Trockenes Auge nach refraktiver Chirurgie: CGRP-Augentropfen stellen Tränensekretion wieder her

Künstlich hergestellte CGRP-Augentropfen könnten eine wirksame Therapieoption bei trockenem Auge nach refraktiven Eingriffen sein, wie eine aktuelle Studie zeigt (Symbolbild). Foto: © H_Ko-stock.adobe.com

Eine aktuelle Arbeit zeigt, dass künstlich hergestellte Calcitonin-Gene-Related-Peptide(CGRP)-Augentropfen einen wirksamen therapeutischen Ansatz für die Prävention und Behandlung des Trockenen Auges nach refraktiven Operationen darstellen könnte.

Nach refraktiven Operationen sind Trockene Augen eine häufige, meist temporäre Nebenwirkung. Ursächlich ist dafür die Durchtrennung feiner Hornhautnerven, die die Tränenproduktion steuern. Eine Studie untersuchte deshalb die Rolle des sensorischen Neuropeptids Calcitonin Gene-Related Peptide (CGRP) bei Trockenen Augen nach refraktiven Operationen am Mausmodell. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler im Fachjournal „Investigative Ophthalmology & Visual Science“.

Bewertung der therapeutischen Wirksamkeit von CGRP gegenüber künstlich hergestelltem CGRP

Für ihre Untersuchungen setzten die Wissenschaftler erwachsene C57BL/6J-Mäusen ein und durchtrennten chirurgisch die Hornhautnerven bei den Versuchstieren. Zusätzlich führten die Forscher eine Validierung anhand eines Modells mit photorefraktiver Keratektomie (PRK) durch.

Die postoperativen Untersuchungen umfassten neben der Empfindlichkeit, Nervendichte, Fluorescein- respektive Immunfluoreszenz-Färbung und RNA-Sequenzierung der Hornhaut auch die Tränensekretion. Des Weiteren bestimmten die Wissenschaftler den Transient-Receptor-Potential-Melastatin-8 (TRPM8) des Trigeminusganglions, c-FOS und die in-vivo-elektrophysiologische Aufzeichnung des superioren Speichelkerns (SSN) des Gehirns. Zudem wurde die therapeutische Wirksamkeit von CGRP und einem künstlich hergestellten CGRP (eCGRP) bei der Behandlung des Trockenen Auges bewertet.

Durchtrennung der Hornhautnerven führt zu Symptomen des Trockenen Auges

Die Analysen der Forscher zeigten, dass die Durchtrennung der Hornhautnerven zu einer signifikanten Abnahme des CGRP-Gehalts in der Hornhaut führte. Parallel dazu entwickelten sich Symptome des Trockenen Auges, darunter eine verminderte Tränensekretion, eine gestörte Epithelbarriere sowie eine Degeneration subbasaler Nerven.

Therapeutische Wirksamkeit von eCGRP beim Trockenen Auge nach refraktiver Operation bestätigt

Nach Angaben der Wissenschaftler konnten diese pathologischen Veränderungen durch prophylaktische Gabe von CGRP wirksam rückgängig gemacht werden. Therapeutisch verabreichtes CGRP schwächte die Befunde deutlich ab, indem es den intakten neuronalen Regelkreis der Tränensekretion stärkte.

Im Vergleich zu nativem CGRP erwies sich die topische Anwendung von eCGRP als wirksamer: Sie steigerte die Tränensekretion, stellte die epitheliale Homöostase wieder her und reduzierte die Hornhautentzündung – ohne schmerzassoziierte Nebenwirkungen. Auch im laserbasierten PRK-Modell linderte eCGRP die Symptome des Trockenen Auges und bestätigte damit seine therapeutische Wirksamkeit in einem klinisch relevanteren Operationssetting.

Die Studiendaten zeigen, dass die CGRP-Expression in der Hornhaut bei Trockenen Augen nach refraktiven Operationen durch eine Verringerung der TRPM8-SSN-Aktivität herunterreguliert wird. Somit könnte eCGRP den Forschern zufolge einen wirksamen therapeutischen Ansatz zur Prävention und Behandlung darstellen.

(sas/BIERMANN)