Medikamenteneinnahme ähnelte sich nach 36 Monaten zwischen den Gruppen, mit 2,13 ±1,15 Medikamenten in der RDN-Gruppe und 2,55 ±2,19 Medikamenten in der Scheinprozedurgruppe (p=0,26). An die Medikation hielten sich nach 36 Monaten allerdings nur 24/31 (77%) Patienten in der RDN-Gruppe, jedoch 25/27 (93%) Patienten in der Scheinprozedurgruppe.

Nach 36 Monaten betrug die ambulante systolische Blutdrucksenkung 18,7 ±12,4 mmHg in der RDN-Gruppe (n=30) und 8,6 ±14,6 mmHg in der Scheinprozedurgruppe (n=32; bereinigte Behandlungsdifferenz –10,0 mmHg; 95%-KI –16,6 bis –3,3; p=0,0039). Die Behandlungsunterschiede zwischen den Gruppen betrugen nach 36 Monaten –5,9 mmHg (95%-KI –10,1 bis –1,8; p=0,0055) für den mittleren ambulanten diastolischen Blutdruck, -11,0 mmHg (95%-KI –19,8 bis –2,1; p=0,016) für den morgendlichen und –11,8 mmHg (95%-KI –19,0 bis –4,7; p=0,0017) für den nächtlichen systolischen Blutdruck.

Fazit
Die RDN mit Radiofrequenzenergie führte im Vergleich zur Scheinprozedur zu einer klinisch bedeutsamen und anhaltenden Blutdrucksenkung, unabhängig von gleichzeitiger blutdrucksenkender Medikation. Es gab keine kurz- oder langfristigen Sicherheitsprobleme im Zusammenhang mit der RDN, wie die Studienautoren angeben. (ah)

Autoren: Mahfoud F et al.
Korrespondenz: Felix Mahfoud; [email protected]
Studie: Long-term efficacy and safety of renal denervation in the presence of antihypertensive drugs (SPYRAL HTN-ON MED): a randomised, sham-controlled trial
Quelle: Lancet 2022;399(10333):1401–1410.
Web: https://doi.org/10.1016/S0140-6736(22)00455-X