Trisomie 21 und Hörverlust: Frühzeitige Intervention angeraten

Kinder mit Trisomie 21 weisen häufig Schäden und Einschränkungen des Gehörs auf. Um die Betroffenen bestmöglich behandeln und fördern zu können, ist es von großer Bedeutung für die (Sprach-)Entwicklung des Kindes, eventuelle Beeinträchtigungen frühzeitig zu erkennen und effektiv zu behandeln.

Durch gezielte und individuell angepasste Fördermaßnahmen können die meisten Kinder mit Down-Syndrom ihre Lernentwicklung so verbessern, dass sie sich sozial und später auch beruflich gut integrieren und eine hohe Chance haben, im Alltag weitgehend selbstständig zu sein. Grundlage für solche Entwicklungsschritte sind jedoch ein möglichst uneingeschränktes Hörvermögen und Sprachverständnis.

Eine aktuelle Studie US-amerikanischer Kinderärzte der Universitäts-Kinderklinik von Colorado evaluierte die Prävalenz dauerhaften und transienten Hörverlusts sowie den Einsatz von Hörgeräten und die Dysfunktion des Mittelohrs bei Kindern mit Trisomie 21. Die Autoren bedienten sich hierzu eines großen Datensatzes, der verschiedene Altersgruppen, das Geschlecht sowie ethnische Hintergründe berücksichtigte.

Die Autoren unternahmen eine retrospektive Analyse der Daten von 308 Kindern mit Down-Syndrom (168 Jungen, 140 Mädchen; Durchschnittsalter = 5,99 ± 4.88 Jahre), die im Jahre 2013 einer audiologischen Untersuchung an einem großen Kinderkrankenhaus unterzogen wurden.

Dauerhafter Hörverlust wurde bei annähernd einem Viertel (24,9 %) der Kinder diagnostiziert, wobei bilaterale Hörschäden (75,4 %) und Schall-Leitungsschwerhörigkeit (33,3 %) am häufigsten auftraten. Von den Kindern mit Trisomie 21 erfuhren 22 % bis 30 % eine vorübergehende Hörminderung, wobei eine hohe Inzidenz von Schäden des Mittelohrs zwischen Kindheit und frühem Erwachsenenalter festgestellt wurde.

Es konnten im Rahmen der Untersuchung keine statistisch signifikanten Unterschiede bezüglich des ethnischen Hintergrunds auf den anhaltenden/vorübergehenden Hörverlust dokumentiert werden. Ein Hörgerät wurde von 23 % der Kinder getragen oder war im Behandlungsplan vorgesehen.

Die Prävalenz von Hörschäden bei Kindern mit Down-Syndrom ist nach Darstellung der Autoren hoch; dies trifft ebenso auf einen anormalen Mittelohrstatus zu. Diese Hochrisiko-Population sollte entsprechend der Leitlinien grundsätzlich einem audiologischen Screening unterzogen werden und besonders in den ersten Lebensjahren durch Otolaryngologen betreut werden. (am)

Quelle: Nightengale et al. Understanding Hearing and Hearing Loss in Children With Down Syndrome. Am J Audiol. 2017 Sep 18;26(3):301-308.

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