Tiefe Hirnstimulation zur Alzheimer-Behandlung

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Das Zentrum für Kognitive Störungen, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Technischen Universität München (TU), hat den europaweit ersten Patienten in eine neue Studie eingeschlossen, um die Sicherheit und Wirksamkeit der Tiefen Hirnstimulation (THS) bei Patienten mit leichtgradiger Demenz bei Alzheimer-Krankheit zu untersuchen.

In der Studie „ADvance II“ wird die Effektivität der elektrischen Stimulation des Fornix (THS-f) – einer wichtigen Nervenbahn im Gedächtnisschaltkreis des Gehirns – bei Patienten mit Alzheimer-Krankheit untersucht. Die bisherige wissenschaftliche Forschung deutet darauf hin, dass dieser bereits in der Anfangsphase der Alzheimer-Krankheit betroffen sein könnte. Bislang ist die THS in der Europäischen Union, USA und Kanada bereits zur Behandlung von Morbus Parkinson, Dystonie sowie essenziellem Tremor zugelassen.

Vielversprechender Ansatz bei neurologischen Erkrankungen

„Die Alzheimer-Krankheit als häufigste Ursache einer demenziellen Entwicklung wird aufgrund des demografischen Wandels weiter an gesellschaftlicher Bedeutung gewinnen. Es besteht dringender Bedarf an besseren Behandlungsmöglichkeiten. In einer Vorstudie konnte durch die Tiefe Hirnstimulation des Fornix die Aktivität des neuronalen Netzwerks für Gedächtnis gesteigert und auch die neuronale Aktivität damit verbundener anderer Hirnregionen erhöht werden. Mit den Ergebnissen der ADvance-II-Studie wollen wir Erkenntnisse darüber gewinnen, wie sich dieses Verfahren auf die klinischen Beschwerden von Patienten auswirkt und wie gut die Betroffenen die dafür erforderliche Hirnoperation verkraften. Gegenwärtig ist es noch zu früh, einen möglichen Nutzen für Patienten zu beurteilen“, sagte Prof. Timo Grimmer vom Zentrum für Kognitive Störungen, TU München.

“Die Tiefe Hirnstimulation ist ein vielversprechender Therapieansatz und wird seit mehr als zwei Jahrzehnten bei anderen neurologischen Erkrankungen wie Parkinson, Essenziellem Tremor, Dystonie und seit kürzerem auch Epilepsie sehr erfolgreich eingesetzt. Wir freuen uns, dass wir mit diesem neurochirurgischen Verfahren in enger Zusammenarbeit mit Demenzspezialisten nun einen Beitrag zur Alzheimerforschung leisten können”, erklärte PD Dr. Jan-Hinnerk Mehrkens, Leiter des Bereichs Funktionelle Neurochirurgie der Neurochirurgischen Klinik und Poliklinik am LMU Klinikum.

Über die ADvance-II-Studie

Bei der ADvance-II-Studie handelt es sich um eine randomisierte, kontrollierte und doppelblinde Studie, die bis zu 210 Probanden umfassen soll. In die Studie eingeschlossen werden Patienten, die an einer leichtgradigen Alzheimer-Demenz leiden und über 65 Jahre alt sind. Die Studie wird vom Forschungsunternehmen Functional Neuromodulation in Deutschland, den USA und Kanada durchgeführt. Die Studie wird von Prof. Jürgen Voges, Universitätsklinik Stereotaktische Neurochirurgie, Universität Magdeburg, Prof. Constantine Lyketsos, Lehrstuhl für Psychiatrie am Johns Hopkins Bayview Medical Center, Baltimore, Maryland, USA und Prof. Andres Lozano, Neurochirurgische Klinik an der University of Toronto, Ontario, Kanada, geleitet.

Die ADvance-II-Studie baut auf den Ergebnissen der vorangegangenen ADvance-I-Studie auf, die eine positive Wirkung der THS-f bei Patienten ab 65 Jahren nahelegt. Die Ergebnisse dieser Studie führten Ende 2017 auch zur Vergabe eines CE-Zertifikates der THS-f für Patienten mit leichter Alzheimer-Krankheit in Europa.

Die ADvance-II-Studie wird derzeit an ca. 20 Zentren in den USA, Kanada und Deutschland durchgeführt. Zu den deutschen Standorten gehören zurzeit die Universitätskliniken in Berlin, Kiel, Köln, Magdeburg, München und Würzburg.