Total-Body-PET/CT an der MHH: Detaillierte Ganzkörperbilder in einem Schritt27. Januar 2026 Offizieller Start des ersten Total-Body-PET/CT-Systems in Deutschland: Prof. Denise Hilfiker-Kleiner, Minister Falko Mohrs, Prof. Frank Bengel und Prof. Simon Cherry. Bild: ©Karin Kaiser/MHH An der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) wurde der erste Total-Body-PET/CT in Deutschland − der vierte weltweit − in Betrieb genommen. Laut MHH setzt er neue Maßstäbe in Diagnostik, Patientenversorgung und Forschung. Als erste Einrichtung in Deutschland und vierte in der ganzen Welt hat die Klinik für Nuklearmedizin der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) ein Total-Body-PET/CT-System mit einem Sichtfeld von rund 150 Zentimetern in Betrieb genommen. Mit dem innovativen Gerät können in einem Schritt dreidimensionale Bilder fast des gesamten menschlichen Körpers erfasst werden. Kombiniertes Untersuchungsverfahren „Die Möglichkeit der Ganzkörper-Darstellung hat viel Potenzial für Diagnostik, Behandlung und Forschung. Das Gerät liefert nicht nur genauere Darstellungen, es arbeitet auch schneller und strahlungsärmer – das sind wesentliche Vorteile für die Patientinnen und Patienten“, erklärte Klinikdirektor Prof. Frank Bengel. Die PET/CT-Technik ist ein wichtiger Bestandteil der onkologischen, immunologischen, kardiologischen und neurologischen Diagnostik. Dabei werden zwei Bildgebungsverfahren miteinander kombiniert: die Positronen-Emissions-Tomografie (PET) und die Computertomografie (CT). PET-Untersuchungen dienen dazu, molekulare Prozesse im Körper darzustellen. Um sie sichtbar zu machen, werden leicht radioaktiv markierte Spürsubstanzen, auch Tracer genannt, eingesetzt. Ein häufig genutzter Tracer ist beispielsweise FDG, eine radioaktiv angereicherte Zuckerart, die dabei hilft, Krebstumore aufzuspüren. „Krebszellen verbrauchen vermehrt Zucker. Aufgrund ihrer erhöhten Stoffwechselaktivität können wir Tumore mit höchster Empfindlichkeit identifizieren“, so Prof. Sibylle Ziegler, Leiterin der PET-Forschung an der Klinik für Nuklearmedizin. Bei CT-Untersuchungen hingegen werden 3-D-Schnittbilder erstellt, die detailliert Knochen, Organe und Gefäße zeigen. Bei einer kombinierten PET/CT-Untersuchung werden beide Scans direkt nacheinander in derselben Geräteeinheit durchgeführt. Diese Aufnahmen werden anschließend am Rechner fusioniert. „So werden funktionelle und anatomische Informationen zusammengebracht. Tumore oder auch Entzündungen können genau lokalisiert werden“, erklärt Ziegler. Die herkömmliche PET/CT-Anlage der Klinik für Nuklearmedizin kann nur ein Sichtfeld von etwa 25 Zentimeter erfassen. Aufnahmen vom Scheitel bis zum Oberschenkel Die neue Total-Body-PET/CT-Anlage hebt diese Technik nun auf ein ganz anderes Niveau. Denn statt mit dem bisher üblichen Sichtfeld von 25 Zentimetern wartet das neue Gerät mit einem Sichtfeld von bis zu 150 Zentimetern auf. „Wir können mit einer Aufnahme dreidimensionale Bilder des menschlichen Körpers vom Scheitel bis zum Oberschenkel erstellen“, erläutert Ziegler. „Das heißt, wir erfassen die molekularen Prozesse in nahezu dem ganzen Körper gleichzeitig. Damit wird eine Betrachtung des Körpers als Gesamtsystem ermöglicht, was über den gängigen Blick auf einzelne Organe hinausgeht.“ Detaillierter Einblick: Klinikdirektor Prof. Frank Bengel (rechts) begutachtet gemeinsam mit Oberarzt Dr. Philipp Rath eine Aufnahme des Total-Body-PET/CT. Bild: ©Karin Kaiser/MHH Diese Übersichten sind zum Beispiel sehr wichtig bei der Darstellung von im Körper verstreuten Metastasen eines Ursprungstumors. Bisher mussten die Fachleute der Nuklearmedizin mehrere kleinflächige Aufnahmen nacheinander anfertigen und diese dann am Rechner zu einer großen Übersicht zusammenfügen. Eine solche Aufnahme dauerte etwa 20 bis 25 Minuten. Das neue Gerät kann diese großflächigen Darstellungen schon in weniger als einer Minute liefern. Schneller und schonender Die kürzere Zeit in der „Röhre“ ist ein großer Vorteil für die Patientinnen und Patienten, etwa wenn sie aufgrund von Schmerzen nicht lange in einer Position verharren können oder wenn es sich um kleine Kinder handelt, denen es schwerfällt, längere Zeit still zu liegen. Darüber hinaus profitieren die Patienten auch davon, dass beim Total-Body-PET/CT weniger Strahlung benötigt wird, die Untersuchungen sind also schonender. „Die Messtechnik ist ausgesprochen sensibel, sie kommt mit deutlich geringeren Mengen verabreichter Radioaktivität aus, um die erforderliche Bildqualität zu erreichen“, erklärt Ziegler. Obwohl weniger Strahlung zum Einsatz komme, seien die Aufnahmen kontrastreicher und schärfer als bei herkömmlichen Geräten. Die Expertin ist vor allem davon angetan, dass die Aufnahmen viel mehr Details zeigen. „Die Bilder haben eine Auflösung von bis zu drei Millimetern. Das ist fantastisch, wenn man bedenkt, dass der bisherige Standard bei über vier Millimeter liegt.“ Neue Möglichkeiten für Forschung Die Möglichkeit, molekulare Vorgänge zeitgleich im fast ganzen Körper darzustellen, bringt die bildgebende Diagnostik nach vorn. So kann jetzt möglicherweise der Erfolg einer Krebstherapie früher und besser erkannt und die Therapie genauer angepasst werden. Das Team der Klinik für Nuklearmedizin wird an dem neuen Total-Body-PET/CT deutlich mehr Patienten pro Tag untersuchen können. Doch die Top-Technik wird nicht nur für klinische Zwecke genutzt. Sie eröffnet auch Forschenden zahlreicher Fachrichtungen ganz neue Perspektiven, etwa wenn es darum geht, neue Tracer oder auch neue Medikamente zu entwickeln und einzusetzen. Wissenschaftliches Eröffnungssymposium Aus Anlass der Inbetriebnahme fand am 23. Januar ein wissenschaftliches Eröffnungssymposium statt. Als Hauptredner konnte Prof. Simon Cherry von der University of California, Davis, als Pionier auf dem Gebiet der Total-Body PET/CT und Wegbereiter der Technologie gewonnen werden. Der Biomedizintechniker hält die MHH für eines der weltweit führenden Forschungszentren für kardiovaskuläre molekulare Bildgebung und ist begeistert über die Installation des Ganzkörper-PET/CT-Scanners. „Ich bin überzeugt, dass die Kombination aus der besten PET-Bildgebungstechnologie und einem hervorragenden Team, das den Wert eines systemischen Ansatzes bei der Erforschung von Krankheiten versteht, zu grundlegenden neuen Erkenntnissen mit großer klinischer Bedeutung führen wird.“
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