Tinnitus, Hörverlust und Hyperakusis bei Musikern häufiger11. März 2026 Foto: master1305/stock.adobe.com Einer aktuellen Übersichtsarbeit zufolge leiden über 40 Prozent der Musiker unter Tinnitus. Auch Hörverlust und Hyperakusis sind deutlich häufiger. Die Autoren plädieren für regelmäßige Hörtests und präventiver Beratung für Berufs- aber auch Freizeitmusiker. Die systematische Übersichtsarbeit und Metaanalyse, veröffentlicht in „Otolaryngology–Head and Neck Surgery“ zeigt, dass Musiker deutlich häufiger unter Tinnitus, Hörverlust und Hyperakusis leiden als Nichtmusiker. Die Studie wertete Daten aus 67 Einzelstudien mit über 28.000 Musikern aus 21 Ländern aus. Das Team um Erstautorin Lauren A. McCray von der Abteilung für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde und Kopf-Hals-Chirurgie der Medizinischen Universität von South Carolina (USA) schloss Kohorten- und Querschnittstudien ein, welche die Prävalenz von Hörsymptomen bei Freizeit- und Berufsmusikern ab 18 Jahren untersuchten. Studien mit Kindern oder ausschließlich Daten zur Lärmbelastung wurden nicht berücksichtigt. Zwei der Autoren extrahierten die Daten unabhängig voneinander, Unstimmigkeiten klärten sie im Gespräch. Musiker berichten dreimal häufiger Tinnitus als Nichtmusiker Das Verzerrungsrisiko bewerteten McCray et al. anhand des „Risk of Bias in Nonrandomized Studies – of Exposure“ für prospektive Kohortenstudien, der „Joanna Briggs Institute (JBI)“-Checkliste für retrospektive Kohorten- und Querschnittstudien sowie des „Risk of Bias 2“-Tools für randomisierte kontrollierte Studien. Als primäre Endpunkte legten sie kontinuierliche Messwerte (Mittelwert) und Anteile (%) mit 95%-Konfidenzintervallen fest. Die Musiker waren im Mittel 34,4 Jahre alt, während das Durchschnittsalter in der Kontrollgurppe bei 30,2 Jahren lag. Laut Studie berichteten 42,6 Prozent der Musiker über Tinnitus, verglichen mit nur 13,2 Prozent der Personen in der Kontrollgruppe. Hörverlust betraf 25,7 Prozent der Musiker gegenüber 11,6 Prozent der Kontrollgruppe. Auch Hyperakusis gaben Musiker im Vergleich zu Personen aus der Kontrollgruppe häufiger an: 37,3 Prozent – im Vergleich zu 15,3 Prozent der Nichtmusiker. Musiker nehmen Tinnitus, Hyperakusis oder Hörverlust oft hin „Viele Musiker leben stillschweigend mit Tinnitus, Hyperakusis oder Hörverlust, egal ob sie in einem Konzertsaal oder einem kleinen Club spielen. Die Forschung dazu ist jedoch noch unvollständig und basiert oft auf Selbstauskünften. Dabei fehlen wichtige Informationen zu anderen lauten Hobbys, den verwendeten Instrumenten oder die Musiker konsequent Gehörschutz verwenden. Was wir jetzt dringend brauchen, ist eine individuellere Risikoanalyse, bei der Musiker selbst mitwirken. So können wir ihnen praktische, maßgeschneiderte Ratschläge geben, damit sie ihr Gehör schützen können, ohne auf die Musik verzichten zu müssen, die sie lieben“, kommentierte der korrespondierende Autor Dr. Shaun A. Nguyen, Professor an der Abteilung für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde und Kopf-Hals-Chirurgie der Medizinischen Universität von South Carolina, die Studienergebnisse. Rock oder Klassik – Symptome unterscheiden sich nicht Von den Musikern, die Tinnitus hatten, beschrieben die meisten (76,3 %) ihre Symptome als gelegentlich, während 15,6 Prozent über permanenten Tinnitus berichteten. Bei Musikern mit Hörverlust basierten etwa 63 Prozent der Fälle auf subjektiven Selbstangaben. Nur etwa 37 Prozent wurden durch objektive audiometrische Tests bestätigt. Das deutet nach Einschätzung der Autoren darauf hin, dass die tatsächliche Prävalenz sogar noch höher sein könnte als bisher berichtet. Bemerkenswerterweise ergab die Studie keinen signifikanten Unterschied in der Prävalenz von Hörverlust, Hyperakusis oder Tinnitus zwischen klassischen Musikern und Pop-/Rockmusikern. Dies stelle bisherige Annahmen in Frage und lege nahe, dass das Hörrisiko genreübergreifend ist, so die Autoren. Sie weisen darauf hin, dass individuelle Faktoren wie Instrumententyp, Sitzposition im Ensemble, Raumakustik und die Einstellung zum Gehörschutz eine wichtigere Rolle für das Hörrisiko spielen könnten als das Genre allein. (ja/BIERMANN)
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