Traumata hinterlassen epigenetische Spuren

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Forscherinnen und Forscher des Max-Planck-Instituts für Psychiatrie (MPI) haben die molekulare Mechanismen untersucht, die an der Entstehung einer Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) beteiligt sind. Dabei k konnten sie zeigen, dass traumatische Erlebnisse bei Menschen und Mäusen zu ähnlichen molekularen Veränderungen führen.

Die Forscher untersuchten die Rolle des Transkriptorfaktors GILZ (Glukokortikoid-induzierter Leucin- Zipper). GILZ wird durch das Gen Tsc22d3 kodiert, das auf dem X-Chromosom sitzt, wird von Glukokortikoiden hochreguliert und wirkt entzündungshemmend.

In Blutproben aus einer Kohorte von stark traumatisierten Amerikanern bestimmten die MPI-Forscherinnen und Forscher den GILZ-mRna-Spiegel und untersuchten den epigenetischen Prozess der GILZ-Methylierung. Im Mausmodell erzeugten sie zu verschiedenen Zeitpunkten Traumata: Ein Modellstressor stimulierte pränatal die biologische Aktivierung der zentralen Stressantwort, der andere verursachte PTBS-ähnliches Verhalten im Erwachsenenalter.

Die Direktorin des MPI, Prof. Elisabeth Binder, fasst die Erkenntnisse aus den menschlichen Blutproben zusammen: „Interessanterweise sahen wir bei den Männern, dass mehr traumatische Ereignisse in ihrem Leben zu niedrigeren GILZ-mRNA-Werten und umso stärkerer GILZ-Methylierung führten. Deshalb nehmen wir an, dass GILZ die Reaktion auf Stress beeinflusst.“

Die männlichen Mäuse, die pränatalem und späterem Stress ausgesetzt waren, zeigten dreimal so häufig PTBS-ähnliches Verhalten wie Tiere in der Kontrollgruppe. Zudem ging die erhöhte Stressanfälligkeit mit einer reduzierten GLIZ-mRNA und anderen epigenetischen Veränderungen einher.

MPI-Direktor Alon Chen, der neurobiologische Vorgänge in Zusammenhang mit Stress im Mausmodell erforscht, erklärt: „Wir wollten herausfinden, wie die Mäuse auf verringerte GLIZ reagierten. So sahen wir, dass 70 Prozent der Versuchstiere mit reduziertem GLIZ PTBS-ähnliches Verhalten zeigten, während es bei den nicht behandelten Mäusen nur zehn Prozent waren.“

Originalpublikation:
Lebow MA et al.: Glucocorticoid-induced leucine zipper “quantifies” stressors and increases male susceptibility to PTSD. Translational Psychiatry 2019;9:178.