Thrombolyse bei Schlaganfall ist auch bei zerebralen Mikroblutungen effektiv30. November 2021 Foto: ©samunella – stock.adobe.com Einer aktuellen Studie zufolge stellen initial vorhandene Mikroblutungen keine generelle Kontraindikation für eine Lyse nach ischämischem Schlaganfall und unbekanntem Zeitpunkt des Symptombeginns dar. Darauf weist die Deutsche Gesellschaft für Neurologie hin. Die Behandlung bei einem ischämischen Schlaganfall besteht, wenn nichts dagegen spricht, in der medikamentösen Auflösung des Gerinnsels. Diese sollte in einem Zeitfenster von 4,5 Stunden erfolgen, um Einblutungen durch die intravenöse Lysetherapie zu vermeiden. Es gibt jedoch Hinweise darauf, dass vorbestehende zerebrale Mikroblutungen (CMB) mit einem erhöhten Risiko für die Entwicklung einer größeren intrazerebralen Blutung (ICB) bei der Lysetherapie assoziiert sind. Nun wurde eine deutsche Studie publiziert, die untersuchte, ob diese Mikroblutungen das Behandlungsergebnis der Thrombolyse beeinflussen.1 Dabei handelt es sich der DGN zufolge um eine präspezifizierte Subanalyse der randomisierten, kontrollierten, multizentrischen WAKE-UP-Studie.2 Die WAKE-UP-Studie hatte (2012–2017) Nutzen und Sicherheit der Thrombolyse im erweiterten Zeitfenster beziehungsweise bei unbekanntem Zeitpunkt des Symptombeginns (z. B. im Schlaf) bei MRT-basiert selektierten Patienten untersucht. Die Teilnehmenden wurden randomisiert und erhielten entweder eine i. v.-Thrombolyse (mit Alteplase) oder Placebo. Der CMB-Status (Vorhandensein, Anzahl und Verteilung von CMBs) wurde erst nach Komplettierung der Studie analysiert, verblindet hinsichtlich klinischer Informationen. Endpunkte waren ein gutes funktionelles Outcome nach 90 Tagen – definiert durch einen mRS-Score ≤1 („modifizierte Rankin-Skala“) sowie symptomatische ICBs 22 bis 36 Stunden nach der Lysetherapie gemäß den NINDS-Kriterien („National Institute of Neurological Disorders and Stroke“). In der Subanalyse konnten 459/503 (91,3 %) der Teilnehmenden der WAKE-UP-Studie ausgewertet werden (63 % Männer). 98/459 (21,4 %) hatten mindestens eine Mikroblutung in der initialen Bildgebung, 45 (9,8 %) hatten eine, 37 (8,1 %) hatten zwei bis vier und 16 (3,5 %) hatten fünf oder mehr CMBs. Der Nachweis von Mikroblutungen ging mit einem nichtsignifikanten Anstieg des ICB-Risikos einher (11,2 % vs. 4,2 %, adjustierte OR 2,32; p=0,052), was jedoch keinen Effekt auf das funktionelle 90-Tages-Outcome (einen mRS-Score ≤1 hatten 45,8 % vs. 50,7%; p=0,955) hatte und keine Interaktion des Nachweises von CMBs mit dem Therapieeffekt der Thrombolyse zeigte. Insgesamt zeigte die Lyse-Gruppe ein signifikant besseres funktionelles Outcome: Einen mRS-Score ≤1 hatten 54,6 % der lysierten Patientinnen und Patienten versus 44,6 % der Placebogruppe (adj. OR 1,61; p=0,022). „In dieser Subgruppenanalyse konnten wir bei ischämischen Schlaganfällen mit unbekanntem Zeitpunkt des Symptombeginns und begleitenden zerebralen Mikroblutungen keinen Hinweis auf einen verminderten Behandlungseffekt der intravenösen Thrombolyse finden, auch wenn das Blutungsrisiko beim Vorliegen von Mikroblutungen etwas höher war“, fasst Prof. Christian Gerloff, Präsident der DGN und Letztautor der WAKE-UP-Studie, zusammen. „Initial vorhandene Mikroblutungen stellen also bei dieser Konstellation keine Kontraindikation für eine Lyse dar – bei der Aufklärung der Betroffenen sollte die Situation jedoch besprochen werden.“ „Der möglichst frühzeitige Beginn einer Thrombolysetherapie bleibt für den Therapieerfolg essenziell. Es ist wichtig zu wissen, dass zerebrale Mikroblutungen nicht grundsätzlich eine Kontraindikation der Lyse darstellen“, betont auch Prof. Peter Berlit, Generalsekretär der DGN.
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